Drei Hochhäuser statt ein Einkaufszentrum: Die Stadt Aarau hat am Montag nicht nur eine Informationsoffensive über die neueste Entwicklung in Sachen Fussballstadion Torfeld gestartet. Sie hat auch bereits die notwendige Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) eingeleitet.

Der Kanton, die Abteilung Raumentwicklung im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), hat diese Woche die Unterlagen für die Vorprüfung erhalten. Ein Blitzstart ins Verfahren. Der Stadtrat ist offensichtlich gewillt, für das Stadion einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC-Aarau-Stadion

Wohntürme statt Einkaufszentrum: Plan B fürs neue FC Aarau-Stadion

Das Aarauer Projekt sieht ein Einkaufszentrum und Kino vor. Weil das zu teuer ist, plant die Stadt nun Wohnungen. Es droht eine weitere Abstimmung.

Damit – wie angestrebt – im August 2019 mit dem Bau begonnen werden kann, muss alles extrem schnell gehen. Im BVU mag man sich nicht erinnern, dass ein vergleichbares Projekt in einer derart kurzen Zeit durchgezogen worden ist. Bei der Coop-Verteilzentrale Schafisheim dauerte es zwar auch nur knapp zwei Jahre. Doch sind die Hochhäuser nur beschränkt mit dem Industriebau vergleichbar. Unter anderem, weil in Aarau architektonische Aspekte ein viel grösseres Gewicht haben.

Im Frühling 2018 vor dem Volk?

Der Kanton macht keine Vorgaben darüber, wo Städte und Gemeinden Hochhäuser bauen dürfen. Die Kommunen sind aber eingeladen, regionale Hochhaus-Konzepte zu erstellen. Ein solches wird im Raum Aarau derzeit ausgearbeitet. Die Stadt greift diesem jetzt vor: Im Torfeld Süd plant die Stadion-Bauherrin HRS drei Hochhäuser (75 Meter) mit je 150 Wohnungen.

Ende Mai, wenn der Kanton die Vorprüfung gemacht hat, wird die öffentliche Phase der BNO-Teilrevision beginnen. Die Bevölkerung kann sich am Mitwirkungsverfahren beteiligen oder im Rahmen der öffentlichen Auflage Einsprachen machen.

Letztere muss der Stadtrat behandeln, bevor er das Geschäft durch den Einwohnerrat behandeln lässt (für Dezember geplant). Gegen dessen Entscheid kann das Referendum ergriffen werden. Und abgeblitzte Einwender können nach dem Einwohnerratsbeschluss das Verfahren nacheinander an den Kanton, das Verwaltungsgericht und allenfalls das Bundesgericht weiterziehen.

Stadtrat Lukas Pfisterer über die neuen Stadionpläne

Stadtrat Lukas Pfisterer über die neuen Stadionpläne

 

Haben der Einwohnerrat und allenfalls das Volk die BNO-Teilrevision genehmigt, wird das Geschäft dem Kanton unterbreitet. Dort beginnt ein relativ aufwendiges Konsultationsverfahrnen. Speziell bei Hochhäusern, wo etwa Ortsbild-Fragen geklärt werden müssen. Schliesslich entscheidet der Regierungsrat über die BNO-Revision.

Noch zwei Einsprache-Hürden

Bereits während der BNO-Revision kann die sogenannte Testplanung beginnen. Dabei werden architektonische Fragen geklärt. Die Ergebnisse der Testplanung fliessen dann in das Gestaltungsplan-Verfahren ein. Auch in dieser Phase brauchts wieder eine kantonale Vorprüfung.

Und der Gestaltungsplan muss öffentlich aufgelegt werden (zweite Einsprachemöglichkeit). Der Stadtrat genehmigt anschliessend den Plan (keine Volksabstimmung möglich) und reicht ihn an den Kanton weiter. Dort hat wie beim BNO-Verfahren der Regierungsrat das letzte Wort.

Wenn die zonenplanerischen Voraussetzungen einmal erfüllt sind, können die Investoren das Baugesuchsverfahren einleiten. Bei Hochhäusern ist es wie bei Hühnerställen – auch da sind wieder Einsprachen (dritte Einsprache-Hürde) möglich.

Die HRS will mit dem Bau des Stadions erst beginnen, wenn sie eine rechtsgültige Baubewilligung für die Hochhäuser hat (az vom Dienstag). Das heisst, bis im August 2019 müsste auch diese vorliegen – was je nach Betrachtungsweise ambitioniert oder illusorisch ist.