Aarau
Bürgerinitiative will Wohnbauten in der «Alten Badi» verhindern

Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Umzonung des IBA-Areals. Dort befand sich einst das Aarauer Flussbad. Zurzeit werden Projektstudien für das Gebiet vorbereitet. Bis Ende April läuft die Vernehmlassung zum Raumentwicklungsleitbild.

Hubert Keller
Merken
Drucken
Teilen
Die Bewohner der Erlinsbacherstrasse geben so schnell nicht auf. Nachdem sie sich gegen den Abbruch der Häuser gewehrt hatten, opponieren sie nun auch gegen weitere zusätzliche Wohnnutzungen.

Die Bewohner der Erlinsbacherstrasse geben so schnell nicht auf. Nachdem sie sich gegen den Abbruch der Häuser gewehrt hatten, opponieren sie nun auch gegen weitere zusätzliche Wohnnutzungen.

az

Gegen die Umzonung des IBA-Areals zwischen Erlinsbacherstrasse und Aare bis zur Gemeindegrenze zu Erlinsbach regt sich Widerstand. Gegen 40 Personen haben sich am Mittwochabend im Restaurant Weinberg getroffen und die Gründung einer Bürgerinitiative «Alte Badi» beschlossen. «Alte Badi» heisst das Gebiet, weil sich hier früher das Flussbad befand.

Die Ausgangslage: Bis zum 28. April läuft die Vernehmlassung zum Raumentwicklungs-Leitbild (REL), das die Strategie für die räumliche Entwicklung in den nächsten zwei Jahrzehnten festlegt und die Basis bildet für die anstehende Revision der allgemeinden Nutzungsplanung.

Das Leitbild sieht für das Gebiet Erlinsbacherstrasse vom Kraftwerk bis zur Stadtgrenze eine Wohnnutzung vor. Die heute in der Zone für öffentliche Bauten liegende unüberbaute Wiese soll der Wohnzone W3 zugeführt werden. Gleichzeitig soll gemäss REL «der Erholungsbereich entlang der Aare aufgewertet» werden. Gegenwärtig werden für das Gebiet Projektstudien vorbereitet.

Die Bewohner der Erlinsbacher-strasse haben bereits gegen den Abbruch der Wohnhäuser im vorderen Bereich des Areals den Aufstand geprobt. Wenn die IBAarau das Kraftwerk erneuert, braucht sie für die Bauinstallationen Platz.

Sie beabsichtigt darüber hinaus, das Areal besser zu nutzen und das Wohnen bis zur Stadtgrenze auszudehnen. Diese Pläne waren bereits strittig, als das REL am 14. Januar der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Damals sagte Stadtbaumeister Felix Fuchs, dass die Wohnsituation an der Erlinsbacher-strasse «nur beschränkt zukunftsfähig» sei. «Das Potenzial ist nicht ausgeschöpft.»

Widersprüche im Leitbild

Die Bürgerinitiative «Alte Badi» hat ein umfangreiches Argumentarium zusammengestellt. Die Umzonung zur Wohnzone W3 widerspreche dem mit dem REL definierten Grundsatz, dass die Ufer weiter entwickelt werden sollen. «Der Uferbereich wird auf einen Gehweg reduziert», sagte Harriet Keller an der Veranstaltung, die vom Aarauer Anwalt Urs Hochstrasser geleitet wurde. Hochstrasser ist Rechtsberater der Bewohner und engagiert sich selber gegen die Umzonung.

Wenn das Entwicklungsleitbild «Quartiere der Ruhe» verlange und «Identitätsverlust» verhindern solle, so sei dies im Fall der Erlinsbacherstrasse «reiner Zynismus». Das IBA-Areal sei weder dicht genutzt noch gut erschlossen. Vor wenigen Jahren sei es noch Landwirtschaftland gewesen und bis heute freies Feld, also widerspreche die Wohnnutzung dem Leitsatz, wonach nur dicht genutzte und erschlossene Gebiete umgenutzt werden sollen.

Wie die anderen Naherholungsgebiete, die Auen und die Aareufer, müsse das Areal von einer Überbauung verschont bleiben, argumentieren die Bewohner. «Warum soll die Aare-Auenlandschaft entlang der Erlinsbacherstrasse Richtung Süden vom Schutz, den andere wertvolle Freiräume geniessen, ausgenommen werden?», fragen sie sich.

Zu einer konkreten Antwort war man im Rathaus während der laufenden Vernehmlassung nicht bereit. Stadtbaumeister Felix Fuchs: «Die Stellungnahmen zum Raumentwicklungs-Leitbild werden wir, sobald sie gesamthaft vorliegen, auswerten und prüfen.»

Öffentliche und private Interessen

Ob sich Widersprüche zu einzelnen Grundsätzen und Leitbildvorstellungen ergeben, wolle man aufgrund der schriftlichen Stellungnahmen sorgfältig analysieren, sagt Fuchs. Er weist darauf hin, dass objektive und subjektive Sichtweisen auseinanderzuhalten seien.

Dies könne nur aufgrund der schriftlichen Eingaben erfolgen. «Weil das Gebiet Erlinsbacherstrasse in engem Zusammenhang mit der Kraftwerkerneuerung steht, sind die Fragen und Einwände besonders sorgfältig vor dem Hintergrund von öffentlichen und privaten Interessen zu prüfen.»

Wie Urs Hochstrasser erklärte, will die Bürgerinitiative «Alte Badi» mit diversen Aktivitäten die nötige Stosskraft gegen die Umzonung aufbauen. Man will Einwohnerräte für die Sache gewinnen und Naturschutzorganisationen einbinden.