Es sind gute Nachrichten für die Steuerzahler im Kanton und besonders in der Stadt Aarau: Der Bundesrat hat beschlossen, aus dem Agglomerationsprogramm («AareLand», 3. Generation) doch noch einen Zustupf an den Ersatzneubau der Kettenbrücke, den Pont Neuf zu bezahlen. Vorausgesetzt, das Parlament sagt dazu auch noch Ja. Das Projekt Pont Neuf kostet insgesamt 33 Mio. Franken. Diese werden vom Kanton und von der Stadt Aarau (30 Prozent, rund 9.9 Mio. Franken) übernommen. Die Aggloprogramm-Beiträge gibt es für Massnahmen zur Aufwertung der Fuss- und Veloverkehrswege, für die beim Pont Neuf etwa 10 Millionen Franken verbaut werden sollen.

Einsprachen brachten Positives

Noch bei der Bewerbung um Gelder für die 2. Generation gab es für den Pont Neuf eine Absage. Dann verzögerten jedoch Einsprachen das Projekt derart, dass Zeit blieb, eine Bewerbung für Gelder der 3. Generation einzureichen.

Im Januar 2018 dann der Dämpfer aus Bern: Der Bundesrat hatte in einer ersten Runde entschieden, dass der Pont Neuf kein Geld bekommen solle. «Der Bundesrat ist offenbar erneut zum Schluss gekommen, dass die beim Pont Neuf vorgesehenen Massnahmen zur Aufwertung des Langsamverkehrs eine zu wenig deutliche Verbesserung bringen», sagte damals der zuständige Projektleiter Brückenbau beim Kanton, Roberto Scappaticci, gegenüber der AZ. Er betonte aber gleichzeitig, man habe alles eingeplant, was möglich gewesen sei – und man werde von der Möglichkeit zur Stellungnahme Gebrauch machen, um darzulegen, wieso der Pont Neuf die Gelder aus dem Agglofonds verdient habe.

Das ist offenbar gelungen: Der Bundesrat hat nun doch 3,26 Mio. Franken gesprochen. Diese verringern den Kostenanteil der Stadt Aarau um knapp eine Million Franken.

Muss der Baubeginn warten?

Roberto Scappaticci bezeichnet den Entscheid angesichts der bisher vergeblichen Versuche, Aggloprogramm-Beiträge für den Pont Neuf zu erhalten, als «Überraschung» und «sehr positiv». Aber: «Was das auf der zeitlichen Ebene heisst, wird derzeit noch abgeklärt.» Geplant gewesen war nämlich, dass im zweiten Quartal 2019 die Hilfsbrücke erstellt wird (eine provisorische Brücke ein paar Meter flussabwärts der Kettenbrücke, auf der der Verkehr während der Bauzeit rollen wird). Im dritten Quartal hätte der Abbau der alten Brücke beginnen sollen, damit Ende 2019 der eigentliche Pont Neuf-Neubau in Angriff genommen werden könnte. Das Problem: Die Agglobeiträge werden nur ausbezahlt, wenn der Baubeginn nach dem Bundesbeschluss zu den Agglomerationsprogrammen und nach abgeschlossener Leistungsvereinbarung zwischen Bund und Kanton liegt – voraussichtlich Anfang 2020.

Heisst das, der ganze Pont-Neuf-Bau verzögert sich? Scappaticci kann dazu noch nichts Konkretes sagen. Die Abklärungen laufen. «Das Departenemt Bau, Verkehr und Umwelt wird sich aber auch hier dafür einsetzen, dass mit dem Bau so rasch als möglich begonnen werden kann.» Ursprünglich hatte man 2017 mit dem Bau beginnen wollen.

Eniwa unterbohrt Aare

Schon weit fortgeschritten sind dafür die Bauarbeiten der Eniwa im gleichen Perimeter. Denn anders als bei der heutigen Kettenbrücke werden beim Pont Neuf keine Werkleitungen in die Brückenkonstruktion integriert. Die Eniwa ist deshalb daran, mittels Spülbohrverfahrens Leitungen unter der Aare hindurch zu verlegen. Die Erdgas- und Trinkwasserleitungen sind bereits geschafft. «Als nächster Schritt folgen nun die Strom- und Telekommunikationsleitungen», so die Eniwa. «Diese müssen umverlegt werden, da sie in den Bauperimeter der neuen Brücke fallen.»