Buchs
Ammann Urs Affolter (FDP): «Ich bin offen für regionale Zusammenarbeit, solange sie Selbstbestimmung zulässt»

Acht Männer wollen (wieder) in den Buchser Gemeinderat. Die AZ stellt sie anhand eines standardisierten Fragebogens vor. Heute: Urs Affolter (FDP).

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Urs Affolter ist amtierender Gemeindeammann – und will dies bleiben.

Urs Affolter ist amtierender Gemeindeammann – und will dies bleiben.

Fabio Baranzini

Was stört Sie an Buchs?

Urs Affolter: Ich fühle mich sehr wohl in Buchs, wir verfügen über rund 5800 Arbeitsplätze und sind ein lebenswerter Wohnort mit attraktiven Angeboten für Jung und Alt. Ich schätze die gute Mobilitätsanbindung, die Stadtnähe, den Erholungsraum der Suhre und die nahen Wälder. Städtebauliches Entwicklungspotenzial haben wir besonders im Bereich der Aarauer- und Mitteldorfstrasse. Eine Herausforderung ist auch der aktuell enge finanzielle Spielraum, der unsere Gestaltungsmöglichkeiten leider einschränkt.

Wie lange halten Sie es ohne Handy aus?

Als Gemeindeammann bin ich eigentlich immer erreichbar. Bei sportlichen Aktivitäten schalte ich das Handy aber aus und in den Ferien, besonders in den finnischen Wäldern, halte ich es sehr gut auch längere Zeit ohne Telefon aus. Das E-Mail checke ich aber auch dann täglich.

Er kam einst als Bauverwalter

Der seit 2014 amtierende Gemeindeammann Urs Affolter (64) ist mit Tuija verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und drei Enkel. Er ist Architekt und Raumplaner und war in dieser Funktion hauptsächlich in öffentlichen Verwaltungen tätig, unter anderem als Bauverwalter von Buchs (deshalb wohnt er hier) und dann als Stadtbaumeister seiner Heimatstadt Langenthal sowie in Rheinfelden. 

Warum sind Sie Politiker geworden?

Mein Interesse an der Politik wurde bereits in meiner Jugendzeit geweckt, als ich als Sympathisant einer Partei die Welt verändern wollte. Mittlerweile habe ich gelernt, dass es nur mit Mehrheiten vorwärtsgeht. Das aktive Mitgestalten unserer Umwelt zusammen mit andern finde ich nach wie vor spannend. Es macht meist auch Spass und auf der kommunalen Ebene lässt sich etwas bewegen.

Warum ist Andreas Glarner ein guter Politiker?

Auch wenn man seine Werte nicht teilt, versteht er es seine Positionen pointiert zu vertreten.

Wofür werden zu viele Steuergelder ausgegeben?

Einen wesentlichen Teil unseres Steuersubstrates investieren wir aktuell im wichtigen Bildungsbereich. Wir gehen sehr haushälterisch mit unsern Finanzen um und setzten unsere Mittel entsprechend den anstehenden Aufgaben ein. (Zu) Viel Steuergeld fliesst aus meiner Sicht in nicht beeinflussbare übergeordnete, sogenannte ‹gebundene Ausgaben› (z.B. Pflegefinanzierung, Restkosten Sonderschulen und Heime etc.), welche die Gemeinden immer mehr belasten.

Wenn Sie einfach so könnten: Wofür würden Sie 10 Millionen Steuer-Franken ausgeben?

Da hätte ich verschiedene Ideen, aber ein attraktiver öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität ist für eine lebenswerte Gemeinde besonders wichtig. Das ist mir ein grosses Anliegen, dafür wäre, beziehungsweise bin ich auch bereit, zu investieren.

Trauern Sie dem Zukunftsraum nach?

Die Buchserinnen und Buchser haben diese Frage anlässlich der Volksabstimmung vom 10. Februar 2019 klar beantwortet. Der Gemeinderat hat dies immer respektiert. Dem Konstrukt des nicht mehrheitsfähigen, gescheiterten Zukunftsraumes traure ich nicht nach. Ich bin jedoch offen für jede regionale Zusammenarbeit in unserem funktionalen Raum, solange sie auch eine Selbstbestimmung zulässt.

Soll Buchs vermehrt sparen oder den hohen Steuerfuss längerfristig akzeptieren?

Ich setzte mich für einen tiefen Steuerfuss ein. Er muss jedoch zulassen, dass die Gemeinde ihre Aufgaben erwartungsgemäss erfüllen kann. Ausserdem gilt es festzuhalten, dass unser aktueller Steuerfuss dem regionalen Durchschnitt entspricht, objektiver gesehen also nicht hoch ist. Verglichen mit der begüterten Hauptstadt und den Jurasüdfuss-Gemeinden ist er es allerdings.

Warum könnten Sie sich vorstellen, in «Little Istanbul» (Aarauerstrasse) zu wohnen?

Ich habe keine Motivation, unsern langjährigen Familienwohnsitz zu verlegen. Hingegen ist die Aufwertung der Aarauerstrasse, wie bereits erwähnt, ein wichtiges Anliegen. Unsere neue Bau- und Nutzungsordnung lässt unter anderem höhere Nutzungen zu. Sie wird in den nächsten Wochen öffentlich aufgelegt. Ich hoffe sehr, dass sie nach ihrer Rechtskraft einen Erneuerungsschub für die teilweise nicht mehr aktuelle Bausubstanz auslöst.

Was finden Sie attraktiv an sich?

Die Gelegenheit zur Platzierung des persönlichen Werbespots! Ich verzichte darauf und überlasse diese Beurteilung gerne andern, die das besser können.

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