Seit zweieinhalb Jahren wird am Projekt «Zukunftsraum Aarau» gearbeitet. Jetzt geht es ans Eingemachte: Am Mittwochabend starteten Vertreter der zehn beteiligten Gemeinden im Zentrum Bärenmatte Suhr die sogenannte Prüfungsphase. Die Gemeinden Aarau, Biberstein, Densbüren, Erlinsbach AG, Küttigen, Muhen, Oberentfelden, Schönenwerd und Unterentfelden wollen gemeinsam nach Wegen suchen, wie die Region gestärkt werden kann. Buchs beteiligt sich mit einem Beobachterstatus. Gränichen steht abseits. Die zehn Gemeinden haben eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, die sich an das Regionale Entwicklungskonzept (REK) vom 10. November 2011 hält. Im Herbst 2013 haben sie auch die Gelder gesprochen, die für die weitere Projektarbeit benötigt werden.

«Die angelaufenen Abklärungen sollen respektvoll und ergebnisoffen erfolgen», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech. «Wir wollen das gegenseitige Vertrauen nutzen, um die Region zu stärken, gleich wohin der Weg führt.»

Fusion muss allen nützen

Reto Steiner vom Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern begleitet das Projekt. «Eine Fusion, welcher Gemeinden auch immer, muss von unten wachsen, muss breit abgestützt sein», sagte er. Fusionen und Kooperationen müssten aus der Überzeugung entstehen, dass sie allen Vorteile bringen.

«Die Hälfte der Schweizer Gemeinden haben weniger als 1200 Einwohner», führte Steiner aus. «Die Gemeinden sind sich gleichgestellt, jede erfüllt im Grundsatz die gleichen Aufgaben – mit der Konsequenz, dass viele Gemeinden ihre Leistungsgrenzen erreicht haben.» Aufgaben, die von den Gmeinden erfüllt werden müssten, werden vom Kanton oder in Gemeindeverbänden wahrgenommen. Konsequenz: Der Handlungsspielraum der Gemeinden nimmt ab, Autonomie geht verloren. Anderseits sei, so Steiner, die Bevölkerung nicht nur zunehmend kritisch, sondern gegenüber ihrer Gemeinde auch fordernd.

Handlungsbedarf sei also vorhanden. Doch gehandelt werde meist nur aus der (finanziellen) Not, und die sei oft nicht vorhanden. Reto Steiner: «Dem grossen Harst der Gemeinden geht es finanziell gut. Warum also etwas ändern?» Das Projekt «Zukunftsraum Aarau» mache dennoch Sinn. Die Vernetzung sei in vielen Regionen derart hoch und komplex, dass sie die Entwicklung der Region bremse und den Standortwettbewerb behindere. Ob Fusion oder verstärkte Zusammenarbeit, das Projekt sei eine Investition in die Zukunft. Steiner wies darauf hin, dass drei von vier Gemeinden ihre Zusammenarbeit verstärkten und jede sechste in einem Fusionsprojekt stecke.

Drei Fachgruppen machen sich nun an die Arbeit. Damit das Projekt gelingt, müssen nicht nur die harten Fakten, sondern, so Steiner, auch «die Fakten des Herzens» berücksichtigt werden. Die Soft-Faktoren dürften in der Bevölkerung denn auch am heftigsten diskutiert werden: Der Densbürer Vizeammann Robert Wernli benannte sie für seine, die kleinste der zehn beteiligten Gemeinden: «persönlich, familiär, jeder kennt jeden, naturnah, offen, hohe Identifikation.»