Suhr
Biobauer kandidiert für den Grossen Rat: «Heute wollen die Menschen die Natur nahe am Wohnort spüren»

Der Suhrer Gemeinderat Thomas Baumann, 59, will den zweiten Sitz der Grünen Bezirk Aarau im Grossen Rat zurückerobern.

Daniel Vizentini
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«Für mich ist das kein so emotionales Thema», sagt Thomas Baumann zum Zukunftsraum.

«Für mich ist das kein so emotionales Thema», sagt Thomas Baumann zum Zukunftsraum.

Alex Spichale

Den Suhrern mag es kaum auffallen, Auswärtige hingegen sind beim ersten Anblick überrascht, dass mit der «Galegge» mitten in der urbanen Gemeinde ein Biobauernhof liegt. Begrüsst wird man dort von Hund Chasper, ehe Thomas Baumann, seit 30 Jahren Pächter des Hofs, mit dem Velo vom Gemeindehaus angefahren kommt. Seit sechs Jahren sitzt der 59-jährige Landwirt mit ETH-Abschluss als Vorsteher Bau, Verkehr und Umwelt im Gemeinderat. Jetzt will er für die Grünen auch in den Grossen Rat gewählt werden.

Im Innenhof der «Galegge», zwischen Oldtimer-Traktor und freilaufenden Hühnern, sagt er, wie er als Gemeinderat vor allem bei der Raumplanung immer wieder an Grenzen gestossen sei. Der Spielraum der Gemeinden sei eingeschränkt, für eine qualitätsreiche Gestaltung des Strassen- und Lebensraums würden oft kantonale gesetzliche Grundlagen und Finanzierungsmöglichkeiten fehlen. «Man könnte die Gemeinden besser unterstützen», sagt er. «Ich würde gerne die Erfahrungen aus dem Gemeinderat im Grossen Rat einbringen und mich einsetzen.»

Neue Möglichkeiten für Landwirte

In Suhr habe er hautnah miterlebt, wie es sich vom Dorf zur Kleinstadt gemausert und dadurch die Aufgaben der Landwirte verändert haben. Zu denen gehöre heute das Unterhalten von Grünflächen als Naherholungsgebiete. Vor 30 Jahren sei dies noch ein Skandal gewesen. «Heute aber wollen Menschen nahe am Wohnort die Natur spüren können.»

Für die Landwirtschaft in urbanen Gebieten hätten sich dadurch neue Möglichkeiten ergeben. Und es sei schon fast eine Auszeichnung, wenn man heute von «den grünen Suhrer Bauern» höre. «Hecken oder Blumenwiesen steigern die Attraktivität einer Gemeinde. Das ist ein Kreislauf mit mehreren Synergien.» Die Bauern würden dabei aber nicht etwa zu urbanen Gärtnern degradiert: «Wir wollen eine gute Kombination: Mir ist auch wichtig, dass wir in einer Stadt zeigen, wie Nahrungsmittel entstehen.»

In den letzten Jahren habe Suhr vermehrt auf eine qualitätsreiche Gestaltung der Aussenräume im Dorf geachtet. Als Beispiele nennt er die Bauvorhaben im Henz-Areal oder am Neumattweg Ost, wo die Gemeinde mit Auflagen für mehr Grünflächen sorgte. Davon profitieren das Sozialleben im Dorf wie auch das Gewerbe. «Und die Investoren merken, dass es auch für sie gut ist, wenn es den Menschen dank guten Aussenräumen wohler ist und sie länger dort wohnen wollen.» Als «Grüner» sei er nicht per se gegen Überbauungen, die Qualität und der Mix müssten aber stimmen.

Zukunftsraum: «Suhr bleibt trotzdem Suhr»

Zwischendurch brauche es aber einfach Flächen, die grün bleiben. Dazu gehöre nicht nur der Galegge-Hof mit seinen 38 Hektaren, sondern auch der Siedlungstrenngürtel in Richtung Aarau, den der Gemeinderat «als Grünraum behalten möchte» – mit oder ohne Fusion im Zukunftsraum. Dass Thomas Baumann als Mitglied von Zukunft Suhr für die Grossfusion ist, ist ein offenes Geheimnis. Im Gespräch vertritt er aber ausgewogen den kollegialen Mehrheitsentscheid des Gemeinderats gegen die Fusion mit Aarau und den umliegenden Gemeinden.

«Es gibt Aufgaben, die man gemeinsam lösen muss. In welcher Form, muss der Bürger jetzt entscheiden», sagt er. «Für mich ist das nicht so ein emotionales Thema. Man kann die Probleme auf verschiedene Arten lösen.» Dazu gehören auch Grüne Anliegen: Grössere Städte könnten etwa mit Klimakonzepten Massnahmen personenunabhängig und mit einer längerfristigen Perspektive umsetzen. «Es stimmt aber, dass wir als kleine Einheit in Suhr schneller und stärker eingreifen können ohne konzeptuelle Vorarbeit.» Dies sei aber sehr abhängig von der Person, die gerade in der Gemeinde arbeite. «Beide Systeme greifen, es ist nicht unbedingt eines besser oder schlechter. Ich kann sowohl mit einer Fusion als auch als eigenständige Gemeinde gut weiterarbeiten.»

Kommt die Fusion zu Stande, wolle er sich dafür einsetzen, dass die Stadtteilkommissionen mehr Kompetenzen erhalten, damit sich die Menschen in Suhr weiterhin engagieren können – und auch um einem «Identitätsverlust» entgegenzuwirken. «Suhr bleibt trotzdem Suhr», ist er sich sicher.

Die Grossratskandidaten aus dem Bezirk Aarau:

SVP, Listenplatz 1 – Daniel Wehrli
125 Bilder
SVP, Listenplatz 2 – Clemens Hochreuter
SVP, Listenplatz 3 – Markus Lüthy
SVP, Listenplatz 4 – Daniel Kopp
SVP, Listenplatz 5 – Susanne Heuberger
SVP, Listenplatz 6 – Rolf Wehrli
SVP, Listenplatz 7 – Marco Brivio
SVP, Listenplatz 8 – Sandra Blank
SVP, Listenplatz 9 – Kevin Thomas Friker
SVP, Listenplatz 10 – Samuel Hasler
SVP, Listenplatz 11 – Hans-Ulrich Lüscher
SVP, Listenplatz 12 – Thomas Richner
SVP, Listenplatz 13 – Jérôme Schwyzer
SVP, Listenplatz 14 – Max Suter
SVP, Listenplatz 15 – Urs Winzenried
SVP, Listenplatz 16 – Beat Woodtli
SP, Listenplatz 1 – Jürg Knuchel
SP, Listenplatz 2 – Lelia Hunziker
SP, Listenplatz 3 – Marco Hardmeier
SP, Listenplatz 4 – Silvia Dell'Aquila
SP, Listenplatz 5 – Nico Zobrist
SP, Listenplatz 6 – Eva Schaffner
SP, Listenplatz 7 – Dariyusch Pour Mohsen
SP, Listenplatz 8 – Martha Brem
SP, Listenplatz 9 – Lara Hitz
SP, Listenplatz 10 – Leona Klopfenstein
SP, Listenplatz 11 – Lucia Engeli
SP, Listenplatz 12 – Carlo Lienhard
SP, Listenplatz 13 – Marius Fedeli
SP, Listenplatz 14 – Nora Riss
SP, Listenplatz 15 – Sven Morgenthaler
SP, Listenplatz 16 – Sam Dabis
FDP, Listenplatz 1 – Lukas Pfisterer
FDP, Listenplatz 2 – Suzanne Marclay-Merz
FDP, Listenplatz 3 – Rainer Lüscher
FDP, Listenplatz 4 – Marianne Wehrli
FDP, Listenplatz 5 – Christian Oehler
FDP, Listenplatz 6 – Yannick Berner
FDP, Listenplatz 7 – Markus Bircher
FDP, Listenplatz 8 – Thorsten Dedecke
FDP, Listenplatz 9 – Andreas Fetscher
FDP, Listenplatz 10 – Hanspeter Hilfiker
FDP, Listenplatz 11 – Laura Rufer
FDP, Listenplatz 12 – Claudia Schade-Meier
FDP, Listenplatz 13 – Hans Schibli
FDP, Listenplatz 14 – Stefanie Stirnemann
FDP, Listenplatz 15 – Urs Truttmann
FDP, Listenplatz 16 – Brigitte Vogt
CVP, Listenplatz 1 – Andre Rotzetter
CVP, Listenplatz 2 – Brigitte Schwaller
CVP, Listenplatz 3 – Werner Schib
CVP, Listenplatz 4 – Sara Schibli
CVP, Listenplatz 5 – Lukas Häusermann
CVP, Listenplatz 6 – Christine Knüsel-Bachofer
CVP, Listenplatz 7 – Peter Roschi
CVP, Listenplatz 8 – Mark Taugwalder
CVP, Listenplatz 9 – Regula Haag Wessling
CVP, Listenplatz 10 – Michael Schibli
CVP, Listenplatz 11 – Jett Walther
CVP, Listenplatz 12 – Denise Zeller Xenaki
CVP, Listenplatz 13 – Etienne Huber
CVP, Listenplatz 14 – Elias Fricker
CVP, Listenplatz 15 – Natascha Wertli-Lopez
CVP, Listenplatz 16 – Barbara Totzke
Grüne, Listenplatz 1 – Mirjam Kosch
Grüne, Listenplatz 2 – Thomas Baumann
Grüne, Listenplatz 3 – Jacqueline von Arx
Grüne, Listenplatz 4 – Fabienne Luder
Grüne, Listenplatz 5 – Itamar Piller
Grüne, Listenplatz 6 – Hannah Wey
Grüne, Listenplatz 7 – Martin Winder
Grüne, Listenplatz 8 – Janka Speglitz
Grüne, Listenplatz 9 – Petra Ohnsorg Matter
Grüne, Listenplatz 10 – Hanspeter Brunner
Grüne, Listenplatz 11 – Martina Niggli
Grüne, Listenplatz 12 – Thomas Waldmeier
Grüne, Listenplatz 13 – Christina Reusser
Grüne, Listenplatz 14 – Lukas Hunziker
Grüne, Listenplatz 15 – Jeremias Niggli
Grüne, Listenplatz 16 – Daniel Ballmer
GLP, Listenplatz 1 – Adrian Bircher
GLP, Listenplatz 2 – Fiona Wiedemeier
GLP, Listenplatz 3 – Philippe Kühni
GLP, Listenplatz 4 – Michael Ganz
GLP, Listenplatz 5 – Marion Fischer
GLP, Listenplatz 6 – Simone Jacober
GLP, Listenplatz 7 – Lea Naon
GLP, Listenplatz 8 – Thierry Siegenthaler
GLP, Listenplatz 9 – Reto Bianchi
GLP, Listenplatz 10 – Ignatius Ounde
GLP, Listenplatz 11 – Julia Hauri
GLP, Listenplatz 12 – Susanne Dedecke
GLP, Listenplatz 13 – Andreas Holenstein
GLP, Listenplatz 14 – Thomas Kucsera
GLP, Listenplatz 15 – Monique Trienen
GLP, Listenplatz 16 – Chris Schmid
EVP, Listenplatz 1 – Therese Dietiker
EVP, Listenplatz 2 – Christoph Waldmeier
EVP, Listenplatz 3 – Joel Blunier
EVP, Listenplatz 4 – Irene Bärtschi
EVP, Listenplatz 5 – Johanna Dietiker
EVP, Listenplatz 6 – Judith Fuchs
EVP, Listenplatz 7 – Patricia Ursula Fuhrer
EVP, Listenplatz 8 – Verena Hersberger
EVP, Listenplatz 9 – Petra Meier
EVP, Listenplatz 10 – Boris Eichenberger
EVP, Listenplatz 11 – Jonny Eschmann
EVP, Listenplatz 12 – Daniel Gugger
EVP, Listenplatz 13 – Matthias Keller
EVP, Listenplatz 14 – Cyril Martin Meder-Graf
EVP, Listenplatz 15 – Joël Studer
EVP, Listenplatz 16 – Andreas Wahlen-Brefin
EDU, Listenplatz 1 – Roland Haldimann
EDU, Listenplatz 2 – Simon Füllemann
EDU, Listenplatz 3 – Markus Müller
EDU, Listenplatz 4 – Stefan Widmer
EDU, Listenplatz 5 – Michael Spring
EDU, Listenplatz 6 – Dominik Portmann
EDU, Listenplatz 7 – Stephan Plüss
EDU, Listenplatz 8 – Hans-Peter Lang
LOVB, Listenplatz 1 – Gerry Michel
LOVB, Listenplatz 2 – Adrian Kunz
FFF, Listenplatz 1 – Reto Fischer
PPAG, Listenplatz 1 – Markus Amsler
PPAG, Listenplatz 2 – Stefan Sergi

SVP, Listenplatz 1 – Daniel Wehrli

Zur Verfügung gestellt

Vom Holderbanker zum leidenschaftlichen Suhrer

Aufgewachsen in Holderbank, ging Thomas Baumann in Aarau in die Bez und wohnte während des Studiums in Suhr in einer Wohngemeinschaft. Als damals 29-Jähriger bewarb er sich für die Pacht des Galegge-Hofs – und bekam den Zuschlag. Heute führt er den Hof mit Ziegenkäseproduktion wirtschaftlich erfolgreich. Der inzwischen «leidenschaftliche Suhrer» lebt alleinstehend und ist Vater zweier Töchter.

Auf der Wahlliste der Grünen ist er auf Platz zwei hinter der Aarauerin Mirjam Kosch (lesen Sie hier das Portrait von Mirjam Kosch anlässlich der Nationalratswahlen 2019). Bis zu den letzten Wahlen vor vier Jahren hatten die Grünen im Bezirk noch zwei Sitze. Diesen will er nun zurückerobern, Wahlchancen hat der bekannte Gemeinderat und Projektleiter Naturförderung beim Naturama durchaus. Auch ist das Thema Klimawandel nach wie vor im Trend. Unklar ist nur, wie sich Corona auf das Wählerverhalten auswirken wird. «Es könnte sein, dass Corona in der zunehmend urban werdenden Region den Effekt bringt einer Rückbesinnung darauf, woher man stammt und wie wichtig die Natur ist.» Sein Hofladen sei während des Lockdowns so gut gelaufen wie kaum zuvor.

In den Dörfern mit dem Klimawandel umgehen

«Ich habe das Glück, dass sich meine Arbeiten ergänzen», sagt er. Durch den Kontakt mit den Gästen im Naturama bekomme er Ideen, die er im Hof oder der Politik verwirklichen könne. Mit der Aktion Klimaoase etwa setzt sich das Naturama ein für mehr Bäume in den Gemeinden, um die Hitzetage im Sommer zu mildern. «Wir müssen schauen, wie wir mit der Veränderung des Klimas umgehen, um in den Dörfern eine gute Lebensqualität zu wahren.» Das lokale Gewerbe werde unterstützt, wenn man auch an heissen Tagen im Dorf einkauft.

Thomas Baumann gibt sich aber nicht als monothematischer Grüner: Schulbildung und die frühe Integration von ausländischen Kindern seien Errungenschaften aus Suhr, die er im Kantonsparlament vertreten möchte. «Diese Kinder fühlen sich von Anfang an zugehörig. Wenn sie in den Kindergarten kommen, können sie bereits Deutsch. Das erhöht ihre späteren Bildungschancen.» In den letzten Jahren habe Suhr einen Ruf als fortschrittliche Gemeinde bekommen. «Mit den Erfahrungen als Gemeinderat einer Agglomerationsgemeinde, die schwierige Verhältnisse gemeistert hat, werde ich sicher auch mit den Bürgerlichen im Grossen Rat gute Strategien entwickeln können.»

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