Aufgegangen ist er im Dezember 2001. Im einst als Kleintheater genutzten Keller-Lokal an der Rathausgasse 18. Zwischenzeitlich gibt es ihn schon im 18. Jahr: den «Boiler», den traditionellsten Club in der Innenstadt. Er ist im letzten August nach einem Umbau wiedereröffnet worden.

Die Fläche des Lokals ist jetzt etwas kleiner, weil eine Fluchttreppe hinauf durch den «Dezibelle»-Laden eingebaut worden ist. Zudem wurde die Technik modernisiert. Der Neustart ist geglückt, wie Club-Inhaber Michael Ganz (47) erklärt.

Im Club haben 100 Personen Platz. Wegen des Kommens und Gehens können in guten Nächten zwischen 23 und 4 Uhr bis zu 200 Gäste begrüsst werden. Sie sind mindestens 18 Jahre alt, zahlen in der Regel 13 Franken Eintritt (inklusive Garderobe). Grundsätzlich sei im «Boiler» jedermann willkommen, das Kernpublikum aber zwischen 18 und 30 Jahre alt, erklärt Ganz. «Wir wenden uns an jüngere Leute, die regelmässig in den Ausgang gehen.»

«Noch nie so viele Clubs»

Natürlich trauert auch Ganz etwas den Zeiten nach, in denen Aarau mit dem «KBA» in der damaligen «Kettenbrücke» einen Grossclub hatte, der auch Nachtschwärmer aus den Städten Basel, Luzern und Zürich anzog. Aber er findet, Aarau sei besser als sein Ruf. «Nach der KBA-Schliessung ist die Stimmung gekippt. Man hat Aarau schlechtergeredet, als es ist», findet Ganz. Dabei gebe es heute ein vielfältiges Angebot. «Wir hatten noch nie so viele Clubs.»
«Generation von braven Jungen»

Das Geschäft habe sich aber verändert. «Es ist nicht mehr ein Selbstläufer, wie es einst war», erklärt Ganz. Im «Boiler» hätten sie die Erfahrung gemacht, dass die Leute verstärkt wegen der Veranstaltung und weniger wegen des Ortes kämen. Man sei nicht mehr so eng mit einem bestimmten Club verbunden.

Das Ausgehverhalten sei generell nicht mehr gleich. Die Leute würden heute früher nach Hause gehen, nach dem Barbesuch nicht mehr in einen Club weiterziehen. «Es kam eine Generation mit braven Jugendlichen», erklärt Ganz. Und: «Wir machen deutlich weniger Pro-Kopf-Umsatz als vor zehn Jahren.» Das hänge sicher auch mit dem Gesundheitsbewusstsein der jungen Generation zusammen.

Was wird denn im «Boiler» so getrunken? Die Klassiker wie Bier (nur Schweizer Marken, nur Flaschen), Wodka, Rum, einfache Mischgetränke. Und was sind die Trendgetränke? Shots.

Externer Sicherheitsdienst

Der «Boiler» ist jeweils in den Nächten auf den Samstag und auf den Sonntag geöffnet. Diese Woche war ausnahmsweise am Donnerstag statt am Freitag Party (Motto: «Honig im Chäller»).
Michael Ganz ist nicht mehr so häufig im Gewölbekeller anzutreffen. «Ich habe mich aus Altersgründen etwas von der Front zurückgezogen.» Der «Boiler» wird von einem Clubmanager (50%-Pensum) geführt. Er ist auch für das Booking zuständig. Zudem arbeiten etwa 15 Personen auf Stundenlohnbasis.

Pro Nacht sind sieben bis acht Personen im Einsatz – inklusive zwei Angestellte eines externen Sicherheitsdienstes. Diese machen Eingangskontrollen und sind dafür besorgt, dass niemand Getränke in die Gasse hinaus nimmt oder dort übermässig Lärm verursacht. Bis zum 13. April habe es während Jahren keinen ernsthaften Zwischenfall mehr gegeben, erklärt Ganz. Vor einer Woche zertrümmerten vier Männer die «Boiler»-Eingangstüre.

Michael Ganz ist ein Ur-Aarauer. Er gehörte während zwölf Jahren für «Pro Aarau» dem Stadtrat an. Seit 2016 ist er Geschäftsleiter von «Sexuelle Gesundheit Aargau», der Nachfolgeorganisation der Aids-Hilfe Aargau und der Beratungsstelle für Familienplanung. Ganz ist seit zwei Jahren Präsident der Spitex Aarau. Er hat auch schon für die Grünliberalen als Grossrat und als Nationalrat kandidiert. Ob er das auch im Herbst tun wird, ist nicht bekannt.