Geschäftsjahr 2014
Das Kantonsspital Aarau schreibt tiefrote Zahlen

Das Kantonsspital Aarau (KSA) rechnet für 2014 mit einem Verlust von rund 18 Millionen Franken. 2013 hatte das KSA noch einen Gewinn von 1,1 Millionen Franken erzielt.

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Das Kantonsspital in Aarau: Nun wird Sparpotenzial eruiert. (Archiv)

Das Kantonsspital in Aarau: Nun wird Sparpotenzial eruiert. (Archiv)

Keystone

«Was unternimmt der Regierungsrat, um ein sich möglicherweise anbahnendes Finanzdesaster zu vermeiden, welche Massnahmen kann er bei einer allfälligen Zahlungsunfähigkeit der Kantonsspital Aarau AG treffen?» Solche Fragen stellt Grossrat Martin Brügger (SP, Brugg) in einer Interpellation, die am Dienstag eingereicht wurde. 60 Grossrätinnen und Grossräte aus der eigenen Partei und auch aus der SVP, CVP der GLP und von den Grünen haben sie mitunterzeichnet.

Martin Brügger, Grossrat SP: «Man stellt sich die Frage, ob der Kanton als alleiniger Aktionär vom Verwaltungsrat der Kantonsspital Aarau AG eigentlich richtig informiert wird.»

Martin Brügger, Grossrat SP: «Man stellt sich die Frage, ob der Kanton als alleiniger Aktionär vom Verwaltungsrat der Kantonsspital Aarau AG eigentlich richtig informiert wird.»

ZVG

Wo so viel Rauch ist, muss wohl auch Feuer sein. Das Kantonsspital lud gestern eiligst zu einer Pressekonferenz. Und der neue CEO Robert Rhiner bestätigte: Für den Jahresabschluss 2014 rechnet man mit einem Verlust von gut 18 Millionen Franken. Rhiner betont zwar: «Das Kantonsspital Aarau ist weder ein Konkursfall noch zahlungsunfähig, die Liquidität ist nicht in Gefahr.» Aber dramatisch ist die Situation durchaus.

Der Masterplan für die Gesamterneuerung des Kantonsspitals rechnet bis 2023 mit Investitionen von deutlich über 700 Millionen. Um das zu finanzieren, sollte man eigentlich einen Gewinn von 50 Millionen erwirtschaften können, wie Rhiners Vorgänger Hans Leuenberger wiederholt betont hatte.

Robert Rhiner, CEO Kantonsspital Aarau: «Das Kantonsspital Aarau ist weder ein Konkursfall noch zahlungsunfähig, die Liquidität ist nicht in Gefahr.»

Robert Rhiner, CEO Kantonsspital Aarau: «Das Kantonsspital Aarau ist weder ein Konkursfall noch zahlungsunfähig, die Liquidität ist nicht in Gefahr.»

ZVG

Masterplan verzögert sich

Eine der ersten Massnahmen nach seinem Amtsantritt im Dezember war die Einsetzung einer Task Force, die Sparpotenzial eruieren soll. Es wurde ein vorübergehender Personalstopp verhängt, Investitionen werden zurückgestellt. Ziel ist, bereits im laufenden Jahr 2015 wieder in die Gewinnzone zu kommen. Aber bereits steht fest: Der Masterplan für die Gesamterneuerung muss auf der Zeitachse deutlich gestreckt werden.

Mit einem Investitionsvolumen von 80 bis 90 Millionen ist das vor dem Jahreswechsel präsentierte Projekt für den Neubau eines Labortrakts ein Kernstück der ersten Etappe. Es wurde vorerst auf Eis gelegt, ebenso die Sanierung des Wohnhauses. Nicht zur Diskussion stehen Entlassungen, betont Rhiner.

In seiner Interpellation meldet Grossrat Martin Brügger angesichts der sich zuspitzenden Lage Bedenken an, ob der Verwaltungsrat der KSA AG seine Führungsverantwortung im gebotenen Mass wahrnimmt. Zu ihm ist die Aussicht auf das 18-Millionen-Defizit aus einem Kaderanlass des KSA von letzter Woche durchgesickert Man stelle sich da auch die Frage, «ob der Kanton als alleiniger Aktionär vom Verwaltungsrat eigentlich richtig über die Lage informiert wird», so Brügger.

Interessant in diesem Zusammenhang: Bevor er sein Amt als Spitalchef antrat, war Robert Rhiner Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung im Departement Gesundheit und Soziales und damit so nahe an den Spitälern dran wie sonst niemand in der Verwaltung ausser vielleicht Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli selbst. Und er antwortet mit «so in der Mitte» auf die Frage, ob er gewusst habe, was ihn erwartet oder ob er vom Ausmass des Verlusts völlig überrascht worden sei.

Druck mit Spitalfinanzierung erhöht

Rote Zahlen sind zwar ein Novum für das KSA, dass sich die Lage zuspitzt, ist aber nicht bloss für intime Kenner der Materie nicht grundsätzlich neu. Der Investitionsbedarf in die zum Teil veraltete Infrastruktur des Kantonsspitals Aarau bleibt hoch, auch wenn Um- und Ausbauwünsche zurückbuchstabiert werden. Als grosses Zentrumsspital mit einem Leistungsangebot auch in der hoch spezialisierten Medizin lassen sich bei einem eklatanten Fachkräftemangel die Personalkosten sprich Löhne kaum drücken.

Gleichzeitig hat sich die Ertragslage mit der neuen Spitalfinanzierung verschlechtert. Der Kanton finanziert Investitionen nicht mehr mit, die müssen die Spitäler vollständig selber tragen. Dafür sollte eigentlich die Baserate einen Investitionskostenanteil liefern: der Basistarif, der mit dem Kostengewicht einer Behandlung gemäss dem Fallkostenpauschalen-System multipliziert wird.

Die Baserate sinkt aber von Jahr zu Jahr. Im Kantonsspital Aarau kam 2014 hinzu, dass der sogenannte Case Mix Index, der durchschnittliche Kostengewichtsfaktor der Behandlungen, unter dem Vorjahr lag. Einfach gesagt: Es gab zu wenig rentable Fälle. Zum Beispiel hatte man mit 20 Prozent mehr Geburten zwar alle Hände voll zu tun, beim Kostengewicht von 0,584 für eine natürlic