MAG
Bummel über Markt Aarauer Gewerbetreibender: Heuer gibts sogar Absinth

Ein kalorienreicher Bummel über den Markt Aarauer Gewerbetreibender (MAG).

Hermann Rauber
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Doris Sager bereitet die «original Militär-Käseschnitten» zu.
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Auch die Gemeinnützigen Frauen Aarau (den Verein gibt es seit 1888) haben einen Stand – die Gewinne werden gespendet.
Ein Bummel über den MAG Aarau 2017
Einer fehlte: Pizza Urs Am Graben suchte man vergeblich nach «Pizza Urs». Er, eine der traditionsreichsten Figuren des MAG, dessen Pizzen aus dem grossen Steinofen jeder kannte, war nicht da. Und er wird nicht mehr kommen. Urs Wyss aus Erlinsbach ist am Mittwoch im Alter von 62 Jahren verstorben. «Nach kurzer, schwerer Krankheit», wie seine Familie in der Todesanzeige schreibt.

Doris Sager bereitet die «original Militär-Käseschnitten» zu.

Chris Iseli

Der MAG, diese drei Buchstaben verzaubern den Herbst in der Aargauer Kantonshauptstadt jedes Jahr von Neuem. Alte Aarauer benützen gar liebevoll die weibliche Form, also «die MAG». Und vergessen dabei bewusst oder unbewusst, dass die Abkürzung ursprünglich in voller Länge «Markt Aarauer Gewerbetreibender» hiess.

«Kauft, was hier zur Schau gestellt, schaut nicht ängstlich auf das Geld, den Gewerbestand zu schützen, heisst dem ganzen Land zu nützen», reimten die Gründer 1937 den Sinn dieses Anlasses, der sich auch 2017 als rüstiger Senior präsentiert und nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Kundenkontakt statt Digitalisierung

Keine Selbstverständlichkeit, denn die 80 Jahre alte MAG-Geschichte ist nicht frei von Krisen und Kämpfen. Seit zehn Jahren aber steht der Markt dank einem Komitee aus dem Gewerbe mit Rainer Zulauf an der Spitze wieder auf festem Grund, zudem verbesserte man die organisatorische Professionalität mit dem Zuzug von Suzanne Galliker, der Messeleiterin der AMA.

Wehrte sich der lokale Handel vor Jahrzehnten mit dem MAG noch ausdrücklich gegen die spriessenden Grossverteiler, so will man heute vor allem der geschäftlichen Digitalisierung mit dem wachsenden Internethandel entgegentreten und sucht wie weiland den direkten Kontakt zur Kundschaft.

Nörgler behaupten zwar, am MAG sei jedes Jahr «alles wie gehabt», was natürlich nicht stimmt. So hat sich der Rayon der Aussteller geografisch ausgedehnt, nicht nur in die Region, sondern vereinzelt auch schweizweit. Mit dem Effekt, dass heuer wegen der Gewerbeausstellungen in Schöftland und Buchs drei gewichtige Firmen am MAG fehlen, nämlich die Brunner Holzbau GmbH und aus der gleichen Branche auch Hauri sowie die Maurer Farben AG aus dem nahen Buchs.

Stattdessen präsentiert sich im Foyer des Stadtmuseums ein historisches Handwerk, nämlich die Seilerei, die am MAG ihre Schweizer Meisterschaft durchführt und spannende Einblicke gibt. Und auf dem Holzmarkt kann man Kontakte knüpfen mit der «Ville de Neuchâtel», seit zwei Jahrzehnten Aarauer Partnerstadt. Beim MAG-Gast darf man dosiert auch den berüchtigten Absinthe aus dem Val-de-Travers degustieren.

Schluss mit Suppe und Spatz

Womit wir beim kulinarischen Teil angelangt wären. Nach dem Rückzug der Feuerwehr, die aus internen Gründen ihre Feldküche im Depot liess, ist Schluss mit «Suppe und Spatz» am MAG. In die Bresche sprangen die Offiziersgesellschaft Aarau (die 2018 stolze 150 Jahre alt wird) und die Reitsektion Arizona, die «original Militär-Käseschnitten» und zum Dessert Crèmeschnitten von der Confiserie Brändli servieren.

Mit einer neuen, offenen Anordnung in der Markthalle, dem Epizentrum des Beizenbetriebs, ergibt sich rund um die Musikbühne eine Art Arena, eine gelungene Verbesserung. Zudem verzichtet man auf laute Töne während der Hauptessenszeiten und trägt damit der letztjährigen Kritik Rechnung.

Der MAG will laut Präsident Rainer Zulauf «Tradition und Fortschritt verbinden», was die IBAarau AG perfekt umgesetzt hat. Neben dem längst historischen «Köcherlistand» für die Kinder heisst das Motto im modernen Teil «Strampeln für den Strom», wo man überflüssige Kilos wieder loswird. Oder man kann es mit einer Spruchtafel im Stand «Zauberhaft» von Marianne Bolliger halten, die empfiehlt, «Schokolade nur im Dunkeln zu essen, damit Dich die Kalorien nicht finden».

Süsses gibt es auch in Leutwilers Bäckerei zur Kettenbrücke beim Fischlibrunnen zu finden, nämlich die köstlichen Berliner oder Schenkeli. Ob man dann im Messezelt auf dem Schlossplatz Wellnessferien im Parkhotel Waldlust in Häusern im Südschwarzwald bucht, ist eine Frage des Budgets.

Und an der Schränzer-Bar in der Markthalle erhält man auf Wunsch einen Drink namens «Ficken», ein «trendig-süsses Partyschnäpschen aus Deutschland», wie die junge Dame hinter der Theke sachlich erklärt. Hoffentlich führt dies nicht zu weiteren empörten Internet-Petitionen. Affaire à suivre.