Am späten Dienstagnachmittag präsentierte die Task Force des neuen Aarauer Stadtrates ihre Stadion-Strategie. Allen Beteiligten (Bauherrin HRS, FC Aarau, «meinstadion.ch») sollen innerhalb von zwei Wochen Zugeständnisse abgerungen werden. Noch in diesem Jahr könnten die Stimmbürger über die Teilrevision des Zonenplans für den Bau der vier Hochhäuser abstimmen. Ein Nein würde wohl das Ende des Stadion-Neubaus und auch des Spitzenfussballs in Aarau bedeuten.

Zwischen der HRS und «meinstadion.ch» hatte es in den letzten Tagen wegen der Forderung einer Konventionalstrafe (für den Fall, dass HRS nicht baut) atmosphärische Störungen geben. Doch dann das: Völlig überraschend und in aller Heimlichkeit trafen sich die HRS und «meinstadion.ch» am Dienstagabend und präsentierten um 19.52 Uhr eine neue Idee: Die HRS lässt mit sich über eine Entkoppelung des Stadions von den Hochhäusern sprechen.

Sie verlangt aber eine Zwischenfinanzierung für diesen «Plan C». Zahlen sollen bis Donnerstag geliefert werden. Laut Michael Hunziker wird der Betrag höher sein als die 14 Millionen Franken, die seine «meinstadion.ch» GmbH bisher mittels Hilfe von Kanton und Banken sowie der Geldsammlung aufbringen wollte. 

Aarau, Dienstagnachmittag, 16.45 Uhr: Der Stadtrat erklärt, wie er für das Stadion kämpft und wie es weitergehen soll

Der lange Tisch an der gestrigen Pressekonferenz des Stadtrats hätte Platz gehabt für ein paar zusätzliche Personen. Und die drei Stadtratsmitglieder – Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker sowie Hanspeter Thür (Hochbau) und Daniel Siegenthaler (Sport) – hätten das Podium gestern gerne geteilt. Mit einem Vertreter der Stadion-Bauerin HRS, des FC Aarau und der «meinstadion.ch» GmbH. So wäre es eigentlich geplant gewesen: Dass die Akteure im leidigen Stadion-Drama einen gemeinsamen Konsens finden und nach den Scharmützeln in den letzten Wochen der Presse eine gemeinsame Absichtserklärung vorlegen können. Freilich nach dem Diktat der Stadt. Doch so weit kam es nicht.

Stadtrat Hanspeter Thür gibt Auskunft 

Stadion Aarau: «Wir müssen die Sicherheit haben, dass alle am gleichen Strick ziehen»

Stadion Aarau: «Wir müssen die Sicherheit haben, dass alle am gleichen Strick ziehen»

Das sagte der Aarauer Stadtrat Hanspeter Thür im Rahmen der Medienkonferenz am Dienstag, 6.3., gegenüber Tele M1.

Druckmittel Zonenplanrevision

Zur Erinnerung: Die HRS hätte zwar ein bewilligtes Stadionprojekt mit Mantelnutzung, will aber statt dem Einkaufszentrum vier Hochhäuser bauen, um das Stadion querzufinanzieren («Plan B»). Dazu braucht es vier Komponenten: Einen Gestaltungsplan und eine Baubewilligung für die Hochhäuser, eine neue Baubewilligung fürs Stadion und eine Zonenplanrevision, damit im Torfeld Süd überhaupt Hochhäuser entstehen können. Die HRS will mit dem Stadionbau erst beginnen, wenn sämtliche Bewilligungen vorliegen.

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Die Unterlagen für die Zonenplanrevision wären bereit. Der Stadtrat weigert sich aber vorerst, sie öffentlich aufzulegen. Zuerst verlangt er, dass bis zum 20. März alle Akteure (also HRS, FC Aarau und «meinstadion.ch») eine Absichtserklärung unterzeichnen. Darin muss sich die HRS verpflichten, die entstehenden Planungskosten im Umfang von rund 2 Mio. Franken zu übernehmen, selbst für den Fall, dass trotz rechtskräftigem Gestaltungsplan für die Hochhäuser keine Baubewilligung erteilt wird. Sie soll ausserdem eine Konventionalstrafe zahlen, falls sie trotz vorliegender Baubewilligung für die Hochhäuser nicht mit dem Stadionbau beginnt.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

(Herbst 2016)

Wie hoch diese Strafe sein soll, wollte Hanspeter Thür gestern nicht beziffern, sie sei aber eher «symbolisch» gemeint: «Der Stadtrat bezweifelt eigentlich nicht, dass die HRS gewillt ist, das Stadion zu bauen. Aber sie hat schon einmal trotz vorliegender Baubewilligung nicht gebaut. Also wollen wir uns dieses Mal absichern.» Das sei, so betonte auch Daniel Siegenthaler, wichtig für die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Volk.

FCA kriegt Lizenzverlängerung

Doch die HRS denkt gar nicht daran, auf diese Forderung einzugehen: «Es ist unser Land, wir bauen selber und haben bisher die Planung bezahlt», sagt CEO Martin Kull auf Anfrage der AZ. Eine Sackgasse also. Aber auch für den FC Aarau gibt es Neuigkeiten, die nicht auf Begeisterung stossen: Der Stadtrat geht im schlimmsten Fall (wenn alle Rechtsmittel von Stadion- oder Hochhausgegnern ausgeschöpft werden) davon aus, dass sich der Bezug des Stadions von 2021 auf 2023 verzögert.

Er hat deshalb der Swiss Football League eine Zusage abgerungen: Die Spiellizenz des FCA im Brügglifeld wird für die Saison 2021/22 verlängert, wenn im April 2021 noch nicht mit dem Bau begonnen werden kann, weil noch Rechtsverfahren gegen eine Baubewilligung der Hochhäuser laufen. Aber überlebt der FCA eine noch längere Durststrecke?

Volksabstimmung noch 2018?

Ein erster Schicksalstag wartet also am 20. März. Kommt dann die gemeinsame Absichtserklärung nicht zustande, «haben wir ein echtes Problem», sagte Thür gestern. Mit anderen Worten: Dann ist das Stadionprojekt gelaufen, falls sich die Stadt weiterhin weigern wird, die Zonenplanrevision öffentlich aufzulegen.

Und selbst wenn sich die Parteien zusammenraufen: Ende Jahr wartet die nächste grosse Hürde. Denn während Gestaltungsplan und Baubewilligungen über normale Baurechtsverfahren abgewickelt werden können, muss die Zonenplanänderung – vermutlich im Oktober – vor den Einwohnerrat. Und es wird aller Voraussicht nach zu einem fakultativen oder vom Einwohnerrat verordneten obligatorischen Referendum kommen.

Irgendwann zwischen November 2018 und Mai 2019 wird also wohl das Aarauer Stimmvolk entscheiden, ob es im Torfeld Süd Hochhäuser will. Wenn nicht, wird die HRS das Stadion nicht bauen. «Ein Nein wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit das Ende des Spitzenfussballs im Kanton Aargau», hält Hanspeter Hilfiker fest.

Lesen Sie den Verlauf der Medienkonferen in unserem Liveticker nach:

Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern:

Pläne für Aarauer Stadion bekannt

21.12.2017: Die Pläne für das Aarauer Stadion sind bekannt

Ab dem Jahr 2021 könnten die ersten Spiele dort angepfiffen werden.