Aarau

Damit der grosse Spass im Fluss ungetrübt bleibt

Lufttemperatur 33 Grad, Aare 22 Grad. Lange musste man warten. Seit einigen Tagen aber ist der Sommer da. Von Gefahren wie dem Waschmaschinen-Phänomen, Brückenpfeilern und Wirbeln beim Schwimmen im Fluss.

Nicht nur die Freibäder waren in den letzten Tagen voll, auch im Aarekanal zwischen Schönenwerd und Aarau sah man ungewohnt Menschen im Wasser treiben. Kreischend sprangen Männer, Frauen und Kinder von der Brücke beim Entennest in die kühle Strömung, hielten sich an Schwimm-Nudeln oder Schwimmsäcken fest, in welche sie zuvor das Wenige an Kleidern gestopft hatten, das zurzeit benötigt wird.

Ungewohnt waren nicht nur die vielen Schwimmerinnen und Schwimmer in der Aare. Erstmals aufgefallen sind im Aarekanal die beiden Stand-up-Paddler, die sich nach Art der polynesischen Fischer und hierzulande voll im Trend fortbewegten; spektakulär auch die Jugendlichen, die sich bei der Brücke im Kanal oberhalb des IBA-Kraftwerkes im Bungeesurfing versuchten.

Flussregeln beachten

Damit der Spass beim Schwimmen im Fluss ungetrübt bleibt, sollte man gewisse Regeln kennen. Zunächst hält man sich im fliessenden Gewässer neben allgemeinen Baderegeln wie «nie alleine schwimmen» an die Flussregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG.

Lebensgefährlich können im Fluss Strömung, Steine am Boden, Brückenpfeiler und andere Hindernisse, die aus dem Wasser ragen, werden. Sie müssen, laut Prisca Wolfensberger von der SLRG, früh und weiträumig umschwommen werden. Auch für starke Schwimmer sei es praktisch unmöglich von einem Hindernis, an welches einen die Strömung drücke – dazu zählen auch Markierungsposten oder Äste, wieder wegzukommen: «Man wird einfach gegen oder unter das Hindernis gedrückt.»

Wirbel hingegen seien für gute Schwimmer eigentlich kein Problem, sagt Wolfensberger. Ungewohnt sei allerdings der Druck, der einen am Weiterschwimmen hindere: «Das kann Panik auslösen.» Sie rät, sich bei einem wirklich starken Wirbel in die Tiefe ziehen zu lassen. «Unten verliert der Wirbel die Kraft, dann kann man seitwärts wegtauchen.» Gefährlicher als Wirbel sind Schwellen, bei welchen ein Rückwärtssog entsteht. Das abfliessende Wasser kehrt von unten zum herabfallenden Wasser zurück. Wolfensberger spricht vom Waschmaschinen-Phänomen und sagt, dass man aus dem kreisenden Wasser nur sehr schwer rauskomme.

Gefahr droht beim Kraftwerk

In Aarau geht die grösste Gefahr von den beiden Wasserkraftwerken aus: Dem IBA-Werk beim Süffelsteg und dem Kraftwerk Rüchlig auf der Höhe der Zurlindeninsel. Die SLRG bringt es in ihren Flussregeln auf den Punkt: «Aus der Walze eines Wehrs kommt man nie lebend heraus.» Prisca Wolfensberger erklärt, dass man unbedingt einige hundert Meter vor dem Kraftwerk aussteigen sollte. Selbst bei geringer Strömung könne das Kraftwerk die Schleusen öffnen. «Dabei entsteht ein Sog, dem man sich kaum widersetzen kann.» Unterhalb eines Kraftwerkes wiederum kommt es mit der Rückströmung zum oben erwähnten Waschmaschinen-Phänomen. Schwimmen verboten gilt deshalb ober- und unterhalb von Kraftwerken.

Bestens geeignet für gute Schwimmer ist gemäss Gabriela Wiklund-Schmid, Präsidentin der SLRG-Sektion Aarau, der Einstieg in den schmaleren Aarekanal beim «Entennest». Sie empfiehlt, auszusteigen, bevor die zwei Kanäle zusammenfliessen.

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