Aarau
Das extreme Januarwetter hat bei Kaninchen Frühlingsgefühle geweckt

Für viele Menschen war der nass-warme Januar eine Zumutung. Bei den Kaninchen im Roggi löste er Frühlingsgefühle aus.

Nadja Rohner, Katja Schlegel
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Die Kaninchen im Wildpark Roggenhausen haben schon mit der Vorbereitung für die wärmere Jahreszeit begonnen. (Archiv)

Die Kaninchen im Wildpark Roggenhausen haben schon mit der Vorbereitung für die wärmere Jahreszeit begonnen. (Archiv)

Marcel Siegrist

Geahnt haben wir es schon lange, jetzt ist es statistisch erwiesen: Der Januar war wettertechnisch eine Zumutung. Viel zu warm und viel zu viel Regen. Mit rund 5 Grad Celsius über dem Mittel war es nicht nur der wärmste Januar seit Messbeginn, sondern vielerorts auch der nässeste. Und dann noch diese Nebeldecke – kurz: Der Januar war fürs Gemüt eine Katastrophe. Doch wie schlimm ist das schlechte Wetter für die Natur? Was bedeutet das viele Wasser für Pflanzen? Und was machen die warmen Temperaturen mit den Wildtieren?

Andreas Distel vom Pflanzenschutzdienst beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg drückt es pragmatisch aus: «Bis jetzt wird da nicht arg viel passiert sein.» Im Gegensatz zu Norddeutschland, wo es «Niederschläge ohne Ende» gegeben habe und die Bauern grossteils noch nicht einmal die Wintersaat hätten ausbringen können. «Eine Katastrophe», konstatiert Distel. In der Schweiz sei die Situation bisher unproblematisch. «Pflanzen können auch mal eine Woche im Wasser stehen, ohne dass sie Schaden nehmen. Sie sind im Moment ja nicht mitten in der Vegetation.»

Nässe könnte sich rächen

Distel erinnert daran, dass sich der Winter 2016/17 temperaturmässig gerade umgekehrt präsentiert habe wie diese Saison: warmer Dezember, kalter Januar. Und das Ertragsjahr 2017 sei dann sehr gut gewesen. Dass jetzt bereits Pflanzen blühen, sei kein Novum, auch in den vorigen Jahren habe man das ab und zu beobachten können. Auch, wenn die fürs Wochenende prognostizierten winterlichen Temperaturen eintreten, «können sich die Pflanzen im Normalfall entsprechend anpassen.» Kritisch werde es, «wenn die frühe Entwicklung anhält und es analog dem letzten Jahr wieder zu Frostnächten kommt». Dann seien insbesondere die Obstbäume in Gefahr.

Die nassen Böden sind bisher also keine grosse Sache – solange es bald wieder trockener wird. Der sehr trockene Frühling 2017 habe beispielsweise dazu geführt, dass die Pflanzen ein kräftiges Wurzelwerk ausbilden mussten, um an Wasser zu kommen. Das half ihnen später auch durch den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn und brachte eine gute Ernte.

Bleibt es in den nächsten Wochen und Monaten allerdings so nass, bilden die Pflanzen weniger Wurzeln aus, was sich in einem trockenen, heissen Frühjahr und Sommer rächen könnte. Übrigens: Dass in warmen Wintern mehr Schädlinge überleben als in kalten und im darauffolgenden Sommer Ärger machen, ist nicht zwangsläufig der Fall. Distel: «In milden Wintern gibt es auch mehr Krankheitserreger, die die Schädlinge dezimieren.»

Kaninchen bauen Nester aus

Spürbar sind die deutlich wärmeren Temperaturen im Wildpark Roggenhausen. «Man hört die Vögel pfeifen und sieht, dass die Pflanzen bereits ausschlagen», sagt Tierpflegerin Alessandra Hug. Den Tieren aber merke man die Wärme nicht an – bis auf die Kaninchen. «Die spüren tatsächlich schon den Frühling und haben angefangen, ihre Nester mit Stroh und Haaren auszupolstern», sagt Hug. Trotz vorzeitig aufkeimender Frühlingsgefühle – auf herzigen Kaninchen-Nachwuchs freuen können sich die Besucher nicht. Hug: «Wir haben nur weibliche Tiere.»

Immerhin hält das Regenwetter die Besucher nicht fern. Zwar gibt es keine Zahlen, weil der Eintritt gratis ist. Messbar ist aber der Futterverkauf. «Wir hatten im Januar guten Umsatz mit den Futterverkäufen», sagt Hug.

Eine helle Freude am Regenwetter haben natürlich Museumsleiter, Kino- und Indoorsportanlagebetreiber und Badmeister. Für die Betreiber des Skate- & Sportcenter Rolling Rock beispielsweise kann es gar nicht oft genug regnen. «Bei uns geht es oft so richtig rund, wenn es draussen in Strömen regnet», sagt Reto Fischer. Der Januar sei aber generell ein guter Monat, dieser aber sei speziell gut gewesen. Glatte 20 Prozent mehr Besucher als im Januar letzten Jahres hat laut Mediensprecherin Pia Viviani auch das Naturama verzeichnet.