Wenn früher in Aarau das hohe F über die Altstadt schallte, war klar: Es ist 15.01 Uhr. Nur um diese Zeit kam die 7. Glocke mit dem f'' bislang zum Einsatz. Nun aber ist im Glockenturm der Stadtkirche vieles anders: Dank dem neuen Läutcomputer, der zusammen mit dem neuen Glockenstuhl im Oktober 2011 eingebaut wurde, sind differenziertere Geläute möglich. Zudem kann die Automatik nun auch die separate Glocke 8 (as'') im Dachreiter ansteuern.

Ab dem neuen Kirchenjahr, das am 1. Adventssonntag 2012 begann, hat die reformierte Kirche deshalb mit einer neuen Läuteordnung begonnen. Seither werden die Glocken vielfältiger genutzt, und ausserdem kommen die kleineren, helleren Glocken häufiger zum Einsatz.

Die Kleinste läutet wieder

Die kleine Glocke im Dachreiter, die zuvor nur noch ganz selten bei einer Taufe ausserhalb eines Gottesdienstes gebimmelt hatte, ertönt zum Beispiel beim Einläuten des Kindergottesdienstes am Samstagmorgen und bei bürgerlichen Geläuten wie an Neujahr, am Maienzug und dem 1. August. Auch die Glocke 7, die kleinste im Hauptturm, erklingt nun eben nicht nur um 15.01 Uhr sondern vor allem auch an den hohen Feiertagen Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

So tönt die 7. Glocke der Aarauer Stadtkirche

So tönt die 7. Glocke der Aarauer Stadtkirche

Glockenexperte Matthias Walter aus Bern hat die Kirchenpflege beraten, wie die Glocken läuten sollen. Die grösseren Glocken erklingen nun nicht nur seltener, sondern auch sanfter. Man habe die Klöppel aller sieben Glocken im Turm erneuert, teilt Gerold Brändli von der Kirchenpflege sozusagen als letzte Amtshandlung mit. Nun seien beim Anschlag weniger Obertöne hörbar, was ihm ein Musiker, der in der Halde wohne, bestätigt habe.

Die Tiefste klingt als letzte

Eine wesentliche Änderung gab es ausserdem beim Einläuten für den Morgengottesdienst am Sonntag. Bisher wurden die Glocken in der Reihenfolge 5, 3, 2, 1, 4, 6 (also as'–es'– c'–as–f'–c'') eingeschaltet und in der umgekehrten Reihenfolge ausgeschaltet. Neu ist das Einläuten gleich wie das Ausläuten und zwar in der Reihenfolge 6, 5, 4, 3, 2, 1, womit die grösste und tiefste Glocke als letzte erklingt.

Auch für Abdankungen ändert sich etwas: Für solche im Friedhof Rosengarten läutete bisher nur eine Glocke, nun sind es zwei. Dafür gibt es bei einer Abdankung in der Stadtkirche nicht mehr das volle Geläut.

Die Geläutevielfalt sei jedoch so gross und das Kirchenjahr so lange, dass man noch nicht alles habe testen können, sagt Brändli. So zum Beispiel das neue spezielle Geläute zum Weltgebetstag oder am Karfreitag.

Sonntags erst um 8 Uhr

Die wichtigste Änderung für die Altstadtbewohner dürfte aber der Stundenschlag sein. Seit Anfang 2012 wird dieser von 22 Uhr bis 6 Uhr ausgesetzt. Neu gilt zudem, dass am Sonntagmorgen die Stunde erstmals um 8 Uhr schlägt.