Für die allermeisten Konsumenten kommt diese Ankündigung überraschend. Und sie ist auch nicht ganz einfach zu verstehen. Denn das Gut Wasser wird heute deutlich weniger nachgefragt als vor einigen Jahren. Normalerweise hat eine sinkende Nachfrage tiefere Preise zu Folge. Hier ist es anders: «Für die Umwelt ist der rückläufige Wasserverbrauch gut», schreibt der Aarauer Stadtrat. «Für den Versorger Eniwa bedeutet dies, mit geringeren Mitteln ein zuverlässig funktionierendes Netz zu finanzieren und Mehrkosten aufzufangen.» Mit den aktuellen Tarifen könne die Wasserversorgung nicht mehr kostendeckend betrieben werden. «Eniwa musste für das Geschäftsjahr 2017 einen Verlust hinnehmen», schreibt der Stadtrat. Üblicherweise kommuniziert die Eniwa keine Spartenergebnisse. Bekannt ist aber, dass sie auf der Trinkwasserversorgung keinen Gewinn erzielen darf.

Dank den SBB nicht schon früher

Die Eniwa widerspricht der Aussage, die Preiserhöhung komme aus heiterem Himmel. «Sie kommt nicht überraschend», erklärt Eniwa-Sprecherin Sandra Bläuer. «Bereits im Geschäftsbericht der IBAarau 2013 wurde das Thema angesprochen und auch anlässlich einer folgenden Generalversammlung erwähnt.» Im Jahr 2011 habe die damalige IBAarau bereits das Gespräch mit dem Preisüberwacher gesucht. «Gestützt auf diese Gespräche, wurde dann aber die Preiserhöhung zurückgestellt», so Sandra Bläuer. Dank der temporären Wasserlieferung für die Solothurner Gemeinden Schönenwerd/Gretzenbach/Eppenberg im Rahmen des SBB-Projekts Eppenberg-Tunnel habe die bevorstehende Preiserhöhung ab 2015 nochmals um drei Jahre verzögert werden können.

Beispielsweise plus 28 Prozent

Was verändert sich ab dem Januar 2019 konkret? «Der fixe Anteil (Grundpreis) wird erhöht, die variablen Kosten (Mengenpreis) bleiben unverändert», schreibt der Stadtrat. Die Eniwa gibt ein Beispiel: «Für eine vierköpfige Familie steigen die Kosten für Trinkwasser um rund 90 Franken pro Jahr respektive um 28 Prozent.»

Wie kommt diese Erhöhung zustande? Sandra Bläuer erklärt: «Die Fixkosten (Grundpreise) sind abhängig von der Grösse des Wasserzählers. Im angegebenen Beispiel wird von einem Wasserzähler mit Nennweite 20 ausgegangen. Aktuell liegt der Grundpreis dafür bei Fr. 42.03. Dieser wird angehoben auf Fr. 131.20. Da nur eine Partei im Einfamilienhaus wohnt, fallen die ganzen Mehrkosten auf diesen einen Kunden. Sind mehrere Parteien nach dem Wasserzähler, verteilen sich die Mehrkosten auf die entsprechenden Parteien – je nach Verteilschlüssel des Eigentümers.»

In Mehrfamilienhäusern steigen die Kosten deutlich weniger: Ein 1-Personen-Haushalt (2 Zimmer, 55 Kubikmeter Wasserkonsum/Jahr, Zähler NW25, 15 Wohnungen) muss mit jährlichen Mehrkosten von 7 Franken rechnen, was einer Preiserhöhung von 9 Prozent entspricht.

Erhebliche Investitionen

Die Eniwa hat die Preise 1995, also vor 23 Jahren, letztmals angehoben. Seither stiegen etwa die Konzessionsabgaben für die Trinkwassergewinnung, die der Versorger dem Kanton abliefern muss. Und die Investitionen in die Wasserversorgung sind auch erheblich. Zurzeit baut die Eniwa im Gönhard-Wald für 8,6 Millionen Franken ein riesiges neues Wasserreservoir. Die Fertigstellung ist für August 2019 geplant.

Wohl auch Erhöhungen andernorts

Die Eniwa liefert jährlich rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser an die Aarauer Bevölkerung. Etwa eine Million Kubikmeter gehen an die Wiederverkäufergemeinden Küttigen, Unterentfelden, Wöschnau SO und Erlinsbach AG. Auch sie werden wohl die Tarife anheben müssen. «Gemäss Vertrag werden berechtigte Preiserhöhungen werden jeweils weitergegeben», erklärt Sandra Bläuer.

Der Stadtrat beton: «Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel, die Trinkwasserqualität ein zentraler Pfeiler der Volksgesundheit. Eniwa übernimmt die Versorgungsaufgabe seit 1860.»