Gränichen/Boncourt (JU)
Chaos im Pferde-Drama: Wem gehören die heimatlosen Tiere?

Die 33 Pferde, welche ein Pferdezüchter im Kanton Jura sich selbst überlassen hat, werden jetzt verkauft. Wem die Tiere aber gehören, ist noch nicht abschliessend geklärt.

Pascal Meier
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Im Jura deponiert: Der Gränicher kümmert sich nicht mehr um seine 33 Pferde.

Im Jura deponiert: Der Gränicher kümmert sich nicht mehr um seine 33 Pferde.

Landwirt Michel Prêtre aus Boncourt JU kann bald aufatmen. Die 33 Pferde, die ein Pferdezüchter aus Gränichen vor vier Monaten bei ihm eingemietet hat, ohne die monatliche Miete von 2500 Franken plus Kosten für Heu, Stroh und Pflege zu bezahlen, sollen bald verschwinden.

Die jurassische Kantonstierärztin hat die Tiere vorübergehend beschlagnahmt und dem Besitzer aus dem Aargau nun eine Frist bis zum 24. Februar gesetzt, die Pferde zu verkaufen. Tut er das nicht, wird der Kanton Jura die Pferde definitiv beschlagnahmen.

Unter diesem Druck handelt der Gränicher Pferdezüchter jetzt. Er hat laut Informationen der az eine Vertrauensperson mit dem Verkauf der Pferde beauftragt. Dieser suchte Hilfe bei «Pferde in Not»: Die Tierschutzorganisation erklärte sich bereit, gemeinsam mit den Tierschützern der Organisation «Netap» die Pferde zu vermitteln; dies in Einverständnis mit dem Kanton Jura.

«Wir haben die Pferde fotografiert und sammeln jetzt alle Daten», sagt Yardena Malka, Präsidentin von «Pferde in Not». «Interessenten können sich melden.» Vorschnell gebe man die Pferde nicht her: «Es gibt ein Gespräch auf dem Hof in Boncourt. Am Schluss muss zudem das Veterinäramt jedem Verkauf zustimmen.»

Viele Emotionen im Spiel

Die Vermittlung der Pferde ist schwierig: Bei vielen Tieren ist unklar, ob sie dem Gränicher Pferdezüchter gehören. «Ständig melden sich aufgeregte Pferdebesitzer, die ihr Tier auf Fotos erkannt haben wollen», sagt Yardena Malka. Bislang sei in sechs Fällen belegt, dass Pferde jemand anderem gehörten. Die Hintergründe sind unklar. Offensichtlich hatte der Mann aus dem Aargau die Pferde in Pension genommen und im Jura eingemietet.

Laufen die Tierschutzorganisationen damit nicht Gefahr, Pferde zu vermitteln, die jemand anderem gehören als dem Gränicher Pferdezüchter – zumal viele Fohlen nicht gechipt sind? «Wir prüfen jedes Pferd sorgfältig», sagt Malka dazu. Zudem läuft nach dem Verkauf eine Rekursfrist.»

Wer Anspruch auf ein Pferd erhebt, müsse den offiziellen Weg über das Veterinäramt gehen und die nötigen Papiere vorweisen. Viele Ansprüche hätten sich bislang als nicht gerechtfertigt herausgestellt.

Der tragische Fall der Pferde hat zudem bei zahlreichen Menschen, die (zu) tierlieb sind, viele Emotionen geweckt, die erst kanalisiert werden mussten. Gab es zuvor einige unschöne Momente bis hin zu Drohungen, sei man nun auf einem guten und vor allem gemeinsamen Weg. «Es scheint als würden alle Parteien am gleichen Strick ziehen und eine gute Lösung für die Tiere anstreben», sagt Yardena Malka.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass alle 33 Pferde bis zum 24. Februar vermittelt werden können. Die Zeit ist zu knapp. Beschlagnahmt dann der Kanton die restlichen Tiere, kann der Gränicher Pferdezüchter dagegen Rekurs einlegen. Die Tierschutzorganisationen wollen sich auch nach dem 24. Februar um die Vermittlung bemühen. «Die Pferde landen sicher nicht im Lastwagen zur Metzgerei, wie gerüchteweise zu hören ist», sagt Malka.

Pferdezüchter hat Schulden

Der Gränicher Pferdezüchter dürfte vom Verkaufserlös wenig sehen. Er ist laut Medienberichten hoch verschuldet; allein Bauer Michel Prêtre fordert von ihm über 40 000 Franken. Ungemach droht ihm auch im Kanton Aargau: Vergangene Woche hatte das Veterinäramt auf seinem Hof wegen schlechter Tierhaltung 12 Pferde und 23 Hunde beschlagnahmt.

Die Hunde warten nun im Tierheim Untersiggenthal auf ein neues Herrchen, der Besitzer hat eine Verzichtserklärung unterschrieben. Anders liegt der Fall bei den Pferden: Diese sind auf einem Hof in der Region untergebracht. Die Unterbringung zahlt der Kanton, wird diese aber dem Pferdezüchter in Rechnung stellen. Er war für die az nicht erreichbar.

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