Aarau
Busfreie Altstadt – einfacher gesagt als getan

Sieben Varianten liegen vor, wie die Aarauer Altstadt busfrei werden könnte. Den Stadtrat überzeugt keiner der skizzierten Vorschläge. Denn bei allen überwiegen die Nachteile gegenüber dem Istzustand.

Thomas Röthlin
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Bus und Postauto sollen die Aarauer Altstadt nur abends und in Richtung Bahnhof umfahren. Zu diesem Schluss kommt der Stadtrat nach der Lektüre des Expertenberichts über alternative Buslinienführungen. Keine der skizzierten Varianten sei besser als der Istzustand.

Die Behörde spricht sich deshalb für eine Kompromisslösung aus: Tagsüber und in Richtung Kettenbrücke bliebe alles gleich (az Aargauer Zeitung von gestern).

Kronengasse wird busfrei

Der Istzustand bezieht sich auf die laufende Neugestaltung der Altstadtgassen. Diese reduziert zwar Lärm und Abgase, indem die Haltestellen Metzgergasse und Rathausgasse aufgehoben wurden, degradiert den Stadtkern aber auf eine reine Transitachse. Die Kronengasse wird busfrei, weil das Postauto daraus verschwindet. Der Kompromissvorschlag brächte eine weitere Verbesserung: In der Rathausgasse würde es ab 20 Uhr ruhig.

Variante A1
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Variante A2
Variante C1
Variante B
Variante C2
Variante D
Variante E

Variante A1

Damit die Varianten vergleichbar sind, liessen sich die Experten von den immer gleichen Kriterien leiten. Die technische Machbarkeit sagt etwas darüber aus, wie geeignet eine Strasse als Buchsachse ist.

Die Erschliessungsqualität hängt von der Anordnung der Haltestellen und der Veränderung der Fahrzeit ab. Die Kosten beziehen sich auf den Betrieb - längere Routen bedeuten mehr Fahrzeuge und Diesel - und die Infrastruktur, zum Beispiel für Lichtsignalanlagen.

Drei Varianten möglich

Die stadträumlichen Chancen zeigen Konflikte des öffentlichen Verkehrs (öV) mit Fussgängern, Velofahrern und dem Stadtbild auf. Und schliesslich ist bei einer Neuerung auch auf die Flexibilität für Angebotsausbauten zu achten.

Wenn es nur um die stadträumliche Sicht ginge, würden drei Varianten (B, D und E) besser abschneiden als der Istzustand. Zur Gesamtbeurteilung zählen aber auch die vier reinen öV-Kriterien. Und hier sind alle Varianten schlechter (C und D eindeutig).

Die Varianten im Detail:

Variante A1

Zum Bahnhof fährt der Bus nicht via Rathaus-, sondern via Metzgergasse und dann durch die Kasinostrasse (wo die Parkhausausfahrt dosiert wird); vom Bahnhof via Aargauerplatz und Graben in die Metzgergasse. Dort herrscht Gegenverkehr, die Haltestelle befindet sich am Zollrain. Kreuzen geht wegen der Fahrbahnbreite nicht, eine Ampel verlängert die Fahrzeit. Infrastrukturkosten 1,5 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 600 000 Franken.

Variante A2

Kehrt Variante A1 um. Die Kasinostrasse wird (neu) nordwärts befahren, der Obere Graben südwärts. Infrastrukturkosten 1,5 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 600 000 Franken - gleich wie bei A1. Damit müssten hauptsächlich die beiden betroffenen Strassen umgestaltet und mit Haltestellen versehen werden, weil heute nur in die andere Richtung gefahren wird (Autos auf der Kasinostrasse, Busse im Oberen Graben).

Variante B

Der Bus verschwindet aus dem Graben, dafür herrscht jetzt auch in der Kasinostrasse Gegenverkehr. Die Parkhausausfahrt wird zwingend dosiert, in der Gegenrichtung sind Busspur und Velostreifen kombiniert. B ist die beste Variante punkto Erschliessungsqualität wegen der direkten Linienführung (abgesehen von der Distanz zum Kunsthaus). Infrastrukturkosten 2 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 400 000 Franken.

Variante C1

Ab Bahnhof gehts via Feerstrasse und Laurenzenvorstadt Richtung Graben und dann via Ziegelrain Richtung Schachen (mit Optionen durch dortige Quartierstrassen). Zum Bahnhof fährt der Bus durch die Metzgergasse. Der Holzmarkt würde zum Knotenpunkt, der Graben würde aber sehr stark belastet: mit 66 Kursen pro Stunde. Infrastrukturkosten 2,7 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 1 Mio. Franken - die teuerste Variante.

Variante C2

Damit sich die Belastung des Grabens in Grenzen hält (Variante C1), verkehren die Kurse Richtung Schönenwerd und Zelgli wie gehabt durch die Bahnhofstrasse. Es verbleiben allerdings immer noch 54 Fahrten pro Stunde. So oder so muss die Haltestelle Holzmarkt mit mindestens 38 Meter langen Perrons ausgestattet werden, denen Bäume zum Opfer fallen. Infrastrukturkosten 2,7 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 1 Mio. Franken.

Variante D

Kombiniert die Varianten A und C. Ab Bahnhof fährt man allerdings nicht via «Laurenzi», sondern via Bahnhofstrasse, Vordere Vorstadt, Ziegelrain und Schachen (wie C). Der Graben bleibt also busfrei. Zum Bahnhof gehts durch Metzgergasse und Kasinostrasse (wie A1). Infrastrukturkosten 1,9 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 1 Mio. Franken. Neue, einseitige Haltestellen Vordere Vorstadt, Schlossplatz und Flösserplatz.

Variante E

Der Bus verschwindet nur bei dieser Variante ganz aus der Altstadt. Ab Bahnhof gehts nach der Kasinostrasse statt in die Laurenzentorgasse auf den Schlossplatz und durch den Schlösslirain runter zur Mühlemattstrasse. Die Strecke wird zwar verkürzt, die Kurven ums «Schlössli» sind jedoch eng, das Tempo entsprechend tief, ebenso der Fahrkomfort. Infrastrukturkosten 1,5 Mio. Franken, Betriebsmehrkosten jährlich maximal 600 000 Franken.

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