Suhr
Breite soziale Durchmischung ist das Ziel

Die Einwohnergemeindeversammlung soll 750000 Franken in die Quartierentwicklung investieren. Der Projektkredit dient der Finanzierung einer bis 2020 dauernden Pilotphase.

Ueli Wild
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Suhr erlebt einen Bauboom. Breite soziale Durchmischung ist das Ziel.

Suhr erlebt einen Bauboom. Breite soziale Durchmischung ist das Ziel.

Ueli Wild

Suhr erlebt einen Bauboom. Wenn alle aktuellen Bauvorhaben realisiert sind, wird die Einwohnerzahl um einen Fünftel gestiegen sein. Was sich die Gemeinde wünscht, ist eine breite soziale Durchmischung. Den Hintergrund dieses Wunsches erläuterte Daniel Rüetschi, der für den Sozialbereich zuständige Gemeinderat, am Info-Forum am Montagabend: Heute gibt es «belastete» Quartiere, solche zum Beispiel mit einem Ausländeranteil von 60 bis 70 Prozent. Die Soziallasten der Gemeinde liegen bei 5 Mio. Franken. Die Sozialhilfequote ist doppelt so hoch wie im kantonalen Mittel.

Der Gemeinderat hat deswegen ein Pilotprojekt Quartierentwicklung in die Wege geleitet. Eine sozialverträgliche Entwicklung lasse sich so zwar nicht garantieren, räumte Rüetschi ein. «Aber wenn wir nichts machen, reduzieren wir den Handlungsspielraum, den wir haben, auf Null.»

50-Prozent-Stelle vorgesehen

Die Pilotphase soll von 2016 bis 2020 dauern. Die Bruttosumme von 750 000 Franken verteilt sich auf diesen Zeitraum und deckt auch eine 50-Prozent-Stelle ab. 2016 soll die Quartierarbeit aufgebaut werden, in den Folgejahren sollen die geeigneten Massnahmen realisiert werden, verbunden mit einer Evaluation. Auf die Frage eines Forum-Teilnehmers nach den Folgekosten im Falle eines Übungsabbruchs 2020 stellte Rüetschi klar: «Es gibt keinen Automatismus.» 2020 gehe es darum, «das Pilotprojekt in die Regelstrukturen zu übernehmen». Sprich: Der entsprechende Posten erscheint jedes Jahr im Budget und muss aufs Neue gutgeheissen werden. Ziel sei es, eine Dynamik anzustossen, die nicht nur Kosten, sondern nach Möglichkeit auch Einnahmen generiere. Das Projekt müsse daher nicht zwingend Auswirkungen auf die Steuern haben.

Was soll konkret gemacht werden? Grob gesagt, geht es darum, ein zusätzliches soziales Netz zu knüpfen, welches mithelfen soll, das Absinken in die Sozialhilfe zu verhindern. «Wir starten nicht bei null», sagte Daniel Rüetschi. Es bestünden schon verschiedene Angebote, die es aber zu vernetzen gelte. Der Gemeinderat denkt beispielsweise an neue Wohnformen, an Beratungsangebote im Bereich Integration, an die Rekrutierung von sogenannten Schlüsselpersonen aus fremden Kulturen, die bei der Integration als Vermittler wirken können. Weiter möchte die Gemeinde beim Einrichten öffentlicher Treffpunkte behilflich sein sowie Quartiervereine aufbauen und fördern.

Zentrum Telli vor Augen

Mit dem Gemeinschaftszentrum Telli in Aarau, liess Daniel Rüetschi durchblicken, habe man ein Vorbild vor Augen. Und man wolle sicher nicht an der Bevölkerung vorbei planen. Deren Beteiligung bei dem Projekt sei unabdingbar. Rüetschi zitierte in diesem Zusammenhang den Oltner Stadtschreiber Markus Dietler: «Ohne engagierte Bevölkerung lässt sich kein Quartier entwickeln.» Dietler hat Erfahrung damit: Olten zählte zu den 16 Städten und Gemeinden, die bei den Projets Urbains des Bundes dabei waren.

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