Buchs
«Burestube» bald unter neuer Leitung: Der Abschied von der Wirtsstube tut weh

Doris Kasper wirtete über 40 Jahre mit Herzblut in der «Burestube». Morgen lädt sie zur Austrinkete. Mit ihr verlieren die Gäste nicht nur eine Wirtin, sondern jemanden, dem sie all ihre «Sörgeli» anvertrauen konnten.

Barbara Vogt
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Je mehr Leute es in der Gaststube hatte, desto glücklicher war Wirtin Doris Kasper. An kalten Tagen feuerte sie den alten Kachelofen an. Emanuel Freudiger

Je mehr Leute es in der Gaststube hatte, desto glücklicher war Wirtin Doris Kasper. An kalten Tagen feuerte sie den alten Kachelofen an. Emanuel Freudiger

Der Gast, der Wirtin Doris Kasper in der «Burestube» überrascht, ist heute ein Mann. Vor vielen Jahren, als er noch ein Bub war, ging er zu Doris Kasper ins Muki-Turnen. Jetzt sagt er zur Wirtin: «Nun hast Du wieder Zeit, das Muki-Turnen zu leiten. Mein Sohn ist auch dabei.»

Als hätte sich dieser Kreis geschlossen, nimmt Doris Kasper heute Abschied von ihrem Gasthaus. Es fällt ihr schwer, die Tränen stehen ihr zuvorderst. 45 Jahre lang hat sie im Betrieb gearbeitet, Gäste – vom Bauarbeiter bis Direktor – in der Gaststube willkommen geheissen.

«Waren die Gäste glücklich, war ich es auch», sagt die 62-jährige Wirtin. Sie hätte sich kein anderes Leben vorstellen können. Oft sagten die Gäste, sie habe vor lauter Arbeit kein richtiges Leben. «Was ist das richtige Leben?», fragte Doris Kasper dann. «Das Wirten ist mir nie verleidet.»

Als Mädchen in der Wirtsstube

Doris Kasper wuchs in der «Burestube» auf, ihre Grossmutter übernahm den Gasthof 1923, ein schwarz-weisses Bild der beherzten Frau hängt heute noch in der Gaststube. Die Grossmutter gab die «Burestube» an ihre Schwiegertochter weiter, und diese wiederum an ihre Tochter. «Das Wirten liegt mir im Blut», sagt Doris Kasper.

Als Mädchen verbrachte sie ihre Zeit auch gerne auf dem Bauernhof, bei den Pferden, Kühen und Schweinen. Damals hatte die Familie noch keinen Traktor, und sie spannte die Pferde vor den Pflug. Das Gemüse, das sie auf dem Feld erntete, brachte Doris Kasper gleich in die Küche der Wirtsstube.

Später sattelte sie die Pferde und nahm an Sportprüfungen teil. Das Reiten lag ihr ebenfalls im Blut, denn ihr Vater war Dragoner. Das Militär war in der «Burestube» sowieso hoch angesehen: Die alten Stühle in der Gaststube zeigen Gesichter des Generalstabs, der im Ersten Weltkrieg kämpfte.

Während des Zweiten Weltkriegs gingen in der Wirtsstube Soldaten ein und aus. Die Grossmutter brachte ihr bei, stets gut zu ihnen zu schauen. Heute sind diese Soldaten alt, doch den Weg in die «Burestube» finden sie trotzdem noch. «Viele ihrer Geschichten nehme ich mit», so die Wirtin.

In der rund 100 Jahre alten Gaststube herrscht Betrieb an diesem Morgen. Zwar ist der Kachelofen mitten im Raum noch nicht eingefeuert, doch verströmt dieser auch so Gemütlichkeit. Am Stammtisch sitzen vier Senioren aus Buchs. «Mit Doris geht ein Stück Buchs verloren», sagt ein Mann traurig. «Sie war Wirtin und Mutter zugleich. Ihr vertrauten wir alle unsere Sörgeli an.»

Die Gastfreundlichkeit von Doris Kasper war weitherum bekannt. Auch ihre Küche: Im Säli verwöhnte sie ihre Gäste mit gutbürgerlicher Küche, und im Ross-Stall – just zum Millennium als Partyraum hergerichtet – stieg manches Fest. Vereine benutzen die «Burestube» als Vereinslokal.

FC Aarau ging ein und aus

Der wohl prominenteste Verein war der FC Aarau: Spieler und Trainer trafen sich vor dem Match und assen Spaghetti. Versagten sie beim anschliessenden Match, so schoben die Fans die Schuld witzelnd den schlechten Spaghetti zu.

Nie vergassen die Spieler, Doris Kasper beim Gehen und Kommen die Hand zu schütteln. Natürlich ist die Wirtin ein grosser FC-Fan und hat viele Spiele besucht. Nach dem Match musste sie stets in ihre Gaststube zurückeilen. In Zukunft kann Doris Kasper nach einem Fussballspiel des FC Aarau ruhig sitzen bleiben.

Heute Abend – nach der Austrinkete – schliesst sie die Türe zur Wirtschaft. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für sie und ihre Familie. Ob es ruhiger wird? Die Wirtin lacht, wenn auch bloss mit einem Auge: «Ich werde mit vielen Gästen weiterhin Kontakt pflegen. Mit dem anderen Auge sagt sie weinend: «Das Leben in der Gaststube wird mir unglaublich fehlen.»

Das Buchser Restaurant bleibt jedoch im Familienbesitz: Doris Kasper hat den Betrieb an die Firma Bader Gastronomie & Consulting aus Zug verpachtet. Unter der Leitung von Susanne Rosenberg feiert die Wirtschaft zur Burestube am Donnerstag, 2. Oktober, Wiedereröffnung.