Vor der Berufsschule warten die sieben Kontrolleure mit klammen Fingern auf den Bus. Auf der Strasse rollt der Morgenverkehr. Die Leute fahren zur Arbeit oder in die Schule, mit dem Auto, dem Velo oder mit dem Bus. Wer Bus fährt, braucht ein Billett. Wer keins hat und im nächsten Bus sitzt, dem wird dieser Morgen eine Lehre sein. Der Bus kommt, blinkt, die Kontrolleure reiben sich noch einmal die kalten Hände. Der Bus bremst, zischend fahren die Türflügel auseinander. Die Kontrolle beginnt. Es ist wenige Minuten nach 7 Uhr.

Kontrolliert werden die Buspassagiere regelmässig. Doch eine Grosskontrolle wie diese, eine sogenannte Schwerpunktkontrolle, hat es noch nie gegeben. Stehen die Berufsschüler unter Generalverdacht? Erwin Rosenast, Mediensprecher der AAR bus+bahn, schüttelt den Kopf. «Das hat mit den Berufsschülern nichts zu tun. Kontrolliert werden alle Passagiere, auch die, die im Bus sitzen bleiben.»

Das Problem: Gewisse Busse, wie beispielsweise die der Linie 2 nach Rohr, sind in den Stosszeiten so proppenvoll, dass eine Kontrolle im Fahrzeug nicht möglich ist. «Da herrscht jeweils kein Durchkommen», sagt Rosenast. Weil man aber zeigen wolle, dass auch auf dieser Strecke kontrolliert werde und Schwarzfahrer nicht ungeschoren davonkommen, habe man nun diese Schwerpunktkontrolle organisiert. Er gehe aber davon aus, dass der Anteil der Schwarzfahrer gering ausfalle, sagt Rosenast. «Die Leute halten sich mehrheitlich an die Spielregeln.»

«Wir haben nichts zu befürchten»

Die Kontrolle geht rasend schnell: Die Leute steigen aus, gegen 30 Personen vielleicht, die Billette, Stempelkarten oder Abos in der Hand. Der Chauffeur hat die Kontrolle kurz vor der Haltestelle angekündigt und die Passagiere gebeten, die Fahrscheine bereit zu halten. Ein Berufsschüler nach dem anderen trottet ungerührt weiter zum Schulhaus, zerrt scheppernd sein Rollköfferli über den gepflästerten Belag. Ein paar stecken sich noch rasch eine Zigarette an und warten auf ihre Kollegen, trinken ihre Energiedrinks leer. Die Aufregung über die Kontrolle hält sich in Grenzen, viel aufregender ist Roger Federers Match, der gerade am anderen Ende der Welt läuft.

«Die Kontrolle ist völlig in Ordnung», sagen drei junge Frauen mit Kaffeebechern in der Hand. Zwar hätten sie eine Kontrolle in diesem Ausmass noch nie erlebt, aber stören tue sie das nicht. «Wir haben ja ein Abo. Wir haben nichts zu befürchten.» Bei drei anderen scheint es aber ein Problem zu geben. Entweder haben sie das Abo vergessen, das falsche oder kein Billett gelöst. Das macht 5 Franken Umtriebsgebühren, 75 oder 100 Franken Busse. Sie müssen ihre Personalien angeben. Einer tritt von einem Fuss auf den anderen, fummelt mit fahrigen Bewegungen an seinem Rucksack. Und plötzlich rennt er los, hetzt wie vom Affen gebissen davon. Ab ins Dunkle, in Richtung der Turnhallen. Die Kontrolleure müssen ihn laufen lassen. Einholen würde ihn wohl keiner mehr.

«Keine Jagd auf Schwarzfahrer»

Insgesamt befördert AAR bus+bahn 14 Millionen Passagiere pro Jahr, knapp 44 000 pro Arbeitstag. Gebüsst werden rund 2,5 Prozent der Fahrgäste. «Wir machen nicht Jagd auf Schwarzfahrer», sagt Mediensprecher Rosenast. «Kontrollen haben nicht zuletzt auch eine kundendienstliche Funktion und geben den Fahrgästen Sicherheit und die Gewissheit, dass sich Schwarzfahren nicht lohnt.»

Ob solche Schwerpunktkontrollen wie die von gestern Morgen regelmässig durchgeführt werden, wird sich zeigen. «Das ist ein Pilotversuch, wir müssen nun unsere Lehren daraus ziehen», sagt Rosenast. Das Fazit nach drei kontrollierten Bussen: Von rund 200 Passagieren mussten neun gebüsst werden, vier hatten ihr Abo vergessen. Übrigens: Der einzige Passagier, der sich lautstark über die Kontrolle beklagt hat, war kein Berufsschüler, sondern ein adrett gekleideter Geschäftsmann im besten Alter.