«Von den 140 Astronauten, die mit dem Space Shuttle im All waren, kamen 14 ums Leben. Also jeder Zehnte.» Das sagte Markus Fiechter, der Präsident des Rotary Clubs Aarau-Alpenzeiger. Er unterstrich damit, dass die Raumfahrt nach wie vor ein Abenteuer und nicht ganz ungefährlich ist. Die Rotarier hatten den einzigen Schweizer zu Gast, der im Weltall war. Nicht ein-, sondern viermal. Der zwischenzeitlich bereits 75-jährige Claude Nicollier bot den 125 Zuhörern im «Schützen» in Aarau eine, wie es Markus Fiechter ausdrückte, «Reise ins All – zumindest gedanklich». Der Waadtländer verstand es, zu faszinieren. Etwa mit Fakten über das Weltall: Demnach dauert ein Sonnenuntergang im All nur 20 Sekunden und das Space Shuttle umkreiste die Erde mit 28'000 Kilometern pro Stunde.

Nicollier sprach «von enorm viel Glück und wenig Arbeit», als er davon erzählte, wie er Astronaut wurde. Aber es wurde dabei klar, wie viel Energie und Zeit Nicollier in seine «Arbeit» steckte und noch immer steckt. 

43 Tage im Weltall

Claude Nicollier hatte Physik und Astrophysik in Lausanne und Genf studiert und dann eine Ausbildung zum Linienpilot absolviert. 1977 wurde er in die 1. ESA-Austronautengruppe aufgenommen und lebte von 1980 bis 2005 in Houston, Texas, wo er für die Nasa tätig war. Nicollier musste sich 12 Jahre gedulden, bevor er auf seine erste Mission gehen konnte. Insgesamt war er 43 Tage im Weltall. Körperliche Folgen habe er keine davongetragen. Nur das Champagnerglas beim Begrüssungsapéro nach jeder Mission sei immer sehr schwer gewesen und die Erde sei ihm jedes Mal etwas verändert vorgekommen. Heute ist der Romand Professor an der ETH Lausanne. 

«Are you ready for take off?»

Während des Referats zeigte Nicollier beeindruckende Aufnahmen aus dem All und ein kurzes Video eines Space- Shuttle-Starts. «Der Aufstieg in die Erdumlaufbahn dauert nur achteinhalb Minuten», erklärte er und fügte in seinem charmanten Deutsch mit französischem Akzent hinzu: Jedes Mal, wenn er das Video ansehe, verspüre er besondere Emotionen. Bevor Nicollier das Video abspielte, fragte er noch: «Are you ready». Und man merkte, wie das Publikum den Atem anhielt.

Schwyzerörgeli-Musik im All

Er erzählte auch von seinen Wartungsarbeiten am Hubble, dem Weltraumteleskop, dass seit den 90er-Jahren fantastische Aufnahmen aus den Tiefen des Alls liefert. Er beschrieb, wie er jedes Mal traurig gewesen sei, loszulassen: «Es ist wie, wenn man sich am Bahnhof von einem guten Freund verabschieden muss. Ich bin immer noch eng mit Hubble verbunden.»

Er beschrieb den Alltag auf dem Space Shuttle und erinnerte sich an einen ganz speziellen Moment: Die Astronauten wurden jeweils mit Musik, welche von den Familienmitgliedern der Besatzung ausgewählt wurde, geweckt. Und am Morgen seines ersten Weltallspaziergangs ertönte Schwyzerörgeli-Musik von Grindelwald. «Es ist eine Sache des Herzens.»

«Das kann ich nicht sagen»

Während der Fragerunde betonte Nicollier: «Ich bin überzeugt, dass das Universum voller Leben ist.» Als ein Zuschauer als Nächstes wissen wollte, ob er auf seinen Missionen je ein unbekanntes Flugobjekt, ein UFO, gesehen hat, schwieg Nicollier einen Moment und antwortete dann: «Das kann ich ihnen nicht sagen.»