Buchs
Von Menschen und Vögeln: «Ohne Weibchen macht der Nestbau keinen Sinn»

Eine witzige Komödie feiert am Donnerstag, 1. September, in der Alten Turnhalle in Buchs Premiere.

Peter Weingartner
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Die Nachbarin (Eveline Gerber) besucht den Vogelkundler und Rotschwanzhaubenschnäbler-Beoachter (Toni Niedermann) auf dessen Apfelbaum.

Die Nachbarin (Eveline Gerber) besucht den Vogelkundler und Rotschwanzhaubenschnäbler-Beoachter (Toni Niedermann) auf dessen Apfelbaum.

Peter Weingartner

Was haben Menschen und andere Vögel gemeinsam? Zwei Beine? Das auch. Zwei Geschlechter? Sowieso. Und ein damit verbundenes Nistverhalten. «Nistverhalten» heisst denn auch die Komödie, die der Theatervirus Buchs als Schweizer Erstaufführung auf die Bühne der Alten Turnhalle Buchs bringt.

Was für ein Puff herrscht auf dieser Bühne! Da stehen Türme von Umzugskartons herum, eine Werkzeugkiste, Stühle diverser Machart, dito Geschirr. Und als Nest, Pardon, Schlafgelegenheit dienen Decken und Kissen auf dem Boden. Patricia (Sonja Vogel) und Marc (Renato Stocker) haben sich Hals über Kopf verliebt. Ineinander und in ein bruchbudiges Bauernhaus. Balken drohen zu brechen; Stromverbindungen wackeln in den Wänden, kurz: Patricias Vater (Bernhard Pfeuti) ist so wenig amused wie Marcs Mutter (Claudia von Felten).

Derweil beobachtet Herr Peters (Toni Niedermann), ein Hobbyornithologe mit Feldstecher, vom Apfelbaum aus das Nistverhalten eines Rotschwanzhaubenschnäblers, einer bedrohten Vogelart, wie Frau Widmer (Sonja Möri) von Pro Specie Rara bestätigt. Und da sind noch Patricias Freundin Susanne (Katja Stocker) und Phil (Thomas Fricker), Marcs Kumpel, die bei den Renovationsarbeiten Hand anlegen. Damit ist das Spiel angerichtet: Das Schicksal kann seiner Willkür walten, und ein Unglück kommt selten solo, zumal die Nachbarin (Eveline Graber) erzählt, in diesem Haus habe sich einer zu Tode gesoffen und zudem ein unangenehmes Bauvorhaben in der Nachbarschaft droht. Und Marcs Boss (Dani Frey) verkauft keine alten Bauernhäuser, sondern stellt Fertighäuser in die Landschaft.

Spielen, nicht einfach aufsagen

Erstmals führt David Imhoof in Buchs Regie. «Lauter», sagt er während eines Durchlaufs. Doch er ist zufrieden mit den Spielenden: «Sehr solid.» Er möchte freilich mehr und ermuntert: «Manchmal seid ihr zu brav; es darf spritziger sein, mehr sprudeln, leben.» Dass sie im Tempo zugelegt haben, gefällt ihm; ebenso die «gute Körperlichkeit». Spielen, nicht aufsagen. David Imhoof: «Lasst es fliegen!» Womit wir wieder bei den Vögeln wären, bei der Parallelhandlung: Das Weibchen ist abgehauen! Und «ohne Weibchen macht der Nestbau keinen Sinn».

Eine reizvolle Spielanlage: Menschen sind nicht die besseren Vögel. Beide haben die gleichen Probleme; die Vögel vielleicht weniger das klischierte Schwiegermuttersyndrom, wenn der Bub sich mit einer anderen Frau zusammentut, dafür Feinde zuhauf. Mit dem Menschen an der Spitze, wie der Ornithologe sagt. Die Sprache klopft zuweilen zart an der Gürtellinie an, und zusammen mit komischen Situationen auf der Bühne, etwa, wenn Marc den wilden Eber gibt, sorgen die Buchser Theaterleute mit ihren komödiantischen Talenten, zehn Jahre nach Vereinsgründung, für beste Unterhaltung. Es sind kurze Szenen, die von jazzig-bluesigen Klängen oder passenden Geräuschen verbunden werden. So soll es sein: Schlag auf Schlag mit hoher Pointendichte.

Premiere ist am 1. September. Es gibt insgesamt sechs Aufführungen, die jeweils um 20 Uhr beginnen. Vorverkauf: online unter www.theatervirus-buchs.ch, per E-Mail an theatervirus.buchs@bluewin.ch oder bei Computer Repair in Buchs. An einer der Vorführungen wird auch der Autor des Stücks, Gunnar Geck aus Wolfenbüttel in Deutschland, erwartet. Ins Schweizerdeutsche übertragen hat das Stück übrigens die Schwiegermutter im Stück, Claudia von Felten.