Aufräumarbeit
Buchser Reinigungsfirma räumt Tatorte auf

Die Reinigungsfirma Brighina aus Buchs reinigt Wohnungen nach Todesfällen. So werden wenigstens die sichtbaren traurigen Erinnerungen beseitigt. Nicht immer eine leichte Aufgabe, die von den Tatort-Reinigern die nötige Diskretion verlangt.

Daniel Vizentini
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Francesco Brighina sorgt mit seiner Reinigunsarbeit dafür, dass Tatorte wieder sicher begehbar werden.

Francesco Brighina sorgt mit seiner Reinigunsarbeit dafür, dass Tatorte wieder sicher begehbar werden.

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Es geschieht zum Glück nicht jeden Tag, dass Francesco Brighina für eine Tatort-Reinigung ausrücken muss. Alle paar Wochen wird er aber schon mit einem solchen Fall konfrontiert. Meistens ruft ein Bestattungsinstitut bei seiner Reinigungsfirma in Buchs an, manchmal aber auch ein Angehöriger eines Opfers.

«Ich muss mich immer auch psychisch vorbereiten auf das, was auf mich zukommt», sagt Francesco Brighina. Angehörige sind oft verzweifelt, wissen nicht, was sie tun sollen. Vielfach brauchen sie auch jemanden, mit dem sie reden können. «Wir hören den Angehörigen natürlich zu, beruhigen sie, sagen ihnen, dass wir den Ort wieder in Ordnung bringen», sagt er.

Brighina begann vor 30 Jahren, bei einer Reinigungsfirma zu arbeiten. 1988 machte er sich selbstständig, sein Betrieb ist seitdem stets gewachsen. Heute beschäftigt er in Buchs 21 Mitarbeiter. Mit der Zeit bekam er zunehmend Aufträge für die Reinigung von Tatorten, Leichenfundorten oder Messi-Wohnungen. Oft sind es Orte, in denen Leute Selbstmord begangen haben. «Ich baue mein Geschäft nicht auf Tatort-Reinigung auf. Weil ich aber sah, dass einige Leute einen solchen Service brauchen, spezialisierte ich mich darauf», erzählt er.

So diskret wie möglich

Für Tatort-Reinigungen rückt Chef Francesco Brighina stets selber aus, und zwar so diskret wie möglich, wie er erzählt. Die Firmenaufschrift auf seinem Lieferwagen ist eigens dafür nicht aufgemalt, sondern als magnetische Tafel angebracht, die er bei heiklen Aufträgen abnehmen kann. Zu Tatort-Reinigungen fährt Brighina so in einem neutralen, weissen Wagen. Kein Nachbar Verdacht schöpfen.

Brighina kleidet sich für solche spezielle Reinigungen von Kopf bis Fuss ein: Oben eine Maske mit Sauerstofffilter und Schutzbrille, dann ein weisser Ganzkörperanzug, der nach getaner Arbeit weggeworfen wird, Stiefel und an den Händen Wegwerfhandschuhe. Von denen setzt er sich jeweils mehrere auf einmal auf. Jedes Mal, wenn er sich etwas aus dem Lieferwagen holen muss, wirft er davor einen Handschuh weg.

Schlimmer Verwesungsgeruch

Wenn Brighina an einem Tatort ankommt, sind allfällige Leichen bereits weggeräumt. «Nur einmal haben wir einen halb verwesten Schädel gefunden hinter einem Sofa. Der ging wohl vergessen», erzählt er. Schlimm für ihn sei jeweils der Verwesungsgeruch. «Da kommt es mir immer wieder ‹obsi›.» Ist die Geruchsquelle erst einmal beseitigt, wird der üble Geruch mit einem Gerät neutralisiert. Dann kann Brighina mit der eigentlichen Putzarbeit beginnen.

Nasse Stellen lässt Brighina mit Katzensand aufsaugen. Danach wird alles im Raum in schwarzen Plastiksäcke in die Kehrichtverbrennungsanlage gebracht. Der Raum wird desinfiziert. «Es kann Stunden dauern, bis alles sauber ist und der Raum wieder betreten werden kann.»

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