Prozess
Chihuahua-Fall: Zwei Jahre wegen Betrugs und Tierquälerei

Eine Frau importierte Chihuhua-Welpen aus dem Ausland - und behauptet, sie habe die Hunde selbst gezüchtet.

Merken
Drucken
Teilen

Das Geschäft klang verlockend: Chihuahua-Welpen von Züchtern im Ausland für rund 700 Franken kaufen und sie hierzulande für mehr als das Doppelte verkaufen. Während dreier Monate führte die Angeklagte mit ihrem Mann 20 solcher Welpen illegal in die Schweiz ein und veräusserte sie. Den Käufern versicherte sie, die Tiere stammten aus eigener Zucht oder aus der Zucht ihrer Mutter in Österreich.

Vor Gericht verneinte die Angeklagte, dies gesagt zu haben. Ihr Verteidiger sprach von einem Missverständnis: Sie hatte lediglich erwähnt, sie wolle mal eine eigene Zucht aufbauen. Das Gericht glaubte den Aussagen der Käufer und mahnte die Angeklagte, dies seien «nicht zum ersten Mal widersprüchliche Aussagen». Zudem schrieb die Angeklagte in einem Mail an eine Käuferin, sie züchte Chihuahuas und trage damit zum «artgerechten Überleben der Rasse bei, die so viel misshandelt wird».

Die verkauften Tiere waren krank

Weitere Aussagen der Angeklagten vor Gericht stimmten nicht mit denen der polizeilichen Ermittlung überein. Hatte sie behauptet, die Welpen in Österreich gekauft zu haben, sagte sie nun, sie habe die Tiere in Deutschland erworben. Im Glauben daran, Welpen aus einwandfreier nationaler Zucht zu kaufen, zahlten die Käufer einen entsprechend hohen Preis. Schon wenige Tage später zeigten sich bei den Tieren aber gesundheitliche Probleme: Hüftdeformationen, Leistenbrüche, Lungenwürmer, Ohrmilben. Der Tierarzt stellte aufgrund der Chips an den Tieren fest: Sie stammen aus Osteuropa.

Schon früher schuldig gesprochen

Neben gewerbsmässigem Betrug musste sich die Angeklagte zudem wegen Tierquälerei verantworten, da sie ihren eigenen Chihuahua zwei Tage lang in einer Hundebox auf dem Balkon eingesperrt gelassen hatte. Und wieder gab es widersprüchliche Aussagen: Der Polizei sagte sie, sie habe notfallmässig zu einer Kollegin nach Italien reisen müssen und habe ihren Mann beauftragt, auf den Hund zu schauen. Vor Gericht hiess es, sie sei mit ihrer Familie an den Gardasee gereist, um den Geburtstag ihres Sohnes zu feiern. Als das Tier von der Polizei befreit wurde, war es vom eigenen Urin durchnässt, ausgehungert und hatte einen Abszess im Analbereich.

Die Angeklagte wurde in beiden Punkten einstimmig schuldig gesprochen. Dazu kam ein Verdikt wegen Urkundenfälschung. Da sie bereits 2005 zu 12 Monaten bedingt verurteilt worden war, kam das Gericht nicht darum herum, der alleinerziehenden dreifachen Mutter eine unbedingte Freiheitsstrafe aufzuerlegen. Insgesamt wird sie zwei Jahre ins Gefängnis müssen. «Bei jemandem ohne diese familiären Umstände hätte man mehr als 30 Monate gegeben», so das Gericht. (dvi)