Küttigen

Bohrungen in ehemaliger Kehrichtdeponie lassen Fussballfeld absaufen

Grün, aber uneben: Für die Fussballer kein Problem, für die Deponie-Experten schon. Emanuel Freudiger

Grün, aber uneben: Für die Fussballer kein Problem, für die Deponie-Experten schon. Emanuel Freudiger

Ein Fussballfeld im Ritzer ist abgesperrt – schuld ist die Kehrichtdeponie, welche die Stadt Aarau bis Mitte der 70er-Jahre dort betrieben hat. Durch Bohrungen zur Untersuchung der Deponie wurde auch die Bildung von Methangas begünstigt.

«Dass der Fussballplatz uneben ist, das ist nicht neu», sagt Gemeindeschreiber Robert Rüttimann, seines Zeichens auch Präsident des Fussballclubs Küttigen. An gewissen Stellen habe sich das Feld bis zu einem Meter gesenkt. «Wir haben uns damit abgefunden, wichtige Matchs finden auf dem vor fünf Jahren erstellten neuen Feld nebenan statt.»

Doch jetzt ist der unebene Platz gesperrt. Nicht nur weil die Saison vorbei ist, sondern weil das Fussballfeld über einer alten Kehrichtdeponie liegt, die der Kanton im Kataster der Altlasten mit Sanierungsbedarf führt. Diese Deponie, von der Stadt Aarau bis Mitte der 70er-Jahre betrieben, ist denn auch schuld, dass der Ball hin und wieder zurückrollt.

Der Grund für die Absenkungen sind Bohrungen, mit denen die Standortgemeinde Küttigen den Deponiekörper in den letzten Monaten untersucht hat. Diese Bohrungen führten nämlich dazu, dass sich der mit Wasser gesättigte Deponiekörper teilweise entleerte. Der Wasserspiegel senkte sich ab und dies wiederum verstärkte den Zersetzungsprozess und die Bildung von Methangas.

Und offensichtlich wurde dadurch auch die Absenkung des Terrains beschleunigt. Die kantonalen und kommunalen Behörden zogen auf Anraten der Experten die Notbremse, sperrten das Areal mit rot-weissen Bändern per sofort ab: Zutritt verboten!

Tauschhandel mit Bedingungen

Das Areal im Ritzer erwarb die Gemeinde Küttigen von den Jura Cement Fabriken (JCF) im Jahr 1957 im Rahmen eines Tauschhandels. Interesse hatte auch die Stadt Aarau gezeigt. Sie verzichtete dann aber unter der Bedingung, den ehemaligen Steinbruch als Kehrichtdeponie nutzen zu dürfen.

Die JCF als Eigentümerin war damit einverstanden und knüpfte an den Handel die Bedingung, dass nicht nur Aarau, sondern auch sie selber den Ritzer als Deponie nutzen dürfe. Die Gemeinde Küttigen willigte ein mit der Absicht, nach dem Auffüllen des Steinbruchs hier einen Sportplatz anzulegen.

Ende 1958 wurde ein Dienstbarkeitsvertrag unterschrieben, welcher der Stadt ein «Schutt- und Kehrichtablagerungsrecht» einräumte. Es wurde festgehalten, wie Küttigen die Deponie selber auch benutzen konnte, und detailliert beschrieben, wie das Deponieren zu erfolgen hatte. Im Lauf der Jahre wurde auch den Gemeinden Erlinsbach, Rohr und Gretzenbach ein Deponierecht zugestanden. Die Stadt Olten hingegen wies man ab.

Der zuständige Küttiger Gemeinderat, Tobias Leuthard, geht nicht davon aus, dass problematische Stoffe in die Grube geschüttet worden sind. «Aufgrund der vorliegenden Dokumente nehmen wir an, dass vornehmlich Schutt und Hauskehricht, vor allem aus Aarau und Küttigen, abgelagert wurden. Verschiedene Dokumente würden auch belegen, dass das Stadtbauamt Gesuche von Industriebetrieben ablehnte. Hingegen seien Anfragen des kantonalen Gewässerschutzamtes zur Ablagerung von gewissen Müllarten akzeptiert worden.

«Verantwortungsvoller Betrieb»

Ein Indiz dafür, dass die verantwortlichen Stellen ihre Aufgabe mehrheitlich verantwortungsvoll wahrgenommen hätten, sieht Leuthard in folgendem Umstand: Die Deponie im Ritzer war Anschauungsobjekt für Interessierte aus Gemeinden im Kanton und in der ganzen Schweiz.

Leuthard schränkt aber auch ein: «Die Deponie war teilweise unbetreut und die Abfalllieferungen wurden, wie damals üblich, nicht dokumentiert.» Die Untersuchungen sind zum Grossteil abgeschlossen. Im Januar sei ein Treffen mit den zuständigen Stellen des Kantons geplant, um allfällige Sanierungsmassnahmen und das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Tobias Leuthard nimmt an, dass die Gase, die durch die Zersetzung der abgelagerten Stoffe entstehen, gewisse Sanierungsmassnahmen erforderlich machen. «Eine Räumung der Deponie ist aber sehr unwahrscheinlich und kann zum heutigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden», sagt er. Auch das Grundwasser sei nach heutigen Erkenntnissen nicht gefährdet. «Verunreinigungen wurden bis jetzt keine festgestellt.»

Also können die Kicker den Platz bald wieder in Beschlag nehmen? «Das müssen die weiteren Abklärungen ergeben», sagt Leuthard. Robert Rütimann hofft, dass im Frühling das Feld wieder zur Verfügung steht. «Unebenheiten in diesem einen Spielfeld zum Trotz, es ist insgesamt eine wunderbare Anlage», sagt er.

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