Cirqu' Aarau
Warum das Zirkusfestival für alle eine grosse Herausforderung ist

Am Donnerstag hat das Zirkusfestival «cirqu’8» begonnen. Zehn Tage lang ist die Stadt zauberhafter, überraschender, erstaunlicher. Doch nach eineinhalb Jahren Corona-Pause ist das Festival für alle anspruchsvoll.

Katja Schlegel
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Auftakt Zirkusfestival cirqu' 8 in Aarau: Nick Steur stapelt Felsen.

Auftakt Zirkusfestival cirqu' 8 in Aarau: Nick Steur stapelt Felsen.

Foto: Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Zwei Felsen, tonnenschwer, aufeinanderstapeln? Eine verrückte Idee, aber was für eine! Langsam geht es vorwärts, Nick Steur zieht, richtet, hebt und schiebt. Beobachtet die Steine, von nah, von fern, spricht scheinbar lautlos mit ihnen.

Und die Zuschauer? Die einen kommen dazu und gehen wieder, andere blieben sitzen. Sie braucht Geduld, diese Nummer, aber sie lohnt sich. Je länger man schaut, desto faszinierender wird es. Das ist Zirkus. Zirkus der meditativen Art. Ungewohnter Zirkus. Es ist der Auftakt zum Zirkusfestival «cirqu’8».

Anders sollte es immer sein - aber so anders?

Dass diese Ausgabe anders werden würde, war schon lange klar. Die «Alte Reithalle», Entstehungsort und Zuhause des Festivals, wird saniert. Doch wie anders, das hätte sich das OK um Festivalleiter Roman Müller sich nicht träumen lassen.

Angedacht war ein Zeltfestival im Schachen, geworden ist es ein Festival verteilt über die ganze Stadt. Ein Zusammenspiel verschiedener Formate – Dauerperformances, Stücke und Ausstellungen –, die an zehn Orten stattfinden: im Stadtmuseum, im KuK, im Forum Schlossplatz, auf dem Schlossplatz, auf der Bühne Aarau, in der Stadtkirche, auf dem Kirchplatz, auf dem Maienzugplatz, auf dem Pontonierplatz und auf dem Parkplatz Fretz. Die Festivalkasse befindet sich im Stadtmuseum, die Festivalbar beim Forum Schlossplatz.

Nick Steur und «A piece of 2» auf dem Pontonierplatz.

Video: Katja Schlegel

Spektakel, das ungewohnte Gefühl

Viele Veranstaltungen finden im öffentlichen Raum statt, mitten in der Stadt, sind kostenlos oder mit Hutkollekte. So, wie Nick Steurs «A piece of 2» auf dem Pontonierplatz. Oder «Heinz baut» auf dem Schlossplatz. Furchtlos steigt Georg Traber Meter um Meter in die Höhe, getragen von zusammengeschnürten Holzstangen. Auch hier bleiben viele stehen, es ist ein Wundern und Staunen. Es passiert etwas, es gibt was zu sehen in der Stadt. Endlich wieder. Was für ein ungewohntes Gefühl.

Auftakt Zirkusfestival cirqu' 8 in Aarau: Georg Traber baut sich einen Turm aus Holzstäben.

Auftakt Zirkusfestival cirqu' 8 in Aarau: Georg Traber baut sich einen Turm aus Holzstäben.

Foto: Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Die Freude über das Festival ist gewaltig, nicht nur seitens Artisten und Organisatoren. Die Tickets waren so begehrt, dass innert fünf Tagen mehr Tickets verkauft wurden, als in den Vorjahren in der gesamten Vorverkaufsphase. Inzwischen konnten weitere Kontingente freigeschaltet werden, für einzelne Veranstaltungen gibt es noch wenige Plätze.

Georg Traber mit «Heinz baut» auf dem Schlossplatz.

Video: Katja Schlegel

Wer übrigens ein cirqu’-Ticket hat, kann gratis ins Stadtmuseum (Ausstellung «cirqu’»), ins Aargauer Kunsthaus (Skulpturen-Ausstellung) und ins Forum Schlossplatz («China Series»).

Für Roman Müller beginnt jetzt der Moment der Spannung: «Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Leute die Inhalte aufnehmen, wie sie darauf reagieren.» Dieses Festival sei für alle Beteiligten eine Herausforderung, speziell für die Künstler. «Viele haben eineinhalb Jahre lang nicht gespielt. Wir haben hier die Möglichkeit, ihnen Raum und Zeit zu geben, neu zu beginnen. Das ist mir eine grosse Freude.»

Hinweis

Zirkusfestival «cirqu’8» noch bis 20. Juni, www.cirquaarau.ch