Suhr
Darlehen kommt als Solarstrom zurück

Kunden der TBS Strom AG haben eine Solarstromanlage finanziert – dafür gibt es 20 Jahre lang Gratisstrom.

Hubert Keller
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Das Modell von Johnny Strebel, Geschäftsführer TBS Strom AG, und Andrea Leuenberger, Präsidentin IG suhrsolar, interessiert auch andere Elektrizitätswerke.kel

Das Modell von Johnny Strebel, Geschäftsführer TBS Strom AG, und Andrea Leuenberger, Präsidentin IG suhrsolar, interessiert auch andere Elektrizitätswerke.kel

Was das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich grossmundig als landesweites Pilotprojekt angekündigt hat, ist in Suhr bereits in Betrieb: Die Solarstromanlage auf dem Dach der Schmid Textilrewashing AG haben die Kunden der TBS Strom AG finanziert. In den nächsten zwanzig Jahren beziehen sie dafür gratis Strom und erhalten so ihr Darlehen zurückbezahlt.

Die Initiative ging von Einwohnern aus. «suhrsolar» nennt sich die vor zweieinhalb Jahren gegründete Interessengemeinschaft. «Es macht keinen Sinn, dass jeder Einfamilienhausbesitzer auf seinem Dach eine eigene kleine Anlage realisiert, für viele ist das auch aus technischen Gründen gar nicht möglich, und so suchten wir nach einer gemeinschaftlichen grossen Lösung», sagt Andrea Leuenberger, die zu den Initianten gehört und Präsidentin der IG suhrsolar ist.

Die Photovoltaik-Anlage der IG suhrsolar ist nicht die grösste oder effizienteste. «Die Besonderheit der Anlage liegt nicht in der Technik, sondern im Beteiligungsmodell, das die IG entwickelt und gemeinsam mit der TBS Strom AG erfolgreich umgesetzt hat», sagt TBS-Geschäftsführer Johnny Strebel. Unterdessen interessierten sich bereits weitere Elektrizitätswerke für dieses Modell.

Rund 400 000 Franken hat die Anlage gekostet. Vier Fünftel übernehmen die privaten Darlehensgeber, deren Darlehen durch den Bezug von Solarstrom rückvergütet wird. Sie vorfinanzieren so den Solarstrombezug und bezahlen im Idealfall während zwanzig Jahren keinen Strom mehr. Die TBS garantiert den Bau und langfristig den Unterhalt der Anlage. Sie verpflichtet sich selbstverständlich, den Darlehensgebern den Strom zu liefern. Ihre Anteile können die Strombezüger jederzeit weiterverkaufen, zusammen mit ihrem Haus etwa, vererben oder verschenken.

Jährlich wird die Anlage rund 190 000 Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren, was dem durchschnittlichen Verbrauch von rund 45 Haushalten entspricht.

Vielerorts planen und realisieren Privatpersonen Photovoltaikanlagen, um ihren Beitrag an die Energiewende zu leisten. Meist organisieren sie sich wie beispielsweise in Küttigen oder Erlinsbach als Genossenschaften, welche die Anlagen dann auch betreiben. Das Suhrer Geschäftsmodell entlastet die IG suhrsolar davon. Um die Geschäftsführung und den administrativen Kram braucht sie sich nicht zu kümmern. «Was passiert, wenn der Elan in einer Genossenschaft erlahmt, die Initianten und treibenden Kräfte – aus welchen Gründen auch immer – ausscheiden?», fragt Andrea Leuenberger. «Diese Sorge belastet uns nicht.»

Suche nach neuen Dächern

Dafür haben «suhrsolar»-Leute Kraft und Motivation, geeignete Dächer für weitere Anlagen zu suchen. «Die Wirtschaftlichkeit muss gewährleistet sein», sagt Johnny Strebel. Eine Fläche von 1500 Quadratmetern hätte die ideale Grösse. Gegenwärtig wird abgeklärt, ob das Dach der Turnhalle Hofstattmatte eine Photovoltaik-Anlage tragen könnte. Noch ist man skeptisch. Der Schulhausneubau scheint sich aus architektonischen Gründen nicht zu eignen.