Zum Beispiel im Fall der SP des Bezirks Aarau. Alle drei Bisherigen treten wieder an. Doch – gemessen am Wahlergebnis von 2012 – ist der Vorsprung von Franziska Graf relativ bescheiden. Sie machte damals mit 3919 nur 151 Stimmen mehr als Gabriela Suter, die jetzt unmittelbar hinter ihr auf der SP-Liste steht.

Die Aarauer Stadträtin Graf wird nicht nur von der Präsidentin der SP-Stadtpartei, sondern auch noch von zwei weiteren SP-Frauen bedrängt: Einwohnerratspräsidentin Lelia Hunziker und «We love Aarau»-Bloggerin Silvia Dell’Aquila.

Speziell ist die Konstellation bei den Grünliberalen: Der erst dieses Jahr in den Rat nachgerutschte Adrian Bircher erhielt vor vier Jahren 1386 Stimmen (82 weniger als die damals gewählte Melinda Bangeter). Es ist sicher kein Zufall, dass hinter dem Kurzzeit-Bisherigen Bircher der langjährige Aarauer Stadtrat Michael Ganz kandidiert. Er dürfte den Grünliberalen vergleichsweise viele Stimmen bringen – und dabei Bircher überholen.

Schibler muss gewaltig zulegen

Sehr aussergewöhnlich ist die Lage bei der SVP des Bezirks Aarau: Mit Wolfgang Schibler (Buchs) befindet sich ein Zugezogner als fünfter Bisheriger auf der Liste. Er steht damit dem ersten Ersatzmann aus dem Jahr 2012 vor der Sonne: Daniel Kopp (Suhr) hätte – ohne Zuwanderer – gute Chancen für die Nachfolge des zurückgetretenen Peter Wehrli (Küttigen) gehabt.

Ob Schibler die gegen 5000 Stimmen schaffen wird, die im Bezirk Aarau für ein SVP-Grossratsmandat nötig sind? Der damalige Gemeindeammann von Bettwil wurde 2012 im Bezirk Muri mit 2433 Stimmen gewählt. Im Bezirk Aarau erhielt Rechtsanwalt Kopp 4394 Stimmen, was aber nur für den ersten Ersatzplatz reichte. Dank dem Heimvorteil könnte er für Schibler gefährlich werden. Dies umso mehr, als im Raum Aarau das Asylthema nicht derart Hochkonjunktur hatte wie in anderen Bezirken.

Verdrängt ein Mann eine Frau?

Im Bezirk Lenzburg ist die Lage vor allem bei der SP brisant. Für Druck sorgt die Kandidatur des Stadtpräsidenten von Lenzburg: Die SP hat Daniel Mosimann auf den dritten Listenplatz gesetzt – unmittelbar hinter die beiden Bisherigen. Trotz der Bekanntheit von Mosimann wäre es eine Überraschung, wenn die Sozialdemokraten einen dritten Sitz schaffen würden.

Verdrängt ein Mann eine Frau? Fest steht: Die erst 2015 in den Grossen Rat nachgerutschte Gabi Lauper Richner (Niederlenz) muss um die Wiederwahl bangen. Sie gilt zwar in der Region als sehr gut vernetzt, hat aber 2012 deutlich weniger Stimmen gemacht als ihre Vorgängerin: Beatrice Beck-Matti erhielt 2685 Stimmen, Gabi Lauper Richner 1842 Stimmen – also über 800 weniger.

Senkrechtstarterin bei der SVP

Im Bezirk Kulm droht dem zweiten bisherigen Freisinnigen, Adrian Meier (Reinach), keine parteiinterne Gefahr (er hatte 2012 einen grossen Vorsprung). Aber er könnte abgewählt werden, weil die FDP den zweiten Sitz nicht mehr schafft. Bei der SVP stellt sich die Frage, ob die Senkrechtstarterin Karin Bertschi (Leimbach) der Partei zu einem vierten Sitz verhilft oder allenfalls einen Bisherigen verdrängt.