Aarau
Binzenhof-Ausbau: Der Stadtrat nimmt einen zweiten Anlauf

Das ortsbürgerliche Pachtgut Binzenhof in Aarau soll ein Milchproduktions- und Ackerbau-Betrieb bleiben. Das hat der Stadtrat entschieden. Mehr Gewicht erhalten soll die Biodiversität, ausgebaut werden soll der Hofladen.

Hermann Rauber
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Der Binzenhof genügt heutigen betrieblichen und tierschützerischen Anforderungen nur noch bedingt.

Der Binzenhof genügt heutigen betrieblichen und tierschützerischen Anforderungen nur noch bedingt.

Jiri Reiner

Die Aarauer Ortsbürger hatten bereits im November 2011 einen Planungskredit für einen neuen Milchviehstall beschlossen. In einem Wettbewerb schwang die Siegerstudie «Gradatus» obenauf und wurde zu einem Bauprojekt weiterentwickelt. Die gesamten Realisierungskosten erreichten 3,75 Millionen Franken, was alle Beteiligten eindeutig als zu hoch taxierten.

Also begann man, die künftige Bewirtschaftungsform des Bauernbetriebs im Binzenhof grundsätzlich abzuklären, bevor weitere Investitionen ins Auge gefasst wurden. Dies geschah vornehmlich im Schosse einer Projektdelegation und im Rahmen eines Fachgutachtens, führte im vergangenen Januar aber auch zu einer öffentlichen Mitwirkung.

Aufgrund dieser Abklärungen und Meinungsäusserungen hat der Stadtrat nun entschieden, für den Binzenhof die beiden Hauptbetriebszweige Milchproduktion und Ackerbau wie bisher weiterzuführen. Zum Konzept gehört zusätzlich der Ausbau von Massnahmen im Landschaftsraum (Biodiversität, Hochstammobstbäume, farbige Ackerkulturen) und des Hofladens. Schliesslich soll der Binzenhof für die Bevölkerung ein «offener und vielfältiger» Landwirtschaftsbetrieb bleiben.

Pächter sind einverstanden

Besprochen wurden diese Grundsätze mit der Pächterfamilie Susanne und Peter Knörr-Gloor, die sich einverstanden erklärten und ihre Bewerbung für einen neuen Vertrag fristgerecht eingereicht haben. Im Wissen darum, dass für den Binzenhof «längerfristig eine biologische Bewirtschaftung anzustreben ist», eine Umstellung, die allerdings noch etwas Zeit brauche. Der Stadtrat hat im März dieses Jahres sowohl die neuen Richtlinien als auch den Pachtvertrag mit der Familie Knörr gutgeheissen. In einem ersten Schritt gilt es jetzt, einen zweiten Anlauf für die Erstellung eines «tierfreundlichen Milchviehstalls» zu nehmen.

Der Stadtrat beantragt deshalb der Sommer-Gmeind der Aarauer Ortsbürger vom 8. Juni einen Projektierungskredit von 100 000 Franken. Ob das Vorhaben, das wie bisher rund 35 Kühen und Jungvieh Platz bieten soll, mit einem Um- und Anbau oder mit einem Neubau (überarbeitetes Siegerprojekt Gradatus) am besten realisiert werden kann, wird entschieden, wenn konkrete Planungen vorliegen. Stimmen die Ortsbürger zu, so könnte der Entscheid für den Baukredit frühestens in einem Jahr, also im Juni 2016 erfolgen.

Der Stadtrat ist sich bewusst, dass die nötigen Investitionen in den Pachtbetrieb Binzenhof «hoch sein werden». Doch ein Teil der Rendite komme für die Bevölkerung «direkt fühl- und erlebbar zurück». So könne man die Geburt eines Kalbes beobachten, eine artenreiche Wiese erforschen, sich beim Spaziergang im Grünen ausruhen, Kühen und Kälbern auf der Weide zuschauen, Wissenswertes über landwirtschaftliche Kulturen erfahren und daraus die Produkte im Hofladen kaufen.

Für die Öffentlichkeit

Die Erneuerung des Pachtgutes Binzenhof sei, so der Stadtrat, «ein Teil des Engagements der Ortsbürgergemeinde Aarau für die Öffentlichkeit». Dieses erreichte allein im letzten Jahr einen Aufwand von rund 750 000 Franken, die unter anderem in den Wildpark Roggenhausen, in das Forum Schlossplatz, in das Gästeatelier Krone oder in den Druck der Aarauer Neujahrsblätter flossen. Dass sich die Ortsbürgergemeinde Aarau diese Beiträge leisten kann, zeigt ein Blick auf die Rechnung 2014, die mit einem Überschuss von 670 000 Franken (budgetiert waren 233 000 Franken) erfolgreich abschliesst.

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