Bäckerei Schweizer
Brand in der Aarauer Altstadt – der Enkel des Bäckers konnte Schlimmeres verhindern

Die Aarauer Bäckerei-Familie Schweizer hatte Glück im Unglück. Beim Brand wurde niemand verletzt. Doch wie es jetzt weitergeht, ist offen.

Michael Küng
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Nachts um drei brannte es weiter unten direkt über dem Eingang. Der Rauch stieg durch das Haus bis unters Dach.

Nachts um drei brannte es weiter unten direkt über dem Eingang. Der Rauch stieg durch das Haus bis unters Dach.

Kapo AG

Es ist der Tag nach dem Brand. In der Eingangstür zur Bäckerei Schweizer in der Aarauer Altstadt spricht ein Mitarbeiter des lokalen Energieunternehmens Eniwa mit Bäcker Ruedi Schweizer. «Als wäre Corona nicht schon genug Unglück», sagt er mitfühlsam und verabschiedet sich von Ruedi Schweizer mit den besten Wünschen. Drinnen sitzt Schwester Christina Grätzer-Schweizer in der kleinen Backstube, telefoniert und sortiert Visitenkarten, während sie laut überlegt, welchen Anruf sie als Nächstes erledigen soll.

In der Nacht auf den Sonntag ist im Haus der Bäckerei ein Brand ausgebrochen. Um drei Uhr hat ihn ein Anwohner bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Sie konnte den Brand schnell löschen und schlimmeres verhindern. Alle vier Bewohner, Senior Rudolf Schweizer, Sohn Ruedi und zwei von Ruedis Söhne schafften es unverletzt aus dem Haus.

Seit genau 50 Jahren betreiben sie ihre kleine Bäckerei in der Altstadt. Sie ist so bekannt wie beliebt, niemand ist ein «echter Aarauer», der noch nie bei Schweizers eingekauft hat. Sie sind für ihre Sauerteigbrote nach altem Rezept genau so bekannt wie für das freitägliche Versorgen von Nachtschwärmern mit Speckzöpfen, Laugenbrezeln oder Wurstweggen.

Rudolf Schweizer brauchte kurz Sauerstoff

«Ganz wichtig ist natürlich, dass die Leute wissen, dass es allen gut geht», sagt Christina Grätzer-Schweizer. Sie ist die Tochter von Rudolf und Schwester von Ruedi Schweizer. Dass niemand zu Schaden gekommen ist, ist neben der schnellen Reaktion der Feuerwehr auch der Heldentat des Enkels von Rudolf Schweizer zu verdanken: «Er zog meinen Vater oben im Gebäude aus einem Fenster heraus in Sicherheit», erzählt die Tochter. Vater Rudolf Schweizer wurde ins Spital gebracht, wo er für kurze Zeit Sauerstoff erhalten hat. «Doch auch ihm geht es jetzt gut», ist Christina Grätzer-Schweizer erleichtert.

Brand brach unter den Schlafzimmern aus

Noch unklar ist, wann die Bäckerei wieder öffnen kann, die Brandermittlungen laufen. Ruedi Schweizer, der die Bäckerei von Vater Rudolf übernommen hat, weiss zum Stand der Ermittlungen: «Der Brand ist vermutlich durch Hitzeentwicklung im Kamin entstanden und hat dann in der Küche im ersten Stock Möbel entzündet.»

Im Treppenhaus habe sich dann ein Kamineffekt entwickelt, wodurch der Rauch durch die oberen Stockwerke hochgezogen sei. «Deshalb hat es zuoberst so stark aus dem Fenster geraucht», sagt Ruedi Schweizer.

«Vom ersten Stock aufwärts haben wir nun Rauchschäden, die Wohnung ist fürs Erste unbewohnbar», ergänzt Christina Grätzer-Schweizer. Sie hat schon als Kind in der Bäckerei mitgeholfen und wohnt heute mit ihrer Familie ausserhalb. Sie sei zuversichtlich, dass die Wohnung wieder bezogen werden kann. Nur wann, das ist noch ungewiss.

Die Bäckerei soll sobald wie möglich wieder öffnen

Auch wenn es glimpflich ausgegangen ist, der Sachschaden ist gross. Im Gebäude unbeschadet überstanden haben den Brand der Laden und die anliegende Bäckerei im Erdgeschoss. Geschlossen sind beide trotzdem, denn: «Bevor ich den Backofen wieder anmachen kann, braucht es nun Untersuchungen, die zeigen, ob der Betrieb auch wirklich sicher ist», so Ruedi Schweizer.

Wie lange die Abklärungen dauern werden, ist vorerst noch offen. Nur eines weiss die Familie Schweizer bereits: «Sobald möglich, machen wir wieder auf.»