Als die Jurahügel die Sonne längst verschluckt haben, tritt mit Hanery Amman & Band der Hauptact des kleinen Pop-Rock-Openairs beim Restaurant Waldhaus Gehren auf die Bühne. Und – «chasch mers gloube» – der charismatische Pianist und Sänger hat das Publikum gleich im Sack.

«Sit er da?», fragt er ins Publikum. Und ob die Leute, wohl an die 500, da sind! Die Strohballen, am Nachmittag noch bequeme Sitz- oder Anlehngelegenheiten, haben ausgedient: Man steht auf und bewegt sich, den Bierbecher in der Hand, zur süffigen Musik des bald 65-Jährigen. Dieser berserkert über sein Tasteninstrument, dass es eine Freude ist, nicht zuletzt für Amman selber. Eine Freude, die ansteckt.

Musik als Leidenschaft

«Bis d Vögu reklamiere, bliib i wach», singt er, und man möchte ihm glauben, als er nach drei Zugaben – Mitternacht ist vorbei – kaum Müdigkeit zeigt. Getreu der Songzeile: «Go pfuuse chani no lang, wen i gstorbe bi.» Musik als Leidenschaft. Knapp zwei Stunden lang geht ein Song in den anderen über, mal ists ein erdiger Rock’n’Roll, mal ein Boogie Woogie. Kompositionen, die mit Polo Hofers Stimme zu Ohrwürmern wurden, fehlen nicht: «Teddybär», «Alperose». Und im Blues, allgegenwärtig, blüht die Melancholie: «S geit aus so schnäu verbii.» Es gefällt der Band offensichtlich, und das Publikum singt gerne mit. «Das isch huere geil bi öich, das isch Spitz, äh Speuz!», ruft Amman in die Menge.

Newcomers

Mit der «Waldbühne Gehren» erhalten Newcomer Bands Gelegenheit zu Auftritten. «Das ist die Idee», sagt Mitorganisator und Musiker Daniel Probst. «Hut ab vor so viel Können», kommentiert er den Auftritt der Jazzfunk-Band Macaloosa aus Aarau, sechs junge Männer zwischen 14 und 19. In der Tat: Da steckt Kraft drin. Flumlex schlägt eher leise, melodiöse Töne an, derweil Prudence sich – abgesehen von Eigenkompositionen – bei alten Grössen wie Chuck Berry, Jimi Hendrix, Frank Zappa oder Jethro Tull bedient. Der Jugendchor Speuz unter Gitte Deubelbeiss – die Mitglieder kommen aus der weiteren Region – überzeugen mit Liedern von Bruno Mars bis Plüsch.

Der Jugendchor Speuz an seinem Auftritt am Waldbühne Openair Gehren.

Der Jugendchor Speuz an seinem Auftritt am Waldbühne Openair Gehren.

Turmbläser

Snöff at Horns heisst die neunköpfige Band mit Sänger Daniel Probst und den vier Aarauer Turmbläsern. Die Texte in Berner Mundart behandeln menschlich-männliche Befindlichkeiten, in wohl gereimter Form. Ja, die Endlichkeit: «Mer hei uf üsem churze Wäg nur öppis meh aus 30 000 Täg». Im Lied «Chnättfigur» sieht der Mann sich als Opfer weiblicher Veränderungsversuche, während in «Wild wie no nie» ein Aufbegehren gegen das Altern, mit einer guten Prise Selbstironie versetzt, spürbar wird. Ein Titel, der auch Hanery Amman, der sich nicht schont, wie das nasse Frotteetuch am Ende des Auftritts zeigt, gut anstehen würde.

«Uns gefällt die familiäre Stimmung hier», sagen Angela und Peter Schaufelberger aus Holziken. Sie sind wegen Hanery Amman gekommen, der sie auf einer Rock- und Blues-Kreuzfahrt begeistert hat.