Blutjung waren sie, beide Sekundarlehrer, durch und durch kunstinteressiert. Aber einfach hatten sie es nicht, diese Jungspunde, inmitten der alteingesessenen Gilde. Sie mussten sich behaupten. Und das taten sie. 35 Jahre ist es her, seit die Mittzwanziger Carlo Mettauer und Roland Hächler die «Galerie 6» von Dorli Zinniker übernahmen. «Damals war das wirklich etwas anderes», sagt Carlo Mettauer und lacht. Damals, als sogar Regierungsrat Arthur Schmid das nebenamtliche Engagement der beiden Lehrer absegnen musste.

Nie und nimmer hätte Carlo Mettauer (60) sich träumen lassen, die Galerie so lange und so erfolgreich zu führen. Die einstige Hausgalerie der grossen Aargauer Maler und Bildhauer – Otto Wyler, Felix Hoffmann, Max Kämpf, Rudolf Urech-Seon, Virginia Buhofer, Fritz Strebel, Max Burgmeier, Ernst Suter, Walter Sautter, Walter Kuhn, Roland Guignard, Eduar Spörri, Erwin Rehman, Paul Suter, Werner Holenstein und wie sie alle hiessen.

Eine Galerie mit konservativem Programm. Bis die beiden Jungen kamen. «Uns hat man damals gesagt, eine Galerie müsse eine Linie haben», sagt Mettauer. «Wir aber haben die Grenzen etwas weiter gesteckt.»

Bald probierten Mettauer und Hächler auch junge, aufstrebende oder ausländische Künstler aus, Mark Müller beispielsweise, Sadhyo Niederberger, Rosina Kuhn, Hugo Suter, Holton Rower, Antonio Laurenza, Urs Aeschbach, Mark Müller, Jakob E. Omlin, Othmar Alt oder auch spezielle wie Varlin. Eine Plattform für junge Kunstschaffende wie Cosimo Gritsch, Lionel Keller, Lorenz Schmid oder Brigitte Vogt ist die Galerie bis heute.

Immer aber blieben Mettauer und Hächler am Boden, immer hielten sie die alte Tradition, Aargauer und Schweizer Kunst zu zeigen, aufrecht. «Natürlich haben wir geschwärmt und gesucht, aber wir hatten nie den Anspruch, um jeden Preis die ganz grossen Entdeckungen zu machen», sagt Mettauer.

Das ist wohl der Grund, weshalb es die «Neue Galerie 6» nach 56 Jahren noch immer gibt. Auch in Zeiten, in denen nur noch ein Bruchteil aller Schweizer Privatgalerien älter als 45 Jahre ist.

Sammeln war Pflicht

Heute finden im Schnitt fünf Ausstellungen pro Jahr statt; Anfragen hätte die Galerie deutlich mehr. Denn damals wie heute ist es für Kunstschaffende sehr wichtig, in einem ersten Schritt über eine Galerie oder einen Kunstraum ans Publikum zu gelangen, bevor eventuell der Sprung in ein Museum gelingt.

«Das Geschäft ist für die Kunstschaffenden und die Galerien hartes Brot. Und es wird immer härter», sagt Mettauer. Die Anzahl Künstler habe sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Dazu kommt das Internet, das den Galerien das Leben schwermacht. «Heute ist jedes Bild innert Sekunden abrufbar. Da eine Spannung aufzubauen, die die Besucher in die Galerie lockt, ist heute bedeutend schwieriger.»

Wie schwierig das Terrain für Galerien heute ist, zeigt auch die veränderte Sammeltätigkeit. «Früher war es Pflicht für das Bildungsbürgertum, Werke hiesiger Künstler im Haus hängen zu haben», sagt Mettauer. Heute seien solche Sammler rarer; es werde anders gesammelt.

Verleidet ist Carlo Mettauer die Arbeit in der Galerie auch nach 35 Jahren nicht. Sein Hauptengagement habe aber immer seinem angestammten Beruf, der Schule, gegolten. «Die Galerie ist die Leidenschaft geblieben, das Hobby.» Obwohl; der Begriff Hobby geht zu wenig tief. Denn aus dem Hobby ergaben sich Freundschaften, tiefe, vereinnahmende Freundschaften, die ans Eingemachte gingen.

Mettauer hat in den letzten 35 Jahren manchen Zerfall miterlebt, hat mitgelitten und getröstet, begleitet und zugehört, auch morgens um 2. Am meisten geprägt hat Carlo Mettauer die Freundschaft zu Dimitri. «Ein sehr gewissenhafter, tiefgründiger Mensch.» Neun Ausstellungen haben die beiden gemeinsam gemacht, eine zehnte war angedacht. Einen engen Dialog pflege er seit Jahren auch mit Jakob E. Omlin.

Einem dieser alten Freunde widmet die «Neue Galerie 6» nun eine Ausstellung zum Andenken: Walter Kuhn, der Mann mit dem Zwetschgenkäppi, den Freunde nur «Kongo» nannten, Lehrer an der Bez Aarau und am Lehrerseminar Wettingen, der Künstler, der den Jura und Gärten, die Provence und die Stillleben liebte und der vor zehn Jahren verstorben ist. «Walter Kuhn verkörpert eine Generation von Künstlern, die heute praktisch ausgestorben ist», sagt Mettauer. Eine Generation, die noch an der Kunstschule in Paris war, der etwas Exotisches, Erhabenes anhaftete. «Werke solcher Künstler zu zeigen, bedeutet, Kulturgut und Zeitzeugen zu zeigen und zu vermitteln.»

Und wann zeigt er selbst einmal etwas? Mettauer lacht. «Entweder man macht Kunst, oder man vermittelt sie», sagt er. Zeichnen tue er zwar für sich persönlich, in den Ferien manchmal. Aber ausgestellt habe er nur ein einziges Mal, ein winziges Bild: im Aargauer Kunsthaus an der Jahresausstellung 1978. Mit zarten 21 Jahren.

Walter Kuhn 1916–2007 vom 21. Oktober (Vernissage um 17.30 Uhr) bis 18. November