Aarau
Bildschirme statt Puppen – Wo sind all die Schaufenster hin?

Die klassischen Schaufenster verschwinden hinter Plastik oder werden durch Bildschirme ersetzt. Das leuchtet, bewegt sich, zieht Blicke an – aber es fehlt das Herz. Ein Schaufensterbummel.

Katja Schlegel
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Einst für schöne Fenster berühmt, heute mit Screens. Aufgeräumt? Schlicht? Oder nur trist? Noch vor kurzem waren hier jeweils Kleider ausgestellt. Ein Blickfang, aber auch schnell wieder vergessen.
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Einst für schöne Fenster berühmt, heute mit Screens. Aufgeräumt? Schlicht? Oder nur trist? Noch vor kurzem waren hier jeweils Kleider ausgestellt. Ein Blickfang, aber auch schnell wieder vergessen.
Einst für schöne Fenster berühmt, heute mit Screens. Aufgeräumt? Schlicht? Oder nur trist? Noch vor kurzem waren hier jeweils Kleider ausgestellt. Ein Blickfang, aber auch schnell wieder vergessen.
Einst für schöne Fenster berühmt, heute mit Screens. Aufgeräumt? Schlicht? Oder nur trist? Noch vor kurzem waren hier jeweils Kleider ausgestellt. Ein Blickfang, aber auch schnell wieder vergessen.

Einst für schöne Fenster berühmt, heute mit Screens. Aufgeräumt? Schlicht? Oder nur trist? Noch vor kurzem waren hier jeweils Kleider ausgestellt. Ein Blickfang, aber auch schnell wieder vergessen.

ksc Bild: ksc Bild: ksc Bild: ksc

Früher mussten die Ladenbesitzer am Montagmorgen mehr putzen, ganz bestimmt. Wegen der Schaufenster. Wegen kleiner, fettiger Fingerabdrücke auf halber Höhe, darüber der Tupfer der Nasenspitze. Früher, da gab es noch was zu sehen!

Da fuhren die Familien sonntags nach Suhr, um entlang der Schaufenster von Möbel Pfister zu flanieren. Oder nach Aarau, wo die Kinder beim Spielwarengeschäft Hemmeler die Nase an die Scheiben drückten, nicht zu vergessen die Affen im Schaufenster der Zoohandlung Matter, ehemals Urban, an der Rathausgasse, und die Grossen träumten vor den Schaufenstern der Modehäuser von feinstem Zwirn. Die Gassen hinauf und hinunter schlenderte die sonntäglich herausgeputzte Familie, liess sich hier zum Träumen verleiten, da zum Diskutieren, dort zum Stürmen mit den Kindern.

Doch die Schaufensterwanderer werden weniger. Nicht nur, weil Geschäfte dieser Art verschwinden. Die Schaufenster sind nicht mehr das, was sie mal waren.

Wenn nebst der Kunst auch die Stadt erblüht

Natürlich gibt es sie noch, die mit Herzblut hergerichteten Schaufenster. Die liebevoll dekorierten, heiteren, durchdachten, gut ausgeleuchteten Fenster, vor denen man staunend stehenbleibt, mal zögerlich, mal mit einem Ruck. Es sind hauptsächlich die kleinen Läden mit dem gewissen Extra. Die Läden beispielsweise, die diese Wochen wegen «Blumen für die Kunst» selber Blumen in die Schaufenster stellen. Ein aufgelegter, dieser Trick, ein schöner, erfrischender. Wenn schon blumenaffines Publikum mit Zeit und Geld in der Stadt ist, dann holt man es doch auch mit Blumen in den Laden.

Es gibt die Uninspirierten, die aus der Zeit gefallenen. Dann gibt es die Zugeklebten, die plastifizierte Tristesse. Mehr Plakatwand denn Fenster. Rasch gesehen. Und genau so schnell wieder vergessen. Mal ganz abgesehen davon, dass man bei zugeklebten Fenstern nie recht weiss, ob der Laden überhaupt noch offen ist.

Da verbleicht keine Ware, das leuchtet und bewegt

Modern sind die Schaufenster, in denen was läuft. Das gab es zwar schon früher; der Klassiker waren die Modelleisenbahnen, die mit einem Knopf unterhalb des Schaufensters aktiviert werden konnten. Heute sieht das anders aus. Heute sind das Bildschirme, auf denen der Werbespott in Endlosschlaufe läuft.

Da kann gezeigt und vermittelt werden, was ein Schaufenster nicht schafft. Da stehen keine kopflosen Puppen, da bewegen sich Menschen in den Kleidern, schöne Menschen, perfekt inszeniert. Das wirkt anders. Auch beim Reisebüro. Was sind schon ein Schaufenster mit Klappstuhl und in einem Haufen Sand steckende Gummischlappen im Gegensatz zu einem Drohnenflug über den Traumstrand?

Die Screens haben etwas ­Bestechendes. Da bleibt keine verbleichte Schaufensterware übrig. Da braucht es keine teure Dekorationsgestalterin, die von Filiale zu Filiale reist, da reicht ein USB-Stick. Das leuchtet, das bewegt sich, das zieht die Blicke an. Das ist einfach und günstig.

Aber es fehlt das Herz. Die Mühe. Die Kundinnen und Kunden mögen Mühe. Und sie mögen es, zu entdecken, zu stöbern. Auch hinter Glas. Es braucht wieder mehr Schau in den Fenstern.