Wer das Lädeli von Sylvia Bachmann an der Hauptstrasse in Obererlinsbach betritt, weiss direkt, was Sache ist. Obwohl der Blick zuerst auf einen grossen Korb voll Dubler-Mohrenköpfe fällt – die Nase täuscht sich nicht. Das Kerngeschäft von Bachmann ist Käse. Obwohl sie aus einer Zofinger Metzgerfamilie stammt. Seit 25 Jahren führt sie die «Chäslaube» im aargauischen Erlinsbach. Aber nicht mehr lange: Am 17. März schliesst Sylvia Bachmann ihr Geschäft für immer. Altershalber. Vor drei Wochen ist sie 64 geworden.

Es sei der richtige Moment, um aufzuhören – bevor sie sich doch noch ein Kartenlesegerät anschaffen müsse, sagt Bachmann, und lacht. Das tut sie oft. Wehmut über die Ladenschliessung ist ihr, zumindest im Moment, nicht anzumerken. «Ich freue mich wirklich auf meine Pensionierung», sagt sie. «Endlich nicht mehr sechs Tage in der Woche arbeiten – ich weiss gar nicht mehr, wie frei haben geht.»

Bachmann betont jedoch, dass sie immer sehr gerne gearbeitet habe und auf 25 strenge, aber sehr erfüllende Jahre zurückblicke. Die Einnahmen seien nicht immer konstant gewesen, aber im Moment laufe es, wie oft im Winter, sehr gut. «Ich hatte in all den Jahren viele tolle, treue Kunden.» Und deren kulinarische Vorlieben kennt sie ausgesprochen gut. «Du hast doch gerne den Rezenten», sagt sie dem Stammkunden, der gerade an der Käsetheke steht, und reicht ihm ein Stück zum Probieren.

Als ein älteres Ehepaar in den Laden kommt, weiss Bachmann noch genau, welcher Käse den beiden das letzte Mal so gut geschmeckt hat. Dass der Herr behauptet, es sei ein Brie gewesen, glaubt sie nicht – und ein «Probiererli» später muss auch der Kunde einsehen, dass es der Camembert war, den er mochte.

Klar ist: Wer zu Silvia Bachmann kommt, erhält nicht einfach nur einen Käse, sondern kompetente Beratung, wie man sie nicht mehr oft findet. Von den rund 80 Sorten, die Bachmann in ihrer «Chäslaube» hat, mag sie selber den «eifach glismeten» Greyerzer am allerliebsten, wie sie sagt.

Sylvia Bachmanns Käseplatten sind legendär. Auch im Ruhestand will sie noch den einen oder anderen Auftrag annehmen. Und ihre Söhne, die beispielsweise bei der Weinwanderung jeweils das Racclettehüüsli betreiben, wollen dies beibehalten. Aber sonst ist Schluss. Wie es mit dem Ladenlokal weitergeht, das Bachmann gemietet hatte, ist noch unklar. Sicher ist, dass sie auch aus der Wohnung im Obergeschoss auszieht. «Ich bleibe aber in Erlinsbach», verrät sie.