Wynental- und Suhrentalbahn
Bus statt Regionalbahn: Im Aargau würden Millionen verschleudert

Die Einführung eines Busbetriebs zwischen Aarau und Menziken wäre das Aus für die Wynental- und Suhrentalbahn. Die Umstellung widerspricht aber auch jeder Realität. Die Bahnstrecke wurde in den letzten 10 Jahren für 200 Millionen ausgebaut.

Toni Widmer
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2003: Einfahrt des ersten WSB-Zuges über das Eigentrassee in den neuen Bahnhof Menziken.

2003: Einfahrt des ersten WSB-Zuges über das Eigentrassee in den neuen Bahnhof Menziken.

Der Abschnitt Aarau–Menziken der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) soll zu jenen Bahnstrecken gehören, die der Bund mangels Rentabilität stilllegen und auf Busbetrieb umstellen will (az von gestern). Diese Verlautbarung des Bundesamtes für Verkehr erstaunt.

Nicht zuletzt deshalb, weil auf dieser Bahnstrecke allein in den vergangenen 10 Jahren gegen 200 Mio. Franken in die Infrastruktur investiert worden sind. An diesen Investitionen hat sich der Bund beteiligt. So gab es für die Eigentrassierung Aarau–Buchs–Suhr Geld aus dem Konjunkturprogramm, welches der Bundesrat 2008 lanciert hat.

135 Mio. für Eigentrassierung

Diese Eigentrassierung ist erst seit zwei Jahren in Betrieb und hat über 100 Mio. Franken gekostet. Rund 35 Mio. Franken investiert wurden zuvor in die Eigentrassierung Reinach– Menziken. Sie ist 2003 dem Betrieb übergeben worden. Investiert hat die WSB im gleichen Zeitraum auch in ihr Rollmaterial. Beschafft wurden gebrauchte Zugskompositionen von der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) sowie neue Steuerwagen von Stadler Rail für den Gesamtbetrag von rund 35 Mio. Franken.

Bahnhofausbau vor Abschluss

Kurz vor dem Abschluss stehen Sanierung und Ausbau des WSB-Bahnhofes in Aarau. Wegen der stark gestiegenen Personenfrequenzen musste dort die Kapazität der Personenanlagen massiv erhöht werden. Dafür wurden unter anderem ein neuer, längerer Perron, neue Sicherungsanlagen sowie eine neue Zugangsrampe gebaut. Daneben wurden die Gleisanlagen den Erfordernissen des Viertelstundentakts angepasst. Dieses Projekt ist mit Baukosten von 13 Mio. Franken veranschlagt.

Weitere Projekte sind in Planung und werden demnächst im Aargauer Grossen Rat diskutiert. Zum einen geht es um die Eigentrassierung Unterkulm Nord, welche von der Talschaft seit Jahren vehement gefordert wird. Zum anderen um die Realisierung eines neuen Bahnhofs im Gebiet Eien in Reinach. Die ersten Kostenschätzungen für diese beiden Vorhaben liegen bei rund 16 Mio. Franken.

Frequenzen stark gestiegen

Die Investitionen in die Infrastruktur kamen nicht von ungefähr. Die Bevölkerung im Wynental hat sich nicht nur in den Zentren Menziken und Reinach, sondern auch in den Agglomerationsgemeinden in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Die Pendlerströme von und nach der Kantonshauptstadt sind entsprechend massiv gewachsen. Wurden auf der Linie der Wynental- und Suhrentalbahn um die Jahrtausendwende noch rund 4 Mio. Passagiere gezählt, waren es 11 Jahre später bereits 5,77 Mio. Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer. Das entspricht einer Verkehrszunahme von annähernd 45 Prozent.

Busbetrieb wohl kaum machbar

Dank der ausgebauten Infrastruktur vermag die WSB die gestiegenen Pendlerströme heute auch in den Spitzenzeiten gut zu bewältigen, auch die wichtigen Anschlüsse für die Pendler sind praktisch zu 100 Prozent gewährleistet.

Die Unterführung am Bahnhof in Aarau musste ausgebaut werden, weil sich die Leute dort in den Hauptverkehrszeiten gegenseitig fast auf die Füsse gestanden sind. Jetzt erwägt das Bundesamt für Verkehr, diese Menschenmassen per Bus zu transportieren. Dazu müssten in den Spitzenzeiten wohl mehrere grosse Gelenkbusse gleichzeitig verkehren. Und das auf der Hauptachse ins Wynental.

Diese ist schon jetzt permanent überlastet, an den neuralgischen Stellen sind Verkehrsstaus alltäglich. Für Mathias Grünenfelder, Direktor von AAR bus+bahn, ist eine solche Umstellung denn auch ziemlich illusorisch: «Um annähernd die gleiche Qualität zu gewährleisten wie heute die Bahn, müssten die Busse auf eigenen Trassees fahren können», erklärte er am Montag gegenüber der az. Ob ein Bus-System unter Anrechnung der speziellen Infrastruktur dann wirklich rentabler wäre als das heutige, effiziente Meterspursystem, lässt er dabei offen .