Küttigen
«Cartons du Coeur» verteilt auch im Aargau Pakete mit Lebensmitteln

«Cartons du Coeur» hilft unbürokratisch, anonym, schnell und direkt Menschen, die in Not geraten sind und denen es an genügender und gesunder Nahrung mangelt. Die «Pakete, die von Herzen kommen» enthalten kein Bargeld, sondern Lebensmittel.

Hermann Rauber
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Das Team von «Cartons du Coeur» mit (v.l.) Jakob Haller, Brigitte Arnoux und Kjell Sjöberg. HR

Das Team von «Cartons du Coeur» mit (v.l.) Jakob Haller, Brigitte Arnoux und Kjell Sjöberg. HR

Organisiert wird die Hilfe von Küttigen aus, wo die Brigitte Arnoux, Präsidentin von Cartons du coeur Aargau, wohnt.

Die allererste Aktion dieser Art unternahm die Jugendmannschaft eines Fussballclubs in der Romandie, die 1993 zur Gründung der Organisation im Kanton Neuenburg führte. Sie wirkt sei 1997 auch im Aargau, dem einzigen Kanton der Deutschschweiz mit «Cartons du Coeur».

Auf diesem Weg hat die Institution im vergangenen Jahr weit mehr 1000-mal Hilfe und Freude bereiten können und insgesamt 64 Tonnen Nahrung verteilt. Die Zahlen für das zu Ende gehende 2012 liegen deutlich über jenen des Vorjahrs, wobei der geografische Schwerpunkt in der Region Aarau-Lenzburg liegt. Lieferungen gehen aber auch ins nahe Niederamt, weil der Kanton Solothurn keine Sektion von «Cartons du Coeur» kennt.

Keine permanente Stütze

Die Hilfeleistung der «Cartons du Coeur» ist eher als Brücke oder Fingerzeig zu verstehen, die es ermöglicht, eine vorübergehende Krise zu überwinden. Sie kann nicht als permanente, unverzichtbare Stütze betrachtet werden. So steht es in der Charta des Vereins. Man will damit die Folgen plötzlicher Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit, die Not Alleinerziehender oder Einsamkeit und Verzweiflung mildern. Es ist allerdings nicht das Ziel von «Cartons du Coeur», offizielle oder private Sozialdienste zu ersetzen, es geht effektiv um eine punktuelle Nothilfe.

«Wir werden bei unserer Arbeit immer wieder mit den verschiedenen Gesichtern der Armut konfrontiert», betont die Präsidentin Brigitte Arnoux aus Küttigen. Die Hilfe von «Cartons du Coeur» lindere nur einen kleinen Teil der Not, und doch werde sie «mit grosser Dankbarkeit angenommen». Sicher sei, dass die Organisation durch diese persönlichen Begegnungen und durch das respektvolle Zuhören ein «Hoffnungslicht in ihre Herzen bringen kann», sagt Arnoux. So werde oft ein trauriger und schwerer Alltag «ein bisschen heller», nicht zuletzt in der Adventszeit.

Der unkomplizierte Kontakt erfolgt über die Telefonnummer 0797817659 (für Aargau West), die von Robert Zeller betreut wird. Der Vermittler ordert je nach den Lebensumständen der Hilfesuchenden im zentralen Lager in Gränichen bei Jakob Haller ein Paket mit frischen oder lagerfähigen Lebensmitteln. «Cartons du Coeur» darf dabei auf die logistische Hilfe der Migros zählen. Dann wird einer der knapp 70 freiwilligen «Lieferer» avisiert, der das Paket abholt und vor Ort bei den Bedürftigen übergibt.

Jede zweite Woche im Einsatz

Einer dieser Helfer ist der in Küttigen wohnhafte Kjell Sjöberg, der im Schnitt jede zweite Woche einmal auf diese Weise im Einsatz ist. Auch er ist beeindruckt von der grossen Dankbarkeit der Beschenkten. «Man sieht bei dieser Tätigkeit bei aller Freude auch viel Elend, manchmal kommen mir dabei fast die Tränen», gesteht Sjöberg, der sich als Pensionierter zu dieser Solidarität mit Menschen in Not verpflichtet fühlt.

«Cartons du Coeur» hat einen Jahresumsatz von rund 140000 Franken, der über mehrere Schienen finanziert wird. Einerseits durch Spenden, unter anderem von Kirchgemeinden oder Service-Clubs, auf der anderen Seite durch Aktionen an der Front. Freiwillige sammeln in gelben
T-Shirts mit dem Vereinsemblem vor Migros-Geschäften Lebensmittel, die von Kundinnen und Kunden für die gute Sache gekauft und anschliessend an «Cartons du Coeur» verschenkt werden.

Informationen unter www.cartonsducoeur-aargau.ch