Biberstein

Bijou im Dornröschenschlaf: Blick in das alte «Haselhaus»

Der Verein Pfadiheime St. Georg hat das bald 90 Jahre alte Lagerhaus am Südhang des Hombergs von der Gemeinde Biberstein im Baurecht übernommen. Ein Besuch vor Ort.

Es ist dunstig an diesem Nachmittag. Und doch kann man erahnen, wie überwältigend das Panorama bei klarem Wetter sein muss. Hier, auf der Haselmatte ob Biberstein und über 600 Meter über Meer, steht am Südhang des Hombergs das «Haselhaus». Erreichbar ist es über Waldwege, der Fussmarsch aus dem Dorf dauert eine halbe Stunde. Rund um das Haus gibt’s nur Wald, Landwirtschaftsflächen und Naturschutzgebiet. Ein Paradies. Aber ein stillgelegtes: Das Haselhaus wartet darauf, aus dem Dornröschenschlaf geholt zu werden. 2013 von der Gemeinde Biberstein gekauft, wurde die bald 90-jährige Liegenschaft vom Verein Pfadiheime St.Georg im Baurecht übernommen. Nach drei Jahre zähem Ringen mit dem Kanton liegt nun eine Baubewilligung vor, um aus der dreigeschossigen Liegenschaft wieder ein funktionales, weitgehend energieautarkes Lagerhaus zu machen.

Arbeiterheim wird Flüchtlingsunterkunft

Das Haselhaus wurde 1933 von einem Verein gebaut – mit dem Zweck, der Arbeiterschaft einen Treffpunkt in der Natur zu bieten und sie so von den Wirtshäusern fernzuhalten. In den 30er-Jahren beherbergte es mehrmals Flüchtlinge. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Haus dann tatsächlich eine Weile lang ein Ferienheim und beliebtes Ausflugsziel. Weil die Nachfrage aber zurückging, gelangte das Haselhaus in den 70er-Jahren in Privatbesitz und wurde als Ferienhaus von einer Unternehmerfamilie genutzt.

2013 kaufte die Gemeinde Biberstein die Liegenschaft von der Schöftler Firma Wälty & Co. Man wolle mit dem Kauf sicherstellen, «dass dort oben keine Festbeiz oder eine Pferderanch entsteht», erklärte damals Gemeindeschreiber Stephan Kopp.

Durch einen Zufall wurde der Verein Pfadiheime St.Georg, der schweizweit mehrere Gruppenunterkünfte betreibt, auf das Haus aufmerksam. «Uns wird mehrmals pro Jahr eine Liegenschaft angeboten, aber längst nicht jede ist so geeignet wie das Haselhaus», sagt Vorstandsmitglied Christian Kaiser (v/o Murmel). «Das wird ein Highlight», ist auch Architektin Cornelia Broggi (v/o Kess) überzeugt. 

Die Betten sind immernoch bezogen

Dem Innern des Hauses sieht man an, dass seit der Erbauung nur wenige Renovationen stattgefunden haben. Schiefe Holztäferung und Linoleum überwiegen. Einige Möbel stehen noch, im Obergeschoss liegt eine halb aufgegessene Packung Chips auf einem Regal, das Bürsteli neben dem Abwaschbecken in der Küche. Die Betten im Obergeschoss sind bezogen, aber nicht gemacht, was etwas gespenstisch wirkt. Wer war wohl zuletzt hier? Ein uralter Töggelikasten steht im Gang, daneben eine Dartscheibe mit mehr Löchern als intakter Oberfläche. Das Haus hat keinen Strom und, weil der Zufluss von einer nahen Quelle nicht mehr funktioniert, kein Wasser.

Das Haselhaus oberhalb von Biberstein soll bald wieder zu einem modernen Lagerhaus werden

Das Haselhaus oberhalb von Biberstein soll bald wieder zu einem modernen Lagerhaus werden

   

Der Pfadiheim-Verein will das Haus grundsanieren und energetisch auf den neusten Stand bringen. Die Bauzeit beträgt rund sechs Monate. Geplant sind unter anderem Sanitäranlagen auf jedem Stockwerk und mehrere Aufenthaltsräume. In vier Schlafzimmern sind insgesamt 30 Betten im Massenlager vorgesehen. Einer der Kompromisse mit dem Kanton war, dass die Anzahl Logiernächte limitiert wird: Jedes Bett darf über das Jahr hinaus maximal zu 50 Prozent belegt sein. «Damit können wir leben», sagt Cornelia Broggi. «Das entspricht ungefähr der durchschnittlichen Auslastung unserer Pfadiheime», sagt auch Christian Kaiser.

Die Sonne bringt einen Grossteil der Energie

Im Zentrum des Hauses wird ein sogenannter Jenni-Speicher eingesetzt, eine Art riesiger Boiler, der wie eine Wärmespeicher-Batterie wirkt. Das Wasser wird mit Sonnenenergie geheizt. Auch die Stromproduktion funktioniert so; allerdings benötigt es für das Kochen zusätzlich Gas-Kartuschen. «Kochen braucht so viel Energie, dass die Eigenproduktion nicht ausreicht», erklärt die Architektin. Immerhin: Es soll möglich sein, dereinst mit Wasserstoff zu kochen, wenn dies finanzierbar wird. Das Haus wird einen Regenwasserspeicher für die WC-Spülung haben, das Frischwasser wird künftig wieder ab der Quelle kommen.

Für den Bau braucht es wegen des gigantischen Jenni-Speichers und der schwierigen Zufahrt einen Super-Puma. «Bauen mit Helikopter ist in solchem Gelände Usus und gar nicht so teuer, wie man immer meint», sagt die Architektin. «Angedacht ist, den Helikopter einen halben Tag lang einzusetzen und zusätzlich zum Speicher möglichst viel Material von und zur Haselmatt zu fliegen. Dadurch können aufwendige Lastwagenfahrten in diesem sensitiven Gebiet eingespart werden.»

Es werden weitere Spender gesucht

Das Haus soll künftig als Unterkunft auch ausserhalb der Pfadi genutzt werden können. Der Verein wird etwa 13 bis 18 Franken pro Person und Nacht verlangen und auch die Nebenkosten kostendeckend weiterverrechnen. Insgesamt soll das Haselhaus selbsttragend sein. Der Umbau kostet voraussichtlich rund 1,5 Millionen Franken und wird zum grössten Teil über Spenden finanziert. Erst, wenn 1 Mio. beisammen ist, wird die Ausführungsplanung in Angriff genommen. Momentan liegt das Spendenbarometer etwa bei 500'000 Franken.

Weitere Informationen: www.haselhaus.ch

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