Vor über 15 Jahren hat der Grosse Rat das generelle Projekt einer Suhrer Ostumfahrung bewilligt. Vor rund drei Jahren hat die Abteilung Tiefbau das Ganze reaktiviert. Inzwischen ist klar, dass die ganze Umfahrung nördlich der Autobahn zu liegen kommt, sprich auf Suhrer Boden, dass die neue Strasse östlich der Gränicherstrasse über weite Strecken in einem Tunnel verläuft und dass das ganze Projekt «Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr» (Veras) als Ganzes realisiert werden soll, also Ostumfahrung plus Südumfahrung zusammen.

Um einigermassen verlässliche Zahlen zu nennen, sei es noch zu früh, liessen die Kantonsvertreter an einer Medieninformation am Freitag im Möbel-Pfister-Restaurant in Suhr durchblicken. Interpretiert man die entsprechend vorsichtig gehaltenen Aussagen von gestern bezüglich der Kosten, kann man jedoch davon ausgehen, dass das Projekt rund 150 bis 200 Mio. Franken teuer wird. Es wäre die teuerste je im Kanton Aargau gebaute Ortsumfahrung, allerdings, wie der stellvertretende Kantonsingenieur Matthias Adelsbach unterstrich, auch die längste.

Nach Adelsbachs Worten geht es in den kommenden Monaten darum, die diversen Teile des Puzzles planerisch zusammenzutragen, sodass das Projekt in der zweiten Jahreshälfte 2020 in den Grossen Rat kommen und dieser die nötigen Anpassungen am Richtplan beschliessen kann. Parallel dazu wird das Bauprojekt ausgearbeitet und voraussichtlich 2022 öffentlich aufgelegt. Wenn alles rund läuft, so Adelsbach, könne im Sommer 2024 der Spatenstich erfolgen. Wo dies der Fall sein wird, ist noch offen. Der Zeitplan ist allerdings abhängig von allfälligen Einsprachen. Mit der Fertigstellung des gigantischen Werks wird beim Kanton ungefähr 2030 gerechnet.

Brücke über die Bahnlinie

Ein wichtiges Veras-Teilprojekt ist die Entschärfung des – nach der Hendschiker Barriere – stauträchtigsten Bahnübergangs im Kanton, jenem an der Bernstrasse Ost beim Möbel Pfister. Klar war bis jetzt, dass mit der Ostumfahrung eine Überführung errichtet werden soll, die westlich der Bahngleise (auf Höhe des Pfister-Gebäudes) die Bernstrasse aufnimmt und östlich davon (beim Metallveredelungsbetrieb Suter) an die neue Umfahrungsstrasse anbindet.

Im Rahmen der Vorstudie konnte jedoch, wie gestern zum Ausdruck kam, keine überzeugende Lösung gefunden werden. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) als Bauherrin führte deshalb einen Projektwettbewerb durch.

Acht Büros zeigten Interesse, fünf kamen in die engere Wahl. Diese fünf, darunter das Siegerprojekt «Integral», sind von heute an bis zum 2. März im Pfister-Center in Suhr ausgestellt. Das Preisgericht, das sich aus Vertretern des BVU, der Gemeinde Suhr und Fachpreisrichtern zusammensetzte, traf seinen Entscheid einstimmig. Die Federführung beim Siegerprojekt hatte die Fürst Laffranchi Bauingenieure GmbH in Aarwangen BE.

Der Anschluss der Umfahrungsstrasse und der Ortseinfahrt Suhr findet in einem Kreisel nahe der Wynabrücke statt. Wer von Buchs herkommt, wählt für die Südumfahrung die erste Ausfahrt aus dem Kreisel, wer ins Dorfzentrum will, nimmt die zweite Ausfahrt und fährt über die langgezogene, schlanke, leicht geschwungene Brücke in Richtung McDonald’s-Kreisel weiter. Die Ostumfahrung unterquert die Brücke und folgt südwärts der Bahnlinie.

Alte Wynabrücke entlasten

Damit entstehe eine der längsten Brücken im Aargau, sagte Roberto Scappaticci, Projektleiter für die Brücke und stellvertretender Projektleiter beim Gesamtprojekt Veras. Die Länge wirkt sich auf den Preis aus: «Integral» gehört zu den teureren Wettbewerbsprojekten. Die Kosten dürften bei 15 bis 20 Millionen Franken liegen. Verkehrstechnisch sei sie optimal, sagte Scappaticci.

Bei andern Projekten war etwa der Stauraum eher ein wenig knapp bemessen. Als einziges der fünf Projekte lässt «Integral» die denkmalgeschützte Wynabrücke von 1770 – von Süden her gesehen – links liegen. Diese soll nur noch dem Langsamverkehr dienen. Wenn möglich, soll dieser in Richtung Buhalde-Quartier der Ostumfahrung entlang und ins Dorfzentrum über die Brücke geführt werden.