Aarau
Brutaler Schläger kommt wegen dünner Beweislage mit blauem Auge davon

Vor dem Bezirksgericht Aarau musste sich am Dienstag ein 29-jähriger Mann verantworten. Er hatte vor fünf Jahren in Oberentfelden brutal zugeschlagen. Er hat Glück und muss wegen ungenügender Beweislage nicht ins Gefängnis.

Toni Widmer
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Der Tatort: Restaurant Engel in Oberentfelden.

Der Tatort: Restaurant Engel in Oberentfelden.

az

Einen brutalen Schläger würde man hinter dem nicht eben gross gewachsenen, hageren Typ eher nicht vermuten. Und dennoch: ein Raufhandel da, eine Schlägerei dort – das Vorstrafenregister ist happig.

Der schlimmste Vorfall, in den der heute 29-jährige Angeklagte verwickelt war, passierte vor fünf Jahren in Oberentfelden. Nach einem Streit in der Älpli-Bar kam dort ein damals 46-jähriger Mann ums Leben.

Der Schläger wurde umgehend verhaftet, war aber schon am anderen Tag wieder frei. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass nicht sein Fusstritt an den Kopf des am Boden liegenden Opfers den Ausschlag für dessen Tod gegeben hatte, sondern das kranke Herz des 46-Jährigen.

So kam es im November 2010 «nur» zu einer Anklage wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Das Bezirksgericht Aarau vernahm alle Zeugen, setzte dann aber das Verfahren vorderhand aus und bestellte ein ergänzendes Gutachten. Das hatte es in sich. Es sei nicht ausgeschlossen, kam das Institut für Rechtsmedizin in Zürich zum Schluss, dass zwischen der Schlägerei und dem Tode des Opfers halt doch ein ursächlicher Zusammenhang bestehe.

Gestützt darauf wurde die Anklage ausgeweitet. In der neuen Verhandlung musste das Bezirksgericht Aarau unter dem Vorsitz von Thomas Müller jetzt zwischen drei möglichen Tatbeständen entscheiden: eventualvorsätzliche Tötung, fahrlässige Tötung oder versuchte schwere Körperverletzung.

Die Strafanträge der Staatsanwaltschaft variierten dabei von 5 1/2 Jahren und 4 Jahren Zuchthaus bis zu 15 Monaten Gefängnis unbedingt.

Der Verteidiger plädierte auf eine bedingte Strafe. Er wolle das Verschulden seines Mandanten nicht herunterspielen. Es sei «unschön» und «nicht in Ordnung», ein am Boden liegendes Opfer mit Füssen zu treten. Aber laut beiden Gutachten sei ein kausaler Zusammenhang zwischen dem brutalen Fusstritt und dem eingetretenen Tod des Opfers ausgeschlossen. Und auch ein Zusammenhang zwischen der vorangegangenen Schlägerei und dem Herzversagen alles andere als bewiesen. Ebenso hätten, zitierte der Verteidiger aus dem zweiten Gutachten, die aus den Reanimationsbemühungen der Sanitäter resultierenden Rippenbrüche zum Tod führen können. Oder allenfalls das schwache Herz, die Schlägerei und die Reanimation in schicksalsschwerer Kombination.

Das Gericht konnte der Argumentation des Verteidigers einstimmig folgen. Es erachtete eine Kausalität zwischen den Schlägen und dem Tod des Opfers als nicht erwiesen an und sprach den Angeklagten vom Vorwurf der eventualvorsätzlichen oder fahrlässigen Tötung frei. Es verurteilte ihn wegen versuchter schwerer Körperverletzung und hob das beantragte Strafmass auf 2 Jahre Gefängnis an. Dank guter Prognose kommt der Schläger jedoch mit einem «Bedingten» dennoch günstig davon.

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