«Wenn ihr euch unsicher fühlt, könnt ihr das anziehen», sagt Samuel Erzinger von der Pro-Natura-Tochter Creanatira. Auf deutsch und auf englisch. Der Projektleiter zeigt auf die gelbe Schwimmweste. Die acht dunkelhäutigen Männer, acht Eritreer und zwei Somalier, würdigen das gelbe Zeugs keines Blickes.

Nichts wie rüber auf dem schmalen Behelfsbrücklein, hinüber zur Sandbank ennet dem vor ein paar Jahren reaktivierten Nebenarm der Aare. «Einer nach dem andern!», ruft Erzinger. Und schon tänzeln die Afrikaner über die schwankende Konstruktion. Eine Aluminiumleiter bildet die Unterlage, zwei Holzbänke liegen drüber.

Kurz vor dem Eintreffen des Trupps, dem auch zwei Zivildienstleistende angehören, haben der Projektleiter und Thomas Gerber von der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) an beiden Ufern einen Pflock in den Boden gerammt und ein daran befestigtes Sicherungsseil gespannt. «Vom Gefühl her sehr viel besser als ohne Seil», lautet der Befund von Umweltingenieur Erzinger, der noch ungesichert übers Wasser musste, um den Pflock einzuschlagen.

Aus der Asylunterkunft Wohlen

Der rund einwöchige Arbeitseinsatz der zehn Asylsuchenden aus der Unterkunft Wohlen gilt den invasiven Neophyten, die sich auf der Insel zwischen Aare-Hauptlauf und Seitenarm breit machen – Pflanzen, die nicht zum einheimischen Bestand zählen und die hiesigen Gewächse verdrängen. Ein paar Goldruten und auch Springkraut gibt es hier. Vor allem jedoch rückt die Equipe dem Knöterich zu Leibe, der schon die Ausmasse eines über mannshohen Gebüsches angenommen hat.

Für die Eindämmung des Knöterichs am Wasser gibt es gute Gründe. Die Wurzeln des Knöterichs, lässt Samuel Erzinger durchblicken, können Uferverbauungen und Asphalt sprengen. Das Problem im Rohrer Schachen erklärt Thomas Gerber so: Schwemmt das Wasser ein Stück der Sandbank weg, transportiert es den Knöterich flussabwärts und dann fasst er auch auf dem bisher nicht betroffenen Abschnitt bis Rupperswil Fuss.

Das ist auch der Grund, weshalb Projektleiter Erzinger den Afrikanern einschärft: «Bitte keine Blätter ins Wasser!» Eigenhändig fischt er ein paar solche heraus. Erzinger weiss: Ein Blatt, das den Fluss runtergeht, genügt, damit der Knöterich weiter unten wieder ausschlägt. Illusionen macht er sich deshalb keine, auch wenn seine Truppe das Knöterich-Gebüsch in kürzester Zeit flachlegt.

Knöterich reagiert nur auf Gift

Eigentlich hilft gegen den Knöterich nur Gift. Aber Chemie darf in diesem Fall nicht eingesetzt werden, weil der Drei-Meter-Minimalabstand zum Wasser nicht eingehalten würde. «Und der Bund», sagt Thomas Gerber, «gibt den Kantonen die Möglichkeit noch nicht, Ausnahmebewilligungen für gezielte Einsätze gegen den Knöterich im gewässernahen Raum zu erteilen.»

Testreihen in Zusammenarbeit mit Syngenta, so Gerber, hätten aber gezeigt, dass es technisch möglich sei, das Gift so zu spritzen, dass kein Tröpfchen den Weg ins Gewässer findet.

Nur so finanzierbar

Der Einsatz der Afrikaner, die mit 7 Franken pro Tag entlöhnt werden, dient also, was den Knöterich angeht, einzig der Stabilisierung der Situation. Im Verlauf der kommenden Tage werden sie aber auch andere Arbeiten ausführen, die der Verbuschung der Kiesbank entgegenwirken.

Würde das Ganze andern Händen anvertraut, wäre es nicht finanzierbar. Und Handarbeit ist es wirklich: Als Arbeitsgerät kriegen die Männer nur Handschuhe. Alles andere wäre zu gefährlich. «Wir haben es schon mit Sensen probiert», sagt Erzinger, «aber das ging nicht so gut.»

Die Asylsuchenden sind an vier Tagen pro Woche von 8 bis 16 Uhr im Einsatz. Zur Ausrüstung gehört ein Anhänger, der als Garderobe dient und einen Gaskocher beherbergt. Einer der beiden Zivildienstleistenden kauft am Vormittag ein und kocht das Mittagessen. Für die Asylbewerber sei das Arbeitsprogramm des Kantons aus zwei Gründen gut, sagt Samuel Erzinger: «Sie haben feste Tagesstrukturen – und Kontakt zu Leuten, die Deutsch sprechen.»

Im Team, das auch in Lenzburg und Buchs schon zum Einsatz kam, gibt es immer mal wieder Wechsel. Aus verschiedenen Gründen, vom Zeckenstich bis zum zu häufigen Fehlen. Aber im Prinzip, sagt Erzinger, lege man Wert auf Kontinuität.

Anders verhält es sich bei der wackligen Notbrücke: «Die brauchen wir nur am ersten Tag», stellt der Projektleiter klar. «Der Werkhof Aarau wird uns etwas Stabileres zur Verfügung stellen.»