Das grosse Hoffen auf eine Coronalockerung im April

Wie geht es den Musikgesellschaften nach einem Jahr Pandemie? Sechs Vereine der AZ-Region Aargau West gewähren einen Einblick.

Redaktion Aargau West
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Dirigent Rafal Jastrzebski (ganz rechts) mit Musikanten in Teufenthal/Unterkulm, als sie noch gemeinsam proben durften.

Dirigent Rafal Jastrzebski (ganz rechts) mit Musikanten in Teufenthal/Unterkulm, als sie noch gemeinsam proben durften.

Bild: zvg

Dass das kulturelle Leben wegen der Pandemie still steht, bekommen auch die Amateurmusikanten zu spüren. Wie sehr? Wir haben in der Region nachgefragt.

Stadtmusik Aarau: Galakonzert dieses Mal als Video im Internet

Rund 60 Mitglieder hat die Stadtmusik Aarau. Das letzte Konzert gaben sie im September, draussen bei der Stadtbibliothek. Alle anderen Auftritte mussten abgesagt werden, darunter das Galakonzert, das letzten Samstag stattgefunden hätte. Gemeinsame Proben gab es seit Oktober nicht. Seit März finden freiwillige Ensembleproben mit fünf Personen statt. Insgesamt etwa die Hälfte der Musikanten nehme teil. «Ich selbst nicht, ich halte mich im Hintergrund», sagt Dirigent Silvan Hof. «Wir haben einen fixen Plan aufgestellt, wann, wo, wer probt. Sollte es einen Coronafall geben, können wir sofort darauf reagieren.» Die Ensembles organisieren sich selbst und wählen auch die Stücke. Die Disziplin sei hoch. Und auch die Treue: «Wir hatten noch keine Austritte. Im Gegenteil, wir hatten Eintritte.» Um das Vereinsleben zu pflegen, führt die Stadtmusik jeweils am Donnerstagabend einen virtuellen Stammtisch. Für das abgesagte Galakonzert nahmen die Musikanten zuhause Stücke auf. Silvan Hof fügte die Aufnahmen am Computer zusammen. Das Ergebnis: ein musikalisches Youtube-Video von fast einer halben Stunde. Hoffnung für baldige gemeinsame Auftritte oder Proben gibt es derzeit kaum. «Ich denke, das wird bis zu den Sommerferien auch so bleiben.»

Musikgesellschaft Suhr: Nach Ostern soll wieder geprobt werden

Im ganzen Jahr 2020 hatten sie lediglich einen Auftritt: die «Suhrer Musig» mit ihren rund 50 Musikanten zwischen 17 und 71 Jahren. Bis im Oktober probten sie noch regelmässig, zwischendurch auch draussen. Seitdem sind die Instrumente aber verstummt. «Wir warten bis nach Ostern. Dann wird es Proben mit 5 oder 15 Personen geben», sagt Dirigentin Karin Wäfler. Das Jahreskonzert vom 29. Mai wurde abgesagt. Hoffnung besteht noch für das Sommerkonzert an der frischen Luft und das Jahreskonzert im November. Karin Wäfler schickt ihren Musikanten jede Woche ein E-Mail mit Übungen und Aufnahmen von Stücken, «um aufzuzeigen, was mit Blasorchestern so möglich ist». Anders als in Aarau verzeichnete der Suhrer Verein leider ein paar Austritte von älteren Mitgliedern, denen ein Wiedereinstieg zu viel ist, wie sie sagt. Um die Abstände einzuhalten, probt die Suhrer Musig derzeit im Ortsbürgersaal «zu einem stark reduzierten Tarif».

Stadtmusik Lenzburg: Sie hoffen auf das Auffahrtskonzert im Mai

Vom Alter her ist die Lenzburger Stadtmusik laut Präsident Daniel Schrenk ein relativ junger Verein mit rund 40 Aktivmitgliedern. Auch hier wurden Konzerte abgesagt und seit Oktober kaum mehr geprobt. «Ein Quartett hat am dritten Advent in der Lenzburger Stadtkirche den Gottesdienst begleitet. Das war der einzige Auftritt 2020.» Online-Proben kamen nicht in Frage. «Für uns lebt das gemeinsame Musizieren von der physischen Präsenz.» Die Stadtmusik konzentriert sich nun auf das Auffahrtskonzert im Mai. «Ob das möglich sein wird, ist derzeit noch unklar. Wir wollen den Vereinsmitgliedern wieder eine Perspektive geben.»

Musikgesellschaften Teufenthal und Unterkulm: 2021 bereits gelaufen

Die rund 25 Musikanten haben das Proben wieder aufgenommen, jeweils in Fünfergruppen. «Es ist nicht dasselbe», sagt Präsident Thomas Kaspar. «Den grössten Aufwand hat Dirigent Rafal Jastrzebski. Er ist bei jeder Probe dabei.» Um konzertreif zu sein, brauche die Gruppe gut drei Monate. «Wir sind ja Amateure. Ich kann nicht erwarten, dass unsere Mitglieder stundenweise zu Hause üben.» Virtuelle Proben wären durch Verzögerungen der Internetverbindungen unmöglich. «Für dieses Jahr planen wir keine grossen Konzerte. Die Unsicherheiten sind zu gross.»

Angepeilt wird nun das grosse Jahreskonzert 2022. Im Moment gäbe es immerhin keine Vereinsaustritte, aber auch keine Eintritte. Wenn das Proben als Gesamtgruppe wieder erlaubt wird, werden sie einen genügend grossen Raum brauchen, um die Abstände einzuhalten. «Unsere Proberäume in Teufenthal und Unterkulm sind zu klein.»

Musikgesellschaft Möriken- Wildegg: Auffahrt auf dem Schloss?

«Wir proben seit fünf Monaten nicht», sagt Präsident Markus Christen. «Ausgaben haben wir trotzdem, der Dirigent ist fest angestellt.» Beim ersten Lockdown gab es virtuelle Meetings, beim zweiten nicht mehr. Die 58 Musikanten hoffen auf den Auffahrtsgottesdienst auf dem Schloss. «Es braucht aber eine Lockerung, damit wir üben können.»

Musikgesellschaft Reinach: Im Juni soll es ein Konzert geben

Optimistischer planen die 26 Aktivmitglieder der Musikgesellschaft Reinach: Ein Frühlingskonzert am 20. Juni in der Kirche und das Jahreskonzert im Saalbau im November sollen stattfinden. «Wir versuchen, zuversichtlich zu sein», sagt Präsidentin Sandra Gurtner. Seit einem Jahr wurde aber nicht mehr geprobt, nur ab und zu in kleinen Formationen. «Jeder hat bis anhin für sich geübt. Wir benötigen so acht bis zehn Wochen, um ein Konzert vorzubereiten.» Mitte April müsste es also mit den Proben losgehen können. «Es wird bestimmt eine Herausforderung.»