Aarau

Brutaler Raub nach Toiletten-Sex: Eritreer wird des Landes verwiesen

Der junge Mann hatte sein Opfer in Aarau niedergeschlagen und lebensbedrohlich verletzt.

Ein heute 22-jähriger Eritreer musste sich kürzlich vor dem Obergericht verantworten, weil er einen Senior ausgeraubt hatte. Unbestritten war, dass es zwischen den beiden eines Abends im Sommer 2018 zu einem sexuellen Kontakt auf der Toilette im Bahnhof Aarau gekommen war, wobei sich das Opfer mit einer Hand selber befriedigte und mit der anderen den Beschuldigten in dessen Genitalbereich anfasste.

Die Männer hatten sich erst wenige Minuten vorher kennen gelernt. Der Beschuldigte sagt, das Opfer habe ihm für diese sexuelle Dienstleistung vorgängig 100 Franken versprochen, nach getaner Arbeit dann aber nur 50 bezahlt und gesagt «Chumm, das stimmt so», bevor er zu seinem Auto ging, das an der Hinteren Bahnhofstrasse parkiert war.

Der Beschuldigte folgte ihm und sprach ihn dort erneut auf die fehlenden 50 Franken an, worauf das Opfer gesagt haben soll, das genüge ja wohl für die «Leistung» des Beschuldigten. Laut Anklage verärgerte dies den Beschuldigten so sehr, dass er mit seinem Arm und seiner Faust gegen den Kopf seines Freiers schlug. «Durch die extreme Wucht des Schlages» habe dieser das Bewusstsein verloren, sei ungebremst zu Boden gestürzt und mit der linken Seite seines Kopfes auf den Betonboden aufgeschlagen. «Bewusst­los sowie röchelnd» blieb er dort liegen.

Der Beschuldigte – der später aussagen würde, er habe geglaubt, das Opfer schlafe nur – drehte dieses vom Bauch auf den Rücken, nahm ihm etwa 150 Franken Bargeld aus der Hosentasche, dazu Bankkarten und Bahnbilletts. Danach durchsuchte er das Auto und stahl aus dem Handschuhfach drei Sonnenbrillen, bevor er sich vom Tatort entfernte. Das Opfer war lebensbedrohlich verletzt und überlebte nur mit Glück, es leidet immer noch unter den Folgen des Angriffs.

Der Täter war bereits mehrfach vorbestraft, darunter wegen Raub, Diebstahl sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte. Das Bezirksgericht Aarau verurteilte ihn bezüglich des Bahnhof-Vorfalls unter anderem wegen qualifizierten Raubes zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einer Busse von 500 Franken. Ausserdem soll er für acht Jahre des Landes verwiesen werden und dem Opfer eine Genugtuung von 30'000 Franken zahlen.

Der Beschuldigte akzeptierte das nicht – vor dem Obergericht verlangte sein Anwalt, der Beschuldigte sei bloss des Diebstahls schuldig zu sprechen und entsprechend nur zur Busse zu verurteilen. Es sei «nie die Absicht gewesen», das Opfer «nach Strich und Faden auszurauben und zu bestehlen». Es sei dem Beschuldigten nachträglich bewusst geworden, auf welche Handlungen er sich eingelassen habe – er habe sich geschämt und sei «durch die höhnische Bemerkung, wonach er ohnehin zu früh gekommen sei und seine Arbeit schlecht geleistet habe», wütend geworden und habe zugeschlagen; mit dem Schlag habe er das Opfer aber nicht verletzen wollen, um es auszurauben. Er habe die Wucht nicht abschätzen können, weil es dunkel gewesen sei und er unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden habe.

Das Obergericht senkte einzig die Genugtuung für das Opfer auf 6'000 Franken. Ansonsten bestätigte es das Urteil des Bezirksgerichts. Mit dem Antrag, aufgrund eines Härtefalls sei auf den Landesverweis zu verzichten, drang der Anwalt des Beschuldigten nicht durch. Er war in Eritrea bei der Grossmutter aufgewachsen und mit neun Jahren zum Vater in die Schweiz gekommen, wo er die Realschule absolvierte. Eine Lehre als Maler brach er ab, seither lebt er von der Sozialhilfe. Auch hat er Schulden. Die Tatsache, dass er hier noch einige Verwandte und eine Freundin hat, reichten bei weitem nicht, um einen Härtefall geltend machen und den Landesverweis abwenden zu können.

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