Viele meinen, ein Stadion mit einer Querfinanzierung sei eine Goldgrube. Deshalb gehen die Forderungen der verschiedenen Anspruchsgruppen ins Uferlose.

In Zürich wurde diese Woche bekannt, dass die SP neu fordert, der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen neben dem geplanten Hardturm-Stadion müsse auf mindestens ein Drittel steigen.

Bauherrin in Zürich ist – wie in Aarau – die HRS. Bisher war vorgesehen, das Stadion (18'000 Zuschauer) mittels zwei Hochhäusern (134 Meter hoch, 600 Wohnungen) zu querfinanzieren. Zudem soll es in einem separaten Gebäude 174 gemeinnützige Wohnungen geben. Zu wenig, finden die SP und ihre linken Verbündeten.

Das Geschäft wird im Moment von der zuständigen Parlamentskommission beraten. Eigentlich war vorgesehen, das Zürcher Stadion noch dieses Jahr zur Volksabstimmung zu bringen. Das ist nun infrage gestellt – nicht nur was den Zeitpunkt anbetrifft. «Das neue Fussballstadion ist akut gefährdet», titelte die «Neue Zürcher Zeitung» am Mittwoch.

Und im «Tages-Anzeiger» erklärte am Donnerstag der zuständige Stadtrat Daniel Leupi (auch er ein Grüner wie in Aarau Hanspeter Thür) an die Adresse der SP: «Nicht die feine Art finde ich, dass nun kurz vor Torschluss Forderungen erhoben werden, die man besser zu Beginn des Entscheidungsprozesses eingebracht hätte.»

SP fordert weniger Wohntürme

In Aarau haben die Linken mit Interesse die jüngste Entwicklung in Zürich verfolgt. Schon am Mittwochnachmittag postete die SP auf Facebook: «Zürich bezahlt gar nicht für das Stadion – in Aarau bezahlt jedoch die Stadt einen erheblichen Anteil.»

Die Fakten: In Zürich stellt die Stadt das Land günstig im Baurecht zur Verfügung. Die Stadionkosten (105 Mio. Fr.) werden vollumfänglich von den Investoren übernommen. In Aarau gehört das Land der Investorin HRS. Die Stadt zahlt 17 Millionen an das Stadion (kostet laut HRS 80 Mio. Fr. – inkl. Land). In Aarau sind vier Hochhäuser (bis 75 Meter hoch, 600 Wohnungen, keine gemeinnützigen) geplant.

Am Donnerstag legte die SP Aarau nach. Sie fordert in einer Medienmitteilung «eine städtebaulich verträgliche Lösung und eine gute Quartierentwicklung» im Torfeld Süd. Das SP-Communiqué enthält zwei brisante Forderungen.

Erstens: «Es soll 30 Prozent kostengünstiger und durchmischter Wohnraum angeboten werden.»

Und zweitens: «Die Höhe der Wohntürme und deren Anzahl müssen reduziert werden. Die vorgesehenen Türme stehen zu dicht und machen die Wohnungen unattraktiv.» Auf diese beiden Forderungen kann die HRS – nach allem, was sie bisher kommuniziert hat – nicht eingehen, weil damit die Querfinanzierung massiv reduziert wird.

Die SP schreibt in ihrer Medienmitteilung: «Wir wollen ein Aarau für alle. Wir wollen nicht, dass Private unsere Stadtentwicklung diktieren und erpressen, ohne Verantwortung zu übernehmen.»

Die Partei ist gespannt auf den stadträtlichen Vorschlag zur Teilrevision der Nutzungsplanung Stadion, welcher Ende nächster Woche öffentlich aufgelegt wird.

Sie schreibt dazu: «Wir werden den Vorschlag hinsichtlich Stadtbild, der Stadtentwicklung, Infrastrukturkosten, Nachhaltigkeit und der sozialen Durchmischung kritisch prüfen. Nur wenn unsere Forderungen mit einbezogen werden, können wir das Projekt unterstützen.»
Und die Grundsatzfrage?

Bereits letztes Jahr hatte die SP die Grundsatzfrage thematisiert, ob das Projekt (der «Plan B») noch dem entspreche, über das das Volk im Februar 2008 abgestimmt habe (17-Mio.-Kredit). Sie verlangte «eine sorgfältige Prüfung der Frage, ob das stark veränderte Projekt (kein Einkaufszentrum, dafür Hochhäuser, Anmerkung der Redaktion) nicht nochmals einer Volksabstimmung unterworfen werden soll».

Diese Frage hat der Stadtrat bisher mit Nein beantwortet. Angesichts der neuen Töne aus dem linken Lager würde es nicht überraschen, wenn dereinst Gerichte über dieses Thema entscheiden müssten.

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions in Bildern:

 Das Aarauer Stadionprojekt: