Im Januar sprach im Gönhardquartier ein Mann ein Kindergartenkind an und lud es ein, zu ihm ins Auto zu steigen. Nun geschah es schon wieder: Am Donnerstag sind in der Telli beim Zick-Zack-Weg zwei Drittklässlerinnen von einem Mann angesprochen und aufgefordert worden, mit ihm zu gehen.

Die Mädchen reagierten richtig: Sie rannten weg und erzählten den Vorfall der Lehrerin. Darauf informierte die Schule die Polizei und auch die Schulsozialarbeit wurde beigezogen.

Dies geht aus einem Brief hervor, den der Geschäftsleiter der Schule Aarau, Remi Bürgi, an alle Eltern mit Kindergarten- und Primarschulkindern am Freitag verschickt hat. Die Schule erachte es als ihre Pflicht, die Eltern darauf hinzuweisen, heisst es da.

Der Brief markiert einen Sinneswandel: Der letzte Fall im Januar wurde nur auf der Internetseite der Schule kommuniziert. «Nun haben wir entschieden, dass wir das immer mittels Brief melden», sagt Remi Bürgi.

Denn ein Mann, der heute in der Telli Kinder anspreche, könne morgen im Schachen oder sonst wo auftauchen. Die Schulleitung hat dies beschlossen, nachdem sich Eltern beschwerten, sie hätten die Meldung im Internet nicht gesehen und erst aus dem Zeitungsbericht vom Vorfall erfahren.

Die Eltern wollen informiert sein

Zuvor informierte die Schule auch zurückhaltender im Wissen darum, dass solche Meldungen eine Hysterie schüren und zu falschen Gerüchten führen können. «Ob schüren oder nicht – wir wollen eher einmal zu viel kommunizieren, als zu wenig», sagt Bürgi nun. Die Eltern wollten informiert sein.

Und es gehe vor allem darum, dass die Kinder das richtige Verhalten lernten. «Wie bei einem Ball, der auf die Strasse rollt, und sie wissen müssen, dass man nicht hinterher springen darf, müssen sie auch hier lernen, nie den Aufforderungen von Fremden Folge zu leisten.»

Denn immer beschützen könnten die Eltern ihre Kinder nicht. «Die Kinder nun immer zu begleiten wäre nicht die Lösung», so Bürgi.

Das findet auch ein Vater mit einem Sohn im Kindergartenalter, der im Scheibenschachen wohnt: «Solche Meldungen verunsichern, es ist sehr unangenehm zu wissen, dass solche Männer unterwegs sind. Aber die hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.»

Eine Mutter von zwei 8- und 10-jährigen Mädchen im Schachen sagt, sie werde die Kinder auch in Zukunft nicht begleiten. Dies, obwohl es an ihrem früheren Wohnort Genf üblich gewesen sei. «Hier macht man das nicht und meine Kinder wollen es auch nicht mehr», sagt sie. «Aber ich bin froh, wenn die Lehrerinnen das mit den Kindern zusätzlich besprechen.»

Das befürwortet auch die Mutter eines Kindergärtlers im ersten Jahr, die ihren Sohn durchs Zelgliquartier begleitet – jedoch weil er das noch möchte. Alle drei finden die Informationsstrategie der Schule gut. «Es ist besser, wenn es möglichst viele wissen», findet der Vater aus dem Scheibenschachen, «die Aufmerksamkeit der Bevölkerung kann helfen.»

Mann strich Schülern über Kopf

Die Polizei erfasst alle Meldungen in einer speziellen Datenbank. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau sagt, viele Meldungen stellten sich im Nachhinein als falsch heraus, falls sie überprüft werden könnten.

Der Fall in der Telli töne hingegen echt, denn: «Nach den beiden Mädchen wurde dort am selben Tag noch eine Zweitklässlerin von einem Mann angesprochen», sagt Graser. Der Mann habe gesagt, die Mutter sei beim Arzt und er wolle das Mädchen hinfahren. Beide Signalemente deuten auf einen südländischen Mann hin.

Drei Tage davor, am 10. März, habe zudem ein Mann im Vorbeigehen Schülern, die sich von der Turnhalle in der Telli auf dem Rückweg zur Schule befanden, über den Kopf gestreichelt.

Wer die Typen sind, ob harmlos oder gefährlich, kann die Polizei nicht sagen. «Es gibt solche Männer aus allen Gesellschaftsschichten», sagt Graser und weist darauf hin, dass es im Aargau glücklicherweise praktisch keine echten Fälle von verschleppten Kindern gebe.