Aarau

Dank DNA-Spuren: 55-jähriger Schweizer als Einbrecher verurteilt

Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei dem Verdächtigen ein Glasschneider und Schlüsselrohlinge gefunden. (Symbolbild)

Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei dem Verdächtigen ein Glasschneider und Schlüsselrohlinge gefunden. (Symbolbild)

Hinterlassene DNA wird einem Mechaniker nach vorweihnachtlicher Einbruchstour in zwei Geschäftshäusern an der Kasernenstrasse zum Verhängnis.

Wer am Tatort DNA-Spuren hinterlässt und dann behauptet, nie dort gewesen zu sein, gerät leicht in Erklärungsnotstand. So erging es auch Eberhard (Name geändert), den die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau per Strafbefehl zu einer unbedingten Geldstrafe von gut 20 000 Franken verknurrt hatte.

Unter Anrechnung der 30 Tage Untersuchungshaft hätte der äusserlich unauffällige 55-jährige Schweizer, einschliesslich Strafbefehlsgebühr und Polizeikosten, gegen 19 000 Franken bezahlen sollen. Doch Eberhard focht den Strafbefehl an und versuchte sein Glück vor der Strafkammer des Bezirksgerichts Aarau.

Der Vorhalt der Staatsanwaltschaft: mehrfacher, teilweise versuchter Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfacher, teilweise versuchter Hausfriedensbruch. Konkret: Der Betriebsmechaniker sei kurz vor Weihnachten 2015 an der Kasernenstrasse in Aarau von der Rückseite her in zwei Geschäftshäuser eingebrochen.

Im Innern habe er bei zwei Türen den Schlosszylinder aufgewürgt. In zwei andern Fällen sei das Unterfangen gescheitert, doch sei dabei ebenfalls ein Schaden entstanden. Verschwunden ist seither vor allem eine Münzsammlung, deren Wert der Geschädigte, einer von fünf Zivil- und Strafklägern, auf über 11 000 Franken bezifferte.

«Gebäude nie betreten»

Die Fragen von Gerichtspräsident Andreas Schöb beantwortete Eberhard emotionslos und überlegt, mit monotoner, leiser Stimme. Dabei bestritt er alle ihm zur Last gelegten Taten. In den beiden Gebäuden an der Kasernenstrasse sei er nie gewesen – nur im «Penny», dem gleich nebenan gelegenen Ye Olde Penny Farthing Pub an der Ecke Bahnhofstrasse/Kasernenstrasse.

Wie er es sich dann erklären könne, fragte der Richter, dass an zwei Orten im Eingangsbereich beziehungsweise an der Türe von ihm stammende DNA-Spuren gefunden wurden? «Ich kann mir das nicht erklären», antwortete der Beschuldigte.

Er verstehe nichts von solchen Sachen. Aber vielleicht, mutmasste Eberhard, ohne mit der Wimper zu zucken, könne man ja DNA-Spuren verschleppen – in diesem Fall vom «Penny», wo er sich wiederholt aufgehalten habe, ins Nachbargebäude.

Dass eine Hausdurchsuchung bei ihm kompromittierende Gegenstände – etwa einen Glasschneider und Schlüsselrohlinge – zutage förderte, erklärte Eberhard unter anderem damit, dass er eben «technisch interessiert» sei.

Der amtliche Verteidiger forderte einen Freispruch – und falls das Gericht anders entscheide, zumindest einen bedingten Strafvollzug. Sollte auch dem nicht stattgegeben werden, sei die Strafe in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln. Die Geldstrafe könne Eberhard eh nicht bezahlen. Mit 170 Franken sei der Tagessatz (bei einem Einkommen von netto rund 5800 Franken im Monat) viel zu hoch bemessen.

Ein Jahr gemeinnützige Arbeit

Augenzeugen, so der Verteidiger, gebe es nicht, Diebesgut habe man bei seinem Mandanten keines gefunden und das angebliche Einbruchswerkzeug lasse sich leicht mit seiner beruflichen Tätigkeit erklären. Die Staatsanwaltschaft äussere sich im Strafbefehl nicht zur Beweislage. «Sie überlässt die Arbeit wieder einmal dem Gericht.»

Der Gerichtspräsident folgte jedoch über weite Strecken der Staatsanwaltschaft. Er sprach Eberhard schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 150 Franken.

Das bedeutet, dass Eberhard 13 500 Franken bezahlen müsste. Das Gericht wandelte die Geldstrafe jedoch in 360 Tage gemeinnützige Arbeit um. Einen Teil der Schadenersatzansprüche hiess der Gerichtspräsident gut.

Den Rest verwies er auf den Zivilweg. Rund 6000 Franken – die Differenz zwischen der vom Kläger genannten Schadenssumme und der Versicherungsleistung – kostet Eberhard allein die unauffindbare Münzensammlung.

Zur Begründung des Urteils erklärte Andreas Schöb, zwar sei der Beschuldigte tatsächlich nicht auf frischer Tat ertappt worden. Doch die DNA-Spuren im Innern beziehungsweise an der Türe genügten ihm, um Eberhard zu verurteilen.

Ein bedingter Strafvollzug, so der Gerichtspräsident, komme aufgrund der Vorgeschichte des Beschuldigten nicht infrage. Eberhard ist wegen Einbruchdiebstählen insbesondere vor 2010 einschlägig vorbestraft.

Dabei ging es offenbar um Beschaffungskriminalität. Inzwischen hat Eberhard eine Drogentherapie absolviert: ein Methadonprogramm. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten nach seinem heutigen Verhältnis zu Drogen sagte er, er trinke hin und wieder Alkohol. Zu Heroin greife er nur noch ganz selten.

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