Wahlkampf 2019

Bundesrätin mit einer Schwäche für Gummibärchen: Karin Keller-Sutter beehrte Buchs

Der Aargauer Nationalrat Thierry Burkart hat Karin Keller-Sutter nach Buchs eingeladen. Sie ist gekommen – auch weil sie eine halbe Aargauerin ist.

Bundesrätinnen und Bundesräte sollten sich im Vorfeld von nationalen Wahlen und Abstimmungen zurückhalten. So will es die «Aide Mémoire», das Rechte- und Pflichtenheft der Bundesräte. Trotzdem hat Karin Keller-Sutter gestern Abend ihre Arbeit in Bern liegen gelassen und ist nach Buchs gekommen.

Sie hat die Einladung von FDP-Nationalrat und Ständeratskandidat Thierry Burkart angenommen, der ein grosser Fan «seiner» Bundesrätin ist. Bereits als die Freisinnigen ihn als Kandidaten nominierten, berief sich Burkart auf den Wahlspruch der damals noch nicht gewählten Keller-Sutter: «Freiheit vor Gleichheit, Privat vor Staat, Verdienen vor Verteilen.»

Vor dem Buchser Gemeindesaal wurden Hände geschüttelt und Erinnerungsfotos geknipst. Auch Burkarts Mutter Beatrice war zugegen, schüttelte die Hand der Bundesrätin und bekam vom Sohn drei Küsschen, bevor drinnen Jürgen Sahli, ehemaliger Chefredaktor von Radio Argovia, die Gesprächsrunde eröffnete.

Auf seine Frage, unter welchem Titel Keller-Sutter mitten im Wahlkampf an einem Anlass eines Kandidaten auftrete, erzählte die Bundesrätin von ihren familiären Wurzeln im Aargau. Ihre Vorfahren mütterlicherseits waren 1855 aus Unterlunkhofen in den Kanton St. Gallen geflüchtet. Ja, geflüchtet. Sie waren Katholiken.

Und als es 1847 im Sonderbund zur Enteignung der Jesuitenklöster kam, entschieden sie, wegzuziehen. Sie sei sozusagen eine halbe Aargauerin, so Keller-Sutter, und deshalb habe sie Burkarts Einladung angenommen. Dieser versicherte ihr sogleich, dass man ihr Asyl geben werde, wenn sie in den Aargau zurückflüchten wolle.

Kocht die Aargauerin, wird Keller-Sutter gewählt

Ihre Wurzeln sind nicht die einzige Verbindung der Bundesrätin in den Kanton Aargau. Keller-Sutter erzählte noch eine andere Anekdote, die möglicherweise sogar der Grund dafür ist, dass sie heute Bundesrätin ist. Es gebe da nämlich eine Aargauerin. Sie wohnt in Wil SG und koche jeweils am Tag vor den Wahlen. «Und immer, wenn sie gekocht hat, bin ich gewählt worden», sagt Keller-Sutter.

Nur einmal habe die Aargauerin in Wil nicht gekocht. Das war am 21. September 2010. Und prompt wurde Keller-Sutter am nächsten Tag nicht in den Bundesrat gewählt. Am Tag vor den Bundesratswahlen letztes Jahr sei sie deshalb von Bern nach Hause gefahren, um zu essen. Wer am nächsten Tag gewählt wurde, muss nicht erzählt werden. Burkart auf jeden Fall wurde hellhörig und wollte wissen, was die ominöse Aargauerin denn am 19. Oktober mache. «Ich hätte dann Hunger.»

Apropos Hunger. Offenbar surfen Karin Keller-Sutter und Thierry Burkart nicht nur politisch auf einer Wellenlänge – sie haben auch beide eine ausgeprägte Schwäche für Gummibärchen. «Mindestens bei mir würde ich es als Sucht bezeichnen», konkretisierte die Bundesrätin. Umso mehr dürfte sie sich über das süsse Präsent ihres Aargauer Kollegen gefreut haben.

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