Aarau
Brauchts für die Verhandlungen mit der Bauherrin HRS die «Stadion AG» noch?

Der Verwaltungsrat der Stadion AG vertritt gegenüber der Bauherrin HRS die Interessen der Stadt Aarau. Doch macht diese Organisation noch Sinn?

Urs Helbling
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Stadion AG
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Visualisierung: Das Aarauer Stadion mit Hochhäusern.
Das HRS-Projekt im Torfeld sieht vier Hochhäuser vor.Bild: zvg
Das Stadion Niedermatten in Wohlen bleibt profifussballfreie Zone.Freshfocus

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Chris Iseli

Es ist zehn Jahre her, seit das Stadion Torfeld so richtig aufgegleist wurde. Ein Blick in die 2007 vom Stadt- an den Einwohnerrat verabschiedeten Berichte zeigt, dass sich seither vieles fundamental verändert hat. Nicht nur die Querfinanzierung über vier Hochhäuser statt über ein Einkaufszentrum. Viele Involvierte, etwa aus Kreisen von «meinstadion.ch» fragen sich, ob die Organisation mit der «Stadion AG» noch Sinn macht.

550 Franken ...

... pro Quadratmeter verlangten die Grundeigentümer für den Hauptteil des Landes, auf dem das Stadion Torfeld zu stehen kommen soll. Das mag als wenig erscheinen, ist es aber laut Experten nicht. Denn es handelt sich um eine Industriebrache. Erst müssen die alten Gebäude abgebrochen werden (das soll ab Mai geschehen). Dann gilt es allfällige Altlasten zu sanieren.

Noch kein Kaufvertrag

Die Ausgangslage: Die Stadt hat 2007 mit der Bauherrin HRS einen Vorvertrag abgeschlossen. Darin wird festgeschrieben, dass die HRS das Stadion (die Schüssel) für 36 Millionen Franken bauen wird. Geplant ist, dass der Vorvertrag in einen Kaufvertrag überführt wird. Diesen Kaufvertrag gibt es bis heute nicht, wie Beat Blattner, Präsident der «Stadion AG», gegenüber der Schweiz am Wochenende sagt. «Wir haben auch keinen Zeithorizont abgemacht, bis wann der Kaufvertrag vorliegen und unterschrieben werden soll.»

Für was ist die «Stadion AG» überhaupt gegründet worden? Gemäss den Dokumenten aus dem Jahr 2007 soll sie primär die künftige Stadioneigentümerin sein. «Die Stadion AG ist für Unterhalts- und Reparaturarbeiten verantwortlich und sichert so die langfristige Werterhaltung», hiess es damals. «Sie erhält dafür eine kostendeckende Abgeltung von der Betriebsgesellschaft.» Die «Stadion AG» ist zurzeit noch zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Aarau. Die Stadt zahlt auch ihre Rechnungen, so etwa die Honorare für den Geschäftsführer (auf Mandatsbasis) oder die Verwaltungs-räte. Die Stadt hat dafür in zwei Schritten je 300'000 Franken zur Verfügung gestellt, letztmals Anfang 2015. Die finanziellen Mittel sind also nicht unendlich.

Verhandlungspartner für die HRS

Dem Verwaltungsrat der «Stadion AG» gehören alt SP-Stadtrat Beat Blattner (Präsident), Nicht-mehr-Stadtrat Lukas Pfisterer (FDP), alt Stadtrat Rudolf Zinniker (FDP), alt Stadtbaumeister Felix Fuchs und Peter Gloor als Vertreter der Platzgenossenschaft Brügglifeld an. Dieses Gremium tritt gegenüber der HRS als Verhandlungspartnerin auf. «Wir vertreten die Interessen der Stadt – natürlich im Kontakt mit dem Stadtrat», erklärt Beat Blattner. «Der Verwaltungsrat der Stadion AG hatte letztes Jahr mehrere Sitzungen mit der HRS. Wir haben etwa mit der Bauherrin verhandelt, was für Möglichkeiten der Querfinanzierung es gibt.»
Aber: Bisher hat immer der Stadtrat die Verträge mit der HRS unterschrieben, so Blattner. «Ich gehe davon aus, das wird dann auch beim Kaufvertrag so sein.» Das, obwohl dann nicht mehr die Stadt, sondern die Stadion AG Vertragspartner sein wird.

Übernimmt die neue Task Force?

Im neuen Stadtrat kümmert sich ein Ausschuss, eine Task Force, um das Stadion. Er besteht aus Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP), Bauvorsteher Hanspeter Thür (Grüne) und Sport-Minister Daniel Siegenthaler (SP). Dieser Ausschuss wird nun rasch die Frage beantworten müssen, ob es nicht sinnvoll wäre, dass er direkt mit der HRS verhandelt – und nicht wie bisher die «Stadion AG», der kein aktiver Stadtrat mehr angehört. Die Haltung des neuen Stadtrates wird für die nächsten Schritte zum Stadion ohnehin sehr wichtig sein. So sagt etwa Beat Blattner zur Frage, wann denn der Kaufvertrag abgeschlossen werde: «Ich nehme an, die HRS will nun zuerst wissen, welche Ansichten der neue Stadtrat in der Stadionfrage hat.»

Der bestehende Vorvertrag mit der HRS ist übrigens mehrfach durch Nachträge verlängert worden. Dabei fiel auch ein Passus heraus, wonach die Bauherrin verpflichtet gewesen wäre, «innert einem Jahr ab Rechtskraft der Baubewilligung mit dem Bau des Stadions zu beginnen» (Botschaft an den Einwohnerrat vom 19. November 2007). Hätte es diese Verpflichtung noch gegen, würde seit Mai 2017 gebaut.

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