Aarau

Das Chrämerlädeli verliert seine gute Seele: Irene Schmid hört Ende Juni auf

Für Irene Schmid (79) ist der Moment des Abschieds von ihrem Lädeli gekommen.

Für Irene Schmid (79) ist der Moment des Abschieds von ihrem Lädeli gekommen.

Für den Laden in der Aarauer Altstadt sucht Irene Schmid dringend eine Nachfolge. Nach 35 Jahren will sie sich zurückziehen.

Dieser Laden ist anders. Mit Dingen gefüllt bis unters Dach, viele so klein, dass sie in den Hosensack passen, Radiergummi, Glücksbringer, Aufziehautos, alles eingehüllt in den zarten Duft der Räucherstäbli. Doch was wären alle diese Dinge, die Karten, die Dosen, die Badeenten, ohne Irene Schmid. Seit 35 Jahren führt sie das Chrämerlädeli an der Pelzgasse in Aarau. Das Lädeli, in dem die Zeit anders tickt, in dem man sich fühlt, als wäre man bei einer lieben Tante zu Besuch. Doch jetzt sind diese Tage gezählt.

Ende Juni zieht sich Irene Schmid zurück. Früher als gedacht, aber der Entscheid ist definitiv. «Corona hat ihn mir abgenommen», sagt sie. Die Zeit daheim, die Veränderung im Miteinander, der verordnete Abstand. «Die Atmosphäre ist nicht mehr die gleiche. Dieses Lädeli lebt von Nähe.» Und auch wenn der Abstand irgendwann wieder schmilzt, so sei es nun doch der Moment für sie, aufzuhören. Kurz vor dem 80. Geburtstag, nach all den Jahren, in denen die Buben und Meitli von einst erst mit ihren Kindern, dann mit ihren Enkelkindern vorbeikamen. «Es Zeit, aufzuhören. Und es ist gut. Nicht, dass ich auch noch die Urenkel erlebe», sagt sie und lacht.

Verschwinden soll das Chrämerlädeli aber nicht. Irene Schmid sucht eine Nachfolge. Weil dies per Ende Juni etwas gar kurzfristig ist, hat Vermieter Daniel Hauri angeboten, dass Schmid das Lokal länger nutzen darf – in der Hoffnung, dass im Sommer eine Lösung gefunden werden kann. «Das Chrämerlädeli gehört einfach zu Aarau. Wenn es weitergeführt werden könnte, wäre das eine schöne Sache», sagt Daniel Hauri.

Irene Schmid wünscht sich jemanden, der den Laden als Chrämerlädeli weiterführt, aber gern auch mit eigenem Stil. «Hauptsache, die Person tut es mit Herz.» So, wie sie es all die Jahre über gemacht hat, und dafür so viel Schönes erfahren konnte. «Für Freude sorgen zu dürfen, hat mich all die Jahre so dankbar gemacht. Ich werde vieles vermissen. Aber diese Erinnerungen nehme ich mit, sie sind das Kostbarste überhaupt.»

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