Buchs
Blasmusikpapst Brogli übernimmt Harmoniemusik Buchs

Kurt Brogli verlässt die Stadtmusik Zürich und übernimmt die Harmoniemusik Buchs.(HMB) Für die Szene in der Region ist dies eine kleine Sensation. Der 62-jährige «Mister Blasmusik» wird schon am 17. April die erste Probe der HMB leiten.

Daniel Willi*
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Brogli steht mit dem Dirigentenstab nicht mehr in Zürich, sondern vor der Harmonie Buchs. Sandra Ardizzone

Brogli steht mit dem Dirigentenstab nicht mehr in Zürich, sondern vor der Harmonie Buchs. Sandra Ardizzone

Es gibt viele Superlative und Höhepunkte, viele Stationen und langjährige Tätigkeiten, die man aufzählen kann, wenn es um den mit höchsten Schweizer Blasmusik-Ehren ausgezeichneten, 62-jährigen Kurt Brogli geht, den ich aus gegebenem Anlass in Aarau traf: Dass der als «Blasmusikpapst» oder «Mister Blasmusik der Schweiz» bekannte Brogli am 17. April seine erste Probe als fest gewählter Dirigent der traditionsreichen Harmoniemusik Buchs (HMB) leitet, ist eine kleine Sensation und kann als Glücksfall für die einschlägige Szene in der Region bezeichnet werden.

Eben erst noch dirigierte er im Luzerner KKL als Gast der «Lucerne Concert Band» und am 27. April gibt er in der Tonhalle Zürich sein Abschiedskonzert mit der Stadtmusik Zürich, die er nun nach fast 30 Jahren Dirigententätigkeit verlässt. Ebenfalls 30 Jahre war Brogli Redaktionsleiter Volksmusik und eine gern gehörte und bekannte Stimme am Schweizer Radio SRF. Und gar nach 36 Jahren tritt er Ende dieses Jahres vom Dirigentenpult der «Swiss Band» – der ehemaligen «Swissair-Musik» – zurück.

Der musikalische Zehnkämpfer

Seine Wurzeln hat Brogli, der seit 32 Jahren in Kölliken lebt und als Führungspersönlichkeit in Zürich, wie er schmunzelnd berichtet, oft für sein AG-Autokennzeichen belächelt wurde, in Aarau selbst, wo er als Schüler, Kadettenmusikant und -spielführer, Seminarist, Lehrer, Trompeterrekrut und Student seine ersten 25 Jahre verbrachte.

Auch die Bezeichnung «musikalischer Zehnkämpfer» trifft auf ihn durchaus zu: So hat er, als er als junger Primarlehrer in Unterentfelden seine spätere Frau, die Buchserin Madeleine Zehnder kennenlernte, nebenbei und gleichzeitig sieben Formationen, die er teilweise selbst gründete, geleitet. Nebst der «Kurt Brogli Combo» (ein grösseres Tanzorchester, wie es sie heute kaum mehr gibt) waren das die «Big Band Aarau», die «Aarauer Turmbläser», der Orchesterverein Entfelden, die «Entfelder Sängerknaben», die «Aargauer Troubadours» und das «Swiss Brass Ensemble».

Weitere Stationen im Leben des Workaholics waren die Stadtmusik Baden und die Feldmusik Luzern (die erwähnte, heutige «Lucerne Concert Band»), bevor er sich in Stadt und Kanton Zürich etablierte.

Mit der Harmoniemusik und dem Dorf Buchs ist Brogli durch seine Ehefrau und durch sein Mittun als junger Trompeter verbunden. Die HMB leitete damals, wie er erzählt, eine weitere Aarauer Legende, Instruktor Adj Uof Walter Spieler. Als Mitspieler wirkten auch sein Vater Walter Brogli (lange Jahre als «Kantonspaukist» bekannt) und der Lenzburger Pepe Lienhard als Oboist.

Seinen ersten Auftritt mit der HMB hat Brogli nun am kommenden Aarauer Maienzug als Spielführer am Umzug und Leiter des anschliessenden Open-Air-Konzertes bei der Kantonalbank. Für den Herbst hat er mit seinem neuen Verein Grosses vor: So bestreitet er anlässlich des grossen Jubiläumsfestes «150 Jahre HMB und TV Buchs» vom 16. bis 18. August eine Rasenshow am Samstag und ein Matinée-Konzert am Sonntag. Im weiteren ist eine CD-Produktion geplant, die pünktlich auf das Jubiläums-Jahreskonzert vom 9. November beim renommierten Schweizer Blasmusik-Label amos erscheinen wird.

Eine ruhigere Lebensphase

Trotz dieser Pläne ist es offensichtlich, dass Brogli beruflich einen Schritt kürzer treten wird. Im verkehrsstrategisch günstig gelegenen Kölliken (im Zentrum des Viereckes Bern-Basel-Zürich-Luzern) wird er weiterhin sesshaft bleiben, auch wenn er seit vier Jahren sich ausschliesslich mit dem öffentlichen Verkehr bewegt.

Seinem seit Anfang Jahr beendeten Engagement beim Radio gewinnt er durchaus positive Seiten ab, nicht ohne zu bemerken, dass die Verhältnisse sich geändert hätten und ein raueres Klima wehe als noch zu Zeiten von DRS-Big-Band-Leiter Hans Moeckel, seinem Vorbild und Vorgänger bei der Stadtmusik Zürich.

Wenngleich die Aargauer Blasmusik-Szene im nationalen Vergleich nicht an der Spitze mitspielt, freut sich Brogli auf seine Arbeit auch mit einem weniger prominenten Verein. Und wer ihn kennt, ahnt, dass er bei seiner Buchser Tätigkeit noch für einige Überraschungen gut sein wird!

*Daniel Willi ist Organist in der katholischen Kirche Aarau und Dirigent des Männerchor Buchs.

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