Was Vater Fritz und Mutter Helen Renold vor 23 Jahren in Aarau angeteigt haben, das Jazzaar nämlich, hat gute Chancen, auf die nächste Generation überzugehen. Die Töchter Sharon (18) und Lydia (22) mischen bereits kräftig mit, und auch Sohn Benjamin (21), der Rock-Schlagzeuger, hilft. Die Äpfel fallen nicht weit vom Stamm.

Sharon und Lydia kennen nichts anderes: «Bei uns gingen immer Jazzmusiker ein und aus.» Vater Fritz hat als Saxofonist auch die Kinder geprägt. «Vaters eigene CDs mit Small Bands haben wir zu Hause gehört», erinnert sich Lydia. Sie hat sich nach der Matura für ein Sprachstudium an der Universität Zürich entschieden, dieses aber zugunsten der Musik abgebrochen. «Für alle andern, auch die Sprachlehrer an der Kanti, war dieser Schritt klar; mich hat er am meisten überrascht», lacht sie im Rückblick.

Auf Dauer lässt sich die Leidenschaft nicht unterdrücken. Nun studiert sie Gesang und Komposition. Und das in Boston am Berklee College of Music, wo bereits Vater Fritz studiert hatte und als Lehrbeauftragter tätig war und wo ihre Mutter Helen, die indisch-malaysische Wurzeln hat, Gesang und Jazzkomposition studiert hat.

Eine Familienangelegenheit

«Am Familientisch haben wir oft Noten geklebt für die Musiker und für die Chöre ganze Notenbücher gedruckt», sagt Sharon. Ein Familienunternehmen also: Lydia macht die Chauffeuse zwischen dem «Storchen» in Schönenwerd, wo die Musiker wohnen, und dem Kultur- und Kongresshaus Aarau, wo diese Woche gearbeitet wird.

«Es geht nicht anders», sagt Fritz Renold und verweist auf andere erfolgreiche Festivals: Claude Nobs in Montreux, die Familie Troxler in Willisau. Früher als Lydia gab Sharon ihrer Berufung nach. Sie brach die Kanti ab und studiert ab Herbst ebenfalls in Boston. Ihr Instrument ist der Bass.

Diese Woche sind die beiden Renold-Sisters neben ihrem Job als Mitorganisatorinnen und Helferinnen auch Teilnehmerinnen der Projekte: Sharon tritt am Konzert am Freitag mit dem Swiss Youth Jazz Orchestra auf, Lydia ist am Samstag beim Swiss Youth World-Music Ensemble dabei.

«Learning on the Bandstand», Lernen auf der Bühne in der Gruppe, das ist das pädagogische Prinzip des Jazzaar. Lydia: «Die Theorie soll nicht beherrschend sein; idealerweise geht es ums Gespür.»

Der Jazz hat unzählige Gesichter. Lydia und Sharon mögen beide Dissonanzen, aber werden skeptischer gegenüber den ganz freien Formen und fühlen sich eher «im alten Jazz verwurzelt», wie Lydia meint. Sharon mag Fusion-Jazz wie ihn Weather Report machen, Musik mit Struktur und Melodie und einem starken Rhythmus, der ihr als Bassistin natürlich wichtig ist. Als ältere Vorbilder, was den Gesang angeht, nennt Lydia Sarah Vaughn oder Ella Fitzgerald. Und dann Tierney Sutton.

Das Jazzaar zum Netzwerken

Und was sind die Ziele und Träume der beiden jungen Musikerinnen? Sharon möchte einmal von ihrer Musik leben können, spielen, produzieren, komponieren. Als Bassistin ist man auf eine Gruppe angewiesen. «Das Umgekehrte gilt ebenfalls», lacht sie.

Und Lydia? Filmmusik schreiben, das möchte sie. Sie studiert auch Sound-Design, wo es um Soundeffekte geht, seis für Games, Hörspiele, Film. «Ich möchte mein eigenes Ding machen», sagt sie. Netzwerke sind die halbe Miete, und genau diese werden an Veranstaltungen wie dem Jazzaar geknüpft. Irgendwo weit hinten im Hinterkopf hat Lydia die Idee, das Jazzaar einst weiterzuführen.

Jazzaar im Kultur- und Kongresshaus: Freitag, 20 Uhr, John Abercrombie und das Swiss Youth Jazz Orchestra unter der Leitung von Fritz Renold
Samstag, 20 Uhr, Caravan Quest mit dem Swiss Youth World-Music Orchestra unter der Leitung von A.T.N. Stadwijk