«In der Vergangenheit hat es nur zwei Mal geregnet: Einmal bis 19 Uhr und einmal ab 24 Uhr», erzählte «Camino»-Wirt Othmar Gruber (65) im Vorgespräch. Gestern Abend um 18.45 Uhr, just in dem Moment, als das Foto gemacht wurde, begann es zu tröpfeln – um anschliessend 45 Minuten lang so richtig zu schütten. Ein Dämpfer für den Abend, an dem Gruber am meisten Personal im Einsatz hat: «15 Personen – so viele wie sonst nie.» Seinem Erfolgsrezept ist er in all den Jahren treu geblieben: Chili con Carne, mexikanische Spiesse («mehrere hundert») und genug gegen den Durst.

«Normalerweise ein sehr guter Tag»

«Der Maienzug-Vorabend ist normalerweise ein sehr guter Tag», gibt Wirt Gruber unumwunden zu. Auch wenn er mit viel Arbeit verbunden ist. Das Aufstellen am Nachmittag, der Ansturm am Abend, das Durchhalten, solange es das OK erlaubt (definitives Ende um 2 Uhr nachts) – und immer das Risiko, dass ein Starkregen kommt, wie es gestern der Fall war.

Nein, Gruber will nicht jammern, geschweige denn klagen: «Wirklich, der Maienzug-Vorabend ist eine hervorragende Institution.» Er bringe Leute nach Aarau. «Es kommen, das gilt für den Maienzug ganz generell, sehr viel Exil-Aarauer. Man trifft sich.» Aber, Gruber hat, was den Vorabend anbetrifft, eine gewisse Veränderung festgestellt. «Es ist nicht mehr so familiär. Wir haben bei gutem Wetter viel mehr Leute als früher.» Auch wenn der «Camino»-Wirt manchmal denkt, weniger wäre mehr, will er das Rad nicht zurückdrehen. «Es gab eine andere Dynamik. Und damit mehr Besucher – was auch gut ist.»

Umsatzmässig war der Vorabend für die Wirte auch schon besser. Ganz einfach, weil es heute mehr Anbieter hat. Gruber würde sich wünschen, dass es weniger Auswärtige gäbe: «Damit die Altstadt-Wirte, die nicht nur am Vorabend, sondern das ganze Jahr über für Leben sorgen, von diesem ausserordentlichen Ereignis mehr profitieren könnten.»

Othmar Gruber ging in Aarau in die Sekundarschule. Damals noch im Pestalozzi-Schulhaus. Er lernte im «Salmen» (heute «Spaghetti Factory») Koch und verliess dann die Stadt für einige Jahrzehnte. 2003/04 kam er zurück und übernahm das «Camino». Er war zehn Jahre lang Präsident der losen Vereinigung der Aarauer Altstadtwirte (bis vor drei Jahren). Sein «Camino» hat sich ständig etwas gewandelt. Geblieben ist das mexikanisch-mediterrane Angebot mit Schweizer Premium-Fleisch und -Poulet. Gut entwickelt hat sich die Nachfrage nach der neuen Spezialität Entrecôte Café de Paris. Ein Evergreen sind die Moules à la Camino (Miesmuscheln), zubereitet mit einem Hauch mexikanischem Sud (jeweils ab September).

Heute Morgen geht es weiter

Gruber ist ganz generell mit dem Geschäftsgang zufrieden, betont aber, die Herausforderungen hätten sich verändert. Der 65-Jährige denkt nicht an die Pensionierung. «Ich bleibe definitiv bis auf weiteres Aarauer Wirt.» Die Kraft dazu hat er. Auch am Tag nach dem Vorabend. Am Maienzugmorgen gibts im «Camino» ab 8 Uhr Café mit Gipfeli – und für die «Durstigen» frisch gepressten Orangensaft.